Nicole nörgelt . . . über den teuren Führerschein
Von Nicole
GLOSSE | Der Führerschein ist seit Monaten in aller Munde – angeblich so teuer, dass es sich keine Familie mehr leisten kann, dem eigenen Kind die Mobilität zu ermöglichen. Doch woran liegt das denn?
GLOSSE! Folgt man den Berichten in der Presse und den Nachrichten, so ist es inzwischen für Eltern wohl unmöglich, den Führerschein für ihre Kinder zu bezahlen. Dabei ist die Mobilität bei der immer schlechter werdenden Infrastruktur im Bereich der öffentlichen Verkehrsmittel insbesondere auf dem Land mehr als wichtig, um zur Ausbildung und zur Arbeit zu kommen. Aber liegt es wirklich nur an den Preissteigerungen der Fahrschulen oder gibt es vielleicht auch ganz andere Gründe für die Verteuerung?
Lernen für die Prüfung
Hört man im Gegenzug einmal, was die Fahrlehrer und Besitzer der Fahrschulen dazu sagen, dann zeigt sich die Tendenz, dass Fahrschüler heutzutage oft viel mehr Fahrstunden als die Pflichtstunden benötigen, um eine „Prüfungsreife“ zu erlangen und zur Prüfung angemeldet werden zu können. Dazu kommt, dass die Durchfallrate bei der theoretischen und praktischen Prüfung immer weiter ansteigt. Für die Theorie kann sich jeder vorbereiten und schon früher hat es nicht gereicht, einfach nur seine Theoriestunden in der Fahrschule "abzusitzen", auch da hieß es zwischendurch zu Hause Theoriefragen pauken. Aber was soll man in einer Gesellschaft erwarten, in der das Sitzenbleiben und die Notengebung abgeschafft werden sollen und keine Bundesjugendspiele mehr stattfinden dürfen, damit auch ja niemand nur dem geringsten Leistungsdruck ausgesetzt ist? Vielleicht liegt die hohe Durchfallquote ja auch daran, dass viele nicht mehr gewöhnt sind, sich eine Leistung zu erarbeiten und diese dann auch abzurufen. Oder daran, dass die Boomer-Generation, auf der ja immer rumgehackt wird, sich in den Jahren vor dem Führerschein das Geld dafür mit Straße kehren, Zeitung austragen und Rasen mähen verdienen musste. Und nein, eine Vereinfachung der Prüfung und eine Reduzierung der Fragen ist bestimmt nicht die zielführende Lösung, denn schlecht ausgebildete Verkehrsteilnehmer gefährden nicht nur sich und andere, sondern sorgen auch dafür, dass die Kosten für Versicherungen für alle durch die Decke gehen. Hier sind Konzentration, Fleiß, Selbstdisziplin und Lernen angesagt.
Überraschende Kosten?
Das mit den Kosten für den Führerschein ist ein bisschen wie Schulferien für die Lehrer – zack sind sie ganz plötzlich da und auf einmal müssen auf den letzten Drücker noch Arbeiten geschrieben werden. Liebe Eltern und Paten, mit der Geburt eines Kindes weiß man im Allgemeinen, dass dieses Kind zu seinem 18. Geburtstag eventuell einen Führerschein machen möchte. Statt also ständig neue Spielsachen, Handys und anderen Kram zu kaufen, könnte man doch auch über die Jahre jedes Jahr einen bestimmten Betrag zur Seite legen. Dann ist ein Grundstock für den Führerschein da. So wurde es bei der Generation der Boomer über Jahrzehnte hinweg gemacht. Natürlich sind die Kosten für Fahrstunden mit der Inflation auch gestiegen, aber das ist nicht der alleinige Grund für die angeblich explodierenden Kosten. Vielleicht liegen einfach bei vielen Menschen die Prioritäten auf den falschen Dingen.
In diesem Sinne, liebe Eltern, statt also ständig zu jammern und zu verlangen, dass wieder der Staat zur Unterstützung einspringt, erziehen Sie Ihre Kinder zum Lernen und dazu, Verantwortung zu übernehmen. Mit der Volljährigkeit kann man das schon erwarten.
Ihre Nicole
Definition einer Glosse
Als Glosse wird ein kurzer journalistischer Text bezeichnet, in dem sich der Autor mit aktuellen Nachrichten auf satirische Art und Weise auseinandersetzt. Die Themen einer Glosse können sowohl gesellschaftlich wichtig als auch witzig oder kurios sein.
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Nicole nörgelt
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