Schmerzambulanz im Altenkirchener Diakonie Klinikum schließt mit sofortiger Wirkung
Das ist ein weiterer Rückschlag für das medizinische Angebot in der Kreisstadt: Die Schmerzambulanz/Schmerztagesklinik im Diakonie Klinikum Kirchen am Standort Altenkirchen schließt mit sofortiger Wirkung. Es ist ein weiterer Tiefpunkt in der Geschichte des Krankenhauses am Leuzbacher Weg seit dem Jahr 2014, als die Diskussion um die Zukunft der Klinik begann.
Altenkirchen. In weiten Teilen steht das Krankenhaus am Leuzbacher Weg in der Kreisstadt bereits leer. Nun werden weitere Räume nicht mehr genutzt: Die Schmerzambulanz/Schmerztagesklinik im Diakonie Klinikum Kirchen am Standort Altenkirchen schließt mit sofortiger Wirkung. Übrig bleiben in dem großen Gebäude die Kinder- und Jugendpsychiatrie (KJP), die in den zurückliegenden Monaten auch im Fokus der Öffentlichkeit stand, und das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ), für das von der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz zwei Arztsitze genehmigt wurden. „Das Diakonie Klinikum bestätigt, dass die Schmerzambulanz und Schmerztagesklinik am Standort Altenkirchen nicht mehr weiter betrieben wird. Zu unserem Bedauern erfolgt die Schließung aus wirtschaftlichen Gründen und nach dem Ausscheiden einer Ärztin zum 1. März 2026. Den fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern haben wir allesamt Versetzungsangebote an andere Stellen in unserem Hause unterbreitet. Patienten können noch in den kommenden zwei Wochen ihr Befunde anfordern“, erklärte Daniel Grube, Verwaltungsdirektor des Diakonie Klinikums Kirchen, auf Anfrage des AK-Kuriers. Offen bleibt, wie und wo Patienten, die dringend auf medizinische Unterstützung aufgrund chronischer Schmerzen angewiesen sind, in den kommenden Wochen behandelt werden können. Unklarheit herrscht zudem bei einer Personalie. Nach Angaben aus dem Mitarbeiterkreis habe die Leiterin der Abteilung, Dr. Barbara Schneider, gar nicht gekündigt. „Ich bedaure, dass mit der Schließung der Schmerztagesklinik ein ambulantes medizinisches Angebot in der Kreisstadt Altenkirchen und damit für die Menschen in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld wegfällt“, betonte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld, Fred Jüngerich. Er hoffe, dass die Schmerztagesklinik als verbindendes Element zwischen Schmerzambulanz und Schmerzklinik am Standort Kirchen eine Zukunft habe. Insoweit vertraue er mit den Menschen im Landkreis Altenkirchen auf den Träger. „Wirtschaftlichkeit ist auch in der medizinischen Versorgung vonnöten, aber strategische Entscheidungen beinhalten sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich stets eine moralische Verpflichtung“, ergänzte er.
Unterstützung für die KJP
Vor wenigen Wochen hatte auch Unklarheit über den Fortbestand der KJP im Komplex am Leuzbacher Weg bestanden, nachdem leitende Ärzte wohl ihre Stellen wegen „Arbeitsüberlastung“ gekündigt hatten. Daraufhin hatten die beiden Landräte des Kreises Altenkirchen und des Westerwaldkreises, Dr. Peter Enders und Achim Schwickert, ein Maßnahmenpaket vorgestellt, um die KJP, die einen Sicherstellungsauftrag des Landes zur Wahrnehmung des medizinischen Angebots in dieser Fachrichtung hat, „zu retten“. Als Grundlage für eine erfolgreiche Arbeit der KJP wurden etwa neues ärztliches Personal, eine funktionierende IT-Struktur, Vor-Ort-Unterstützung in der Verwaltungsarbeit und eine transparente Kommunikation mit den Mitarbeitern dargestellt, wobei offen blieb, ob das neue ärztliche Personal auch für die Spitzenpositionen vorgesehen ist. „Wir sehen damit den Sicherstellungsauftrag auch künftig ohne jedwede Einschränkungen erfüllt. Mit diesem schlüssigen Konzept werden die Grundlagen dafür geschaffen, dass die Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien in den Landkreisen Altenkirchen und im Westerwaldkreis in vollem Umfang aufrechterhalten bleibt", hatten Enders und Schwickert in einer gemeinsamen Erklärung unterstrichen. Die KJP mit zwei vollstationären Stationen, einer Akutstation sowie einer Tagesklinik als auch die Schmerzambulanz/Schmerztagesklinik waren im August 2025 im Zuge der Insolvenz der bisherigen DRK-Trägergesellschaft von der Diakonie in Südwestfalen übernommen worden.
Das Sterben eines Krankenhauses
Im Zeitraffer: Seit nunmehr zwölf Jahren (2014) wird am Krankenhaus Altenkirchen herumgedoktert. Zunächst war eine Verschmelzung mit dem Hospital in Hachenburg angedacht, dann sah der Träger, die DRK gemeinnützige Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz mbH, von einer Fusion ab. Nach und nach sickerten die Pläne für den Bau eines Westerwaldklinikums durch, das unter großem Einsatz führender Politiker aus dem ehemaligen Oberwesterwaldkreis in der Peripherie von Hachenburg im „Stadtteil Müschenbach“ gebaut werden sollte. Insolvenzen verschiedener Gesellschaften des Trägers folgten, schließlich zog sich der DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz ganz als Betreiber von Kliniken zurück und hinterließ verbrannte Erde. Nach und nach wurde, auch mithilfe der Landesregierung in Mainz (SPD-geführtes Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit), das medizinisch ambulante und stationäre Angebot in Altenkirchen immer weiter zurückgefahren. Inzwischen hat die Diakonie in Südwestfalen in Häuser in Kirchen und Altenkirchen übernommen, das Hospital in Hachenburg ist beinahe als orthopädische Fachklinik nunmehr in Händen des evangelischen Krankenhauses Dierdorf/Selters. (vh)
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