Werbung

Pressemitteilung vom 06.03.2026    

Herausforderungen und Lösungen: Die Zukunft der Notfallversorgung in Rheinland-Pfalz

Steigende Einsatzzahlen, gebundene Rettungsmittel und veränderte Klinikstrukturen erhöhen den Druck auf die Notfallversorgung. Wie sie unter diesen Bedingungen effizient und zugleich patientengerecht organisiert werden kann, war zentrales Thema beim Besuch des rheinland-pfälzischen Innenministers Michael Ebling auf dem Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongress (DINK) in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle.

Michael Ebling, Innenminister aus Rheinland-Pfalz, beim Besuch des Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongresses in Koblenz und im Gespräch mit Fachleuten aus Notfallmedizin und Rettungswesen. (Fotos: DGAI e.V.)

Koblenz. Im Mittelpunkt stand die Weiterentwicklung der Patientennavigation. Ziel ist es, Hilfesuchende bereits beim ersten Kontakt strukturiert nach medizinischer Dringlichkeit einzuschätzen und gezielt in die passende Versorgungsstruktur zu lenken - in den Rettungsdienst, die Notaufnahme, den ärztlichen Bereitschaftsdienst oder in ambulante Angebote. "Notfallversorgung beginnt nicht erst am Krankenhausbett, sondern mit der richtigen Steuerung am Anfang der Versorgungskette", betonte Prof. Dr. Jörg Christian Brokmann, Mitglied des Organisationskomitees des DINK und Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme an der Uniklinik RWTH Aachen. Eine strukturierte Ersteinschätzung in den Leitstellen, standardisierte Notrufabfragen, digitale Unterstützungssysteme und eine enge Vernetzung mit den Kliniken seien entscheidende Bausteine. "Nur wenn wir diese Steuerung verbessern, können wir Ressourcen gezielt einsetzen und zugleich die Versorgungsqualität sichern."

Reform der Notfallversorgung lässt auf sich warten
Genau diese Instrumente sollen mit der geplanten Reform der Notfallversorgung bundesweit verbindlich eingeführt werden. Doch die gesetzliche Neuordnung wird inzwischen in der dritten Legislaturperiode beraten; der aktuelle Entwurf befindet sich weiterhin in der Abstimmung. Bereits vor zwei Jahren hatte Professor Brokmann im Rahmen des Kongresses gewarnt: "Die Zeit drängt. Reformvorschläge liegen ausreichend vor. Es fehlt die Umsetzung." Diese Einschätzung gelte noch immer.

Unabhängig vom Stand des Gesetzgebungsverfahrens wurde in Koblenz deutlich, worauf es fachlich ebenfalls ankommt: Eng mit der Patientennavigation verknüpft ist der zielgerichtete Einsatz von Rettungsmitteln. Hochqualifizierte Ressourcen - insbesondere Notärzte - sollen dort eingesetzt werden, wo ihre Expertise medizinisch notwendig ist. Gleichzeitig gewinnen die erweiterten Kompetenzen von Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitätern sowie telemedizinische Unterstützungssysteme an Bedeutung.

"Der Rettungsdienst ist ein komplexes Gesamtsystem. Effizienz entsteht nicht durch Reduktion, sondern durch klare Standards, definierte Zuständigkeiten und abgestimmte Prozesse", sagte Dr. David Häske, ebenfalls Mitglied des Organisationskomitees des DINK und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Zentrums für öffentliches Gesundheitswesen und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Tübingen. "Wenn wir Rettungsmittel dort einsetzen, wo sie medizinisch wirklich erforderlich sind, und digitale Unterstützung konsequent nutzen, sichern wir Kapazitäten für zeitkritische Notfälle und stärken die Qualität der Versorgung insgesamt."



"Ein Land - ein Rettungsdienst" Rheinland-Pfalz setzt auf einheitliche Standards
Minister Michael Ebling stellte in diesem Zusammenhang das Konzept "Ein Land - ein Rettungsdienst" als strukturelle Antwort des Bundeslandes Rheinland-Pfalz auf steigende Anforderungen im Rettungswesen vor. "Ein leistungsfähiger Rettungsdienst braucht klare Strukturen und landesweit einheitliche Standards", erklärte Ebling. "Mit unserem Konzept 'Ein Land - ein Rettungsdienst' setzen wir auf eine durchgängige Organisation mit einheitlicher Leitstellentechnik, standardisierten Behandlungsalgorithmen und einem flächendeckenden Telenotarztsystem." Weiter führt er aus, dass das es ermögliche, Rettungsmittel gezielt dort einzusetzen, wo sie medizinisch notwendig seien, und gleichzeitig die Versorgungsqualität im ganzen Land auf einem hohen Niveau zu sichern. Denn einheitliche Daten- und Dispositionsstrukturen würden nicht nur Transparenz schaffen und die Steuerungsfähigkeit verbessern, sie würden es auch erlauben, Innovationen zügig landesweit umzusetzen.

Auch die bereichsübergreifende Versorgungsplanung spiele dabei eine zentrale Rolle. "Wenn Leitstellen, Rettungsmittel und Qualitätsmanagementsysteme auf einer gemeinsamen Grundlage arbeiten, können Einsätze ohne Zeitverlust über Bereichsgrenzen hinweg disponiert werden. Das stärkt die Resilienz des Gesamtsystems", so Ebling weiter.

Notfallversorgung muss jederzeit funktionieren
Die gemeinsame Diskussion auf dem DINK machte deutlich: Die Zukunft der Notfallmedizin liegt nicht allein in medizinischem Fortschritt, sondern auch in intelligenter Organisation, digitaler Vernetzung und einer klaren Patientensteuerung entlang der gesamten Versorgungskette. "Am Ende geht es um Verlässlichkeit für die Patienten", sagte Professor Brokmann. "Notfallversorgung muss jederzeit funktionieren. Dafür brauchen wir klare Prozesse und den Mut, fachlich sinnvolle Lösungen konsequent umzusetzen." (PM)


Mehr dazu:   Veranstaltungsrückblicke   Gesundheitsversorgung   Politik & Wahlen  
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
     



Aktuelle Artikel aus Region


Gemeinsamer Einsatz für die Natur: Aufräumaktion in Steimel

Am vergangenen Samstag (28. Februar 2026) trafen sich engagierte Bürger in Steimel zu einem besonderen ...

Digitaler Durchblick in der Patientenakte: Ehrenamtliche ePA-Coaches helfen in Hamm

In Rheinland-Pfalz gibt es ein neues ehrenamtliches Programm, das Menschen bei der Nutzung der elektronischen ...

Jugendliche werfen Gegenstände von Brücke auf die L 280 bei Kirchen

Am Dienstagnachmittag (3. März) meldete ein Zeuge der Polizei Betzdorf, dass Jugendliche von einer Brücke ...

Treffpunkt für Trauernde im Kutscherhaus Kirchen

Am Montag, 16. März, öffnet das Kutscherhaus in Kirchen seine Türen für ein besonderes Treffen. Hier ...

"Obstbäume richtig schneiden": Seminar in der Obstplantage in Birken

Hinweise zum richtigen Schneiden von Obstbäumen in Theorie und Praxis gibt es am Samstag, 21. März 2026 ...

VG-Werke treiben in mehreren Gemeinden Erneuerung von Wasserleitungen voran

Die Lebensdauer von Wasserleitungen ist nicht auf ewig ausgelegt. Deshalb arbeiten die Werke der Verbandsgemeinde ...

Weitere Artikel


Bracken Open Air fördert regionale Musikschule mit Spende

Das Bracken Open Air zeigt erneut soziales Engagement. Nach der Veranstaltung im Mai 2025 konnte der ...

Ein Hauch der wilden 1920er Jahre in Altenkirchen

Am Samstag, 14. März 2026, verwandelt sich die Stadthalle Altenkirchen in eine Zeitkapsel, die das Publikum ...

Treffpunkt für Trauernde im Kutscherhaus Kirchen

Am Montag, 16. März, öffnet das Kutscherhaus in Kirchen seine Türen für ein besonderes Treffen. Hier ...

"Obstbäume richtig schneiden": Seminar in der Obstplantage in Birken

Hinweise zum richtigen Schneiden von Obstbäumen in Theorie und Praxis gibt es am Samstag, 21. März 2026 ...

VG-Werke treiben in mehreren Gemeinden Erneuerung von Wasserleitungen voran

Die Lebensdauer von Wasserleitungen ist nicht auf ewig ausgelegt. Deshalb arbeiten die Werke der Verbandsgemeinde ...

Sparkasse Westerwald-Sieg fördert musikalische Talente am Landesmusikgymnasium Montabaur

Die Sparkasse Westerwald-Sieg unterstützt auch in diesem Jahr das Landesmusikgymnasium Rheinland-Pfalz ...

Werbung