„Dörner Moden“ wird zu „Dörner.Altenkirchen“: Umzug in Altenkirchens Fußgängerzone
Innenstädte attraktiv zu halten ist ein Ziel, das sich viele Kommunen auf die Fahnen geschrieben haben, an dem sie sich aber auch oft die Zähne ausbeißen. Freude kommt über jede Neueröffnung eines Geschäftes auf, auch wenn es sich nur um eine Verlagerung des Betriebs handelt, die jedoch allemal besser ist, als dass dieser Handel ganz von der Bildfläche verschwunden wäre.
Altenkirchen. Hermann Josef Dörner ist Einzelhändler durch und durch. Und das schon über 60 Jahre lang. Er hat in erster Linie in Altenkirchen Höhen und Tiefen seiner Tätigkeit erlebt, hat mitbekommen, wie die Wilhelmstraße gar zweimal saniert wurde, hat mit angesehen, wie Konkurrenz für sein Damen-Bekleidungsgeschäft kam und wieder ging. Als er sein angestammtes doppeltes Refugium am Beginn der Fußgängerzone in der Nähe von Bleichweg und kleiner Quengelstraße Ende Januar „dicht“ machte, glaubten viele schon an ein Ende der Ära „Dörner Moden“. Pustekuchen! Der nunmehr 82-Jährige wollte sich nicht gemeinsam mit seiner Frau Theresia aufs Altenteil setzen und im heimischen Haus Löcher in die Luft starren, so abrupt seine liebgewonnene Profession beenden. Die Pläne für die Zeit danach waren längst ausgereift, in seinen Gedanken gespeichert. „Aus zwei mach eins“ hieß die simple Formel, die einen Umzug des Betriebs bedeutete. Seit nunmehr Donnerstagmorgen (26. März) sind die „Dörners“ wieder im Geschäft, im neuen also, um genauer zu sein in der Wilhelmstraße 29 in der autofreien Zone der Kreisstadt, im ehemaligen Sporthaus Spiegel (das zur Erklärung für Alteingessene). „Ich kann nicht ohne sein“, begründet Dörner, warum er den Schritt ins Rentnerleben nach wie vor nicht vollzogen hat. Ihm seien die ehemaligen Räume „zu groß, die Mode und die Preise zu anspruchsvoll“ geworden. Nunmehr setzt er auf eine „junge, sportliche und preisaggressive Kollektion verschiedener internationaler Lieferanten“. Dies geschieht auf einer Fläche von rund 90 Quadratmetern, für deren Gestaltung auch Dörner-Sohn Ulf, ebenfalls in der Modebranche tätig, mitverantwortlich zeichnete. „Ohne ihn hätten wir das alleine nicht hinbekommen“, lobt der Vater. Zwei Teilzeitbeschäftigte bedienen gemeinsam mit Hermann Josef und Theresia Dörner, die er gerne als den „Motor“ der Unternehmungen beschreibt, die Kundinnen, eine dritte „sehr gute Fachkraft“ (in Voll- oder Teilzeit) soll das Team von „Dörner.Altenkirchen“ noch verstärken, um auch dem Motto „Neuer Ort. Neuer Look. Gleiche Leidenschaft für Mode.“ gerecht zu werden. Angeboten werden unter anderem die Marken OPUS, Cecil, Yaya, Street one, Soyaconcept und Smith & Soul. Aus den alten Refugien brauchte so gut wie nichts gen neuer „Unterkunft“ transferiert zu werden: Beim Abverkauf seien lediglich zwölf Teile übrig geblieben.
Fast 60 Jahre vor Ort
Seit nunmehr beinahe 60 Jahren (23. März 1967) sind Hermann Josef und Theresia Dörner (geb. Zimmer/Hochzeit 1968) als Einzelhändler fester Bestandteil der Altenkirchener Geschäftswelt. Davon entfallen sage und schreibe 43 Jahre auf den Modesektor. Begonnen hatte er seine berufliche Karriere mit dem Abschluss an einer Höheren Handelsschule und der erfolgreich absolvierten Lehre zum Bankkaufmann. Der Erwerb eines Reformhauses am Marktplatz in Wissen, wo Dörner auch geboren wurde, bedeutete nach wenig Gefallen an der Arbeit in einem Geldinstitut eine komplette Neuausrichtung. Es kam ein weiteres Geschäft dieser Couleur in Altenkirchen hinzu, ehe das Ehepaar Dörner feststellte, dass das gewählte Metier trotz Ergänzung um eine Drogerie-Abteilung nicht unbedingt geeignet sei, eine Familie zu ernähren. Nach und nach wurde der Schwerpunkt auf den Verkauf von Kindermode verlagert, und schließlich gesellten sich Mode für Jugendliche und Damen hinzu, während die Reformhaussparte nicht mehr weiterbetrieben wurde. 1989 wurde das Haus in der Wilhelmstraße mit dem Café Weiler im Erdgeschoss erworben, das Ladenlokal umgebaut. Der benachbarte und angemietete Geschäftsbereich (ehemalige Bäckerei Spahr) gehörte gleichfalls zu „Dörner Moden“ genau wie direkt angrezend ein weiterer für Cecil-Mode, in dem aktuell ein Tattoo-Studio seine Heimstatt hat. Zwei Jahre lang wurde auch Bekleidung für Herren offeriert (von 1999 an), eine Filiale für den Verkauf von Levi’s-Jeans ergänzte damals das Portfolio. In der ehemaligen Metzgerei Deubel (direkt gegenüber der Drei-Häuser-Zeile gelegen) residierte zwei Jahre lang zudem noch ein Outlet-Geschäft.
Die Zeiten ändern sich
Wie sich die Zeiten in der Modebranche in den zurückliegenden Jahrzehnten geändert haben, kennen die Dörners aus dem Effeff. Die Ware werde nicht mehr in Schüben zu den jeweiligen Saisonwechsel geliefert, sondern es finden inzwischen regelmäßig Änderungen der Farben und Schnitte statt. Eine Kollektion baue jeweils auf der vorhergehenden auf, beschreibt Hermann Josef Dörner, so würden zwei Lieferanten zehnmal, fünf gar zwölfmal im Jahr Modifikationen vornehmen. „Deswegen sind wir auch mehrfach im Jahr in den Orderbüros in Frankfurt oder Düsseldorf unterwegs“, bemerkt er und erteilt den großen Bestellungen via weltweitem Netz, die weniger Aufwand bedeuten würden, eine klare Absage: „Wir müssen die Produkte in die Hand nehmen, sie fühlen.“ Hat ein Kunde einmal einen besonderen Wunsch aus einem Sortiment oder fehlt eine bestimmte Größe, kann per Online-Order umgehend reagiert und wenige Tage später geliefert werden. So hofft Hermann Josef Dörner nach dem kompletten Neuanfang, dass der einstmals große Kundenstamm auch den Weg in die neue Location findet, die aufgrund des gestrafften Lieferprozesses so gut wie ohne Lager auskommt. Die potentiellen Käufer werden auf jeden Fall einen gutgelaunten Inhaber antreffen: „Ich bin glücklich in diesem Laden.“ (vh)
Lokales: Altenkirchen & Umgebung
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