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Nachricht vom 02.04.2026    

Ostereier-Wettbewerbe in Rheinland-Pfalz: Traditionen voller Spaß

In Rheinland-Pfalz werden zu Ostern zahlreiche traditionelle Bräuche mit Eiern gepflegt, die sowohl Geschicklichkeit als auch Humor erfordern. Diese lebendigen Traditionen ziehen Jahr für Jahr Teilnehmer und Zuschauer an.

Osterschmuck (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Rheinland-Pfalz/Horhausen. So mancher Brauch hat überdauert und lebt noch heute in österlichem Kräftemessen fort. Ein bisschen Ehrgeiz ist mit im Spiel, vor allem aber Spaß. Es wird geworfen, gerannt, gesammelt und gedrückt.

Dass sich an Ostern viel um Eier dreht, ist hinlänglich bekannt. Mancherorts in Rheinland-Pfalz verbinden sich mit ihnen aber ganz eigene Bräuche, die auch heute noch mit einem Augenzwinkern gepflegt werden. Hier ein paar Beispiele.

Fliegende Eier im Westerwald
In Horhausen im Kreis Altenkirchen gibt es seit inzwischen mehr als 30 Jahren den Ostereier-Weitwurf-Wettbewerb. Die Teilnehmer versuchen dabei an Ostersonntag, ein hart gekochtes Ei möglichst weit über die Wiese am Feuerwehrhaus zu schleudern. Gewertet wird ein Wurf nur, wenn das Ei unbeschadet auf dem Boden aufkommt. Laut der Ortsgemeinde Horhausen liegt der "Wiesenrekord" bei 78 Metern, aufgestellt im Jahr 2002. Bleibt abzuwarten, ob diese Marke bei der 38. Ausgabe dieses Spektakels geknackt wird. Mitmachen ist übrigens kostenlos.

Dass es ein Wettbewerb für Jung und Alt ist, zeigt etwa die Tatsache, dass im vergangenen Jahr die älteste Teilnehmerin mit 92 Jahren ihre persönliche Bestmarke hochschraubte. Nach Angaben der Ortsgemeinde Horhausen kam sie dabei auf 13 Meter. Gemessen wird übrigens die Weite, bei der das heil gebliebene Ei ausrollt und zum Liegen kommt.

Das Ganze geht darauf zurück, dass sich in früheren Jahren die Dorfjugend nach dem Gottesdienst an Ostersonntag traf, um beim Eierwerfen Kraft und Geschick zu messen, wie die Ortsgemeinde erklärt. 1987 wurde dieser Wettbewerb vom damaligen Heimat- und Verkehrsverein wiederbelebt.

An der Mosel werden Eier gegeneinander geschlagen
Ein etwas anderes Kräftemessen steht ebenfalls an Ostersonntag in Winningen an der Mosel an: Das Eierkibben am dortigen Weinhexenbrunnen. Zuerst wird die spitze Seite eines bunt gefärbten Eis auf die spitze Seite eines anderen Eis gedrückt - oder auch geditscht, wie man in Winningen sagt -, dann geschieht das mit der stumpfen Seite. Die Person, deren Ei unversehrt bleibt, gewinnt. Sie darf beide Eier behalten. Bei so manch einem Spieler gebe es am nächsten Tag köstlichen Eiersalat, heißt es auf der Internetseite der Ortsgemeinde Winningen.

Bis zu 6.000 Eier sind Jahr für Jahr bei Blasmusik vorhanden, im Schatten eines vier Meter großen Ostereis nebst Riesenhase auf dem Festgelände. Laut Rheinland-Pfalz-Tourismus ist die Tradition rund 175 Jahre alt. Sie kam demnach nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst zum Erliegen, wurde später zunächst in kleinerem Kreis in Gasthäusern wiederbelebt, bis der damalige Fremdenverkehrsverein daraus wieder ein Orts-Event machte.



Heute wird das bunte Treiben rund um den Weinhof, zu dem unter anderem Winninger Eierwein gereicht wird, vom Trommler- und Pfeiffer-Corps Winningen ausgerichtet. Wenn nach einem Drück-Duell übrigens entweder die Spitze oder die untere Seite des Eis kaputt sind, wird nach einem anderen Ei gesucht, wo genau dieser Teil noch unversehrt ist. "Beer härren Schbetz?" oder "Beer härren Oarsch?" wird dann gerufen, wobei Schbetz für die Ei-Spitze und Oarsch für das flachere Unterteil steht.

Eiersammeln in der Eifel
An Ostermontag steht in Schönecken im Eifelkreis Bitburg-Prüm die Eierlage an. Dabei treten zwei Kontrahenten gegeneinander an, wie die Junggesellensodalität Schönecken erklärt. Es bewerben sich Paare von Junggesellen aus den Reihen des Vereins, unter ihnen wird die Eierlage am Sonntag vor Ostern, also am Palmsonntag, versteigert. An Ostersamstag müssen die Zwei 104 Eier im Ort sammeln. Diese werden für den Ostersonntag dann auf einem Parcours jeweils im Abstand von einer Elle, 62,5 Zentimetern, wie die Junggesellensodalität erläutert, ausgelegt.

Zum Showdown am Sonntag gibt einer den Raffer und einer den Läufer. Der Raffer muss in meist gebückter Haltung die 104 rohen Eier einsammeln beziehungsweise zusammenraffen. Sein Kontrahent läuft bis in den Nachbarort Seiwerath und zurück, das sind rund 7,6 Kilometer. Wer von beiden seine Aufgabe als Erster erledigt hat, ist der Sieger.

Dieses Kräftemessen hat laut Rheinland-Pfalz-Tourismus seine Wurzeln im Mittelalter, als die Burgherren von Schönecken zur Belustigung des Volkes ihre Laufburschen gegeneinander antreten ließen. Die Junggesellensodalität erklärt, dieser Brauch sei einer Sage nach im Jahr 1500 entstanden.

Es sei bei Rittern und Junkern keine Seltenheit gewesen, dass sie wegen Kleinigkeiten in eine Fehde gerieten. Jeder habe den schnellsten Läufer haben wollen, das wiederum habe zu Wetten geführt, bei denen die Tüchtigkeit der Läufer erprobt worden sei. "Dieses Wettlaufen wurde so allmählich zu einer Belustigung für die Junker und das Volk und fand dann regelmäßig an bestimmten Tagen und meistens zu Ostern statt." (dpa/bearbeitet durch Red)


Mehr dazu:   Ostern  
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