Bau einer neuen Stützmauer: Wiedereröffnung der Jugendkunstschule rückt näher
Die Zeit, in der die Altenkirchener Jugendkunstschule ihr angestammtes Domizil in der alten Sturm-Halle zwischen den beiden Bahnübergängen in der Koblenzer Straße nicht nutzen darf, strebt dem Ende entgegen. In nur noch wenigen Wochen scheint einer Wiedereröffnung mit der Aufhebung des Betretungsverbotes nichts mehr im Wege zu stehen.
Altenkirchen. Zunächst waren es große Baumaschinen, die die Szene rund um die Jugendkunstschule in Altenkirchen bestimmten. Dann lebte das Areal still vor sich hin, ehe nunmehr wieder Bagger das Geschehen dominieren. Hatte die Deutsche Bahn die Brücke über den Quengelbach im Verlauf der Strecke zwischen Altenkirchen und Westerburg in unmittelbarer Nähe zur „Kreuzung“ mit der L 267, der Koblenzer Straße, erneuern lassen, folgte auf diese Arbeiten die Hiobsbotschaft: Die rechte Stützmauer (in Fließrichtung des kleinen Baches), an die die alte Sturm-Halle als Heimstatt der Kunstschaffenden unmittelbar grenzt, präsentierte sich nicht mehr von ihrer stabilsten Seite. Sie war vom Einsturz bedroht, so dass zum 1. Mai 2024 ein Betretungsverbot für das Refugium der großen und kleinen Künstler erlassen werden musste, das auch schriftlich vorliegt. Die Sanierung der Querung wird auch als Ursache vermutet, die das Bruchsteinsammelsurium in der Vertikalen aus dem Lot gerieten ließ. Nach Monaten der Planung ist wieder Leben in den Bereich rund um das Atelier gekommen. Der alten Einfassung wurde der Garaus gemacht, der Quengelbach sucht in diesem Abschnitt vorübergehend durch drei größere Rohre seinen Weg in Richtung der wenige Hundert Meter entfernten Mündung in die Wied. Über ihnen bilden dicke Holzbohlen die Basis, auf der die Männer der Firma Peter Gross Bau das Projekt der neuen seitlichen Führung verwirklichen können. Inzwischen sind die Grundlagen gelegt, um das Bollwerk zu vervollständigen. Die Gründung erfolgte mit bis zu knapp neuen Metern tiefen Bohrungen, die anschließend mit Beton und Armierungseisen verfüllt wurden. Auf diese Ansätze wird die neue Mauer mit einer Höhe von rund einem Meter in herkömmlicher Weise per Schalung und Kies-Zement-Gemisch als Ausfüllmasse gesetzt, ehe ein Geländer als „Krönung“ montiert wird. Der Abschluss des Bächleins auf der anderen Seite, ebenfalls von den Holzbohlen überdeckt, bleibt unangetastet. Zur Sicherheit wurden in der Jugendkunstschule Sensoren angebracht, die Alarm geben, wenn sich die Statik des Gebäudes als Folge der Bauarbeiten verändert.
Für Hochwasser gerüstet
Gleichfalls gerüstet sind die Mitarbeiter der unter anderem in Koblenz ansässigen Firma, die als Generalunternehmer auch für die Geburt des Fachmarktzentrums im Weyerdamm verantwortlich war, für die Bewältigung größerer Wassermengen. Dann werden zu jeder Tages- und Nachtzeit in Windeseile die Holzbohlen entfernt, so dass ein provisorischer „Kanal“ entsteht, der hilft, die Fluten abzuleiten, so dass die „Unterstadt“ wohl von neuerlichen Überschwemmungen, wie sie in in früheren Jahrzehnten durchaus mit schöner Regelmäßigkeit auftraten, verschont bleibt. Seit dem Start der Instandsetzung musste bislang einmal zu dieser Notfall-Maßnahme gegriffen werden. Dass sich ein Schlussstrich für die Ausquartierung abzeichnet, freut auch Axel Weigend als Leiter der Jugendkunstschule: „Man hat uns gesagt, dass wir von Juli an wieder in unsere Räume können.“ Das deckt sich wohl mit den Planungen. Als weiterer Meilensteinen gilt zunächst einmal das Ende des Wonnemonats, wenn die neue Mauer in ihrer vollen Blüte dasteht und alsbald Baustelleneinrichtungen demontiert und die jetzigen Arbeitsflächen ihr altes Aussehen erhalten sollen – wohl auch inklusive der Erneuerung des Areals vor dem Atelier. Dass die Stützmauer in der Zeit zwischen Ende des Brückenneubaus und dem Start der Korrektur nicht in sich zusammengefallen war, dafür hatten Stahlträger gesorgt, die zwischen den beiden Begrenzungen des Bachs verspannt worden waren.
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Bis 1972 Autowerkstatt
Das Domizil der Kreativwerkstatt (Atelier) in der Koblenzer Straße 2 wurde unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut, diente der Firma Sturm (Autozentrale heute in der Kölner Straße) bis ins Jahr 1972 als Autowerkstatt. Sie misst knapp 400 Quadratmeter. Darüber hinaus gibt es noch einen Lager- und einen Mehrzweckbesprechungsraum, in dem auch gekocht werden kann. Nach dem Auszug der Firma Sturm wurde sie zunächst von diversen Pächtern genutzt, ehe sie zur Jungendkunstschule mit der markanten Fassade wurde. Seit 2018 ist die Jugendkunstschule Partner im bundesweiten Netzwerk „Kulturelle Bildung an Schulen“ im Rahmen des „Weiterbildungsmasters Kulturelle Bildung an Schulen“ der Phillipps-Universität Marburg. Die inzwischen abgerissene Bruchsteinbrücke mit ihren zwei gewölbten Durchlässen für den Quengelbach war zu Beginn der 1880er-Jahre errichtet worden und hatte vor nunmehr beinahe 100 Jahren eine neue Fahrbahnwanne und eine neue Abdichtung erhalten. Nunmehr ist an ihre Stelle eine stählerne Konstruktion mit lediglich einem Durchlass für die „Fluten“ des kleinen Baches getreten, der beinahe in Sichtweite der ehemaligen Baustelle in die Wied mündet. Laut Angaben der Deutschen Bahn war zu jener Zeit auch die parallel zum Bach verlaufende Stützwand hochgezogen worden.
Züge sollen schneller fahren
Der Austausch der Querung war und ist nur eine der vielen Maßnahmen, um den Zugverkehr auf der Westerwald-Sieg-Strecke zu beschleunigen. Die Geschwindigkeit zwischen Limburg und Windeck-Au soll abschnittsweise von derzeit maximal 60 km/h auf bis zu 90 km/h erhöht werden. Dafür müssen zahlreiche Bahnübergänge technisch angepasst, Brücken und Durchlässe ertüchtigt, die vorhandene Stellwerkstechnik modernisiert sowie Gleise erneuert werden. Die notwendigen Planfeststellungsverfahren waren bereits im Herbst 2022 abgeschlossen worden. Es war nicht die erste Erneuerung einer Eisenbahnbrücke im Raum Altenkirchen. Im Spätsommer 2015 war die im Parc de Tarbes ausgetauscht worden. Das Projekt hatte eine Vollsperrung der Strecke bedingt, die alte Stahlkonstruktion einer 30 Meter langen aus Beton weichen müssen. (vh)
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