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Nachricht vom 23.05.2026    

Wiedweg Etappe 4: Burgruinen, Bannmühlen und das wildromantische Wiedtal

Von Katharina Kugelmeier

Die vierte Etappe des Wiedwegs führt auf 16,4 Kilometern von Altenkirchen durch die malerische Landschaft der Lahrer Herrlichkeit nach Oberlahr - vorbei an einer fast tausendjährigen Burgruine, einer mittelalterlichen Bannmühle und durch das immer breiter und ruhiger werdende Wiedtal, das nun deutlich den Charakter des Naturparks Rhein-Westerwald annimmt.

Die Kirche in Almersbach ist absolut sehenswert. (Foto: Westerwald Tourismus)

Altenkirchen. Was sich hinter dem Begriff "Lahrer Herrlichkeit" verbirgt, wird einem erst klar, wenn man die vierte Etappe des Wiedwegs wirklich geht. Der Weg verlässt Altenkirchen Richtung Schöneberg, überquert die Wied und wandert auf einem Schotterweg bergauf durch den Staatsforst Altenkirchen. Der Wechsel aus offenen Waldabschnitten und Flussnähe beginnt hier ganz unvermittelt und er setzt sich in diesem Abschnitt konsequent fort. Durch Berzhausen und Bettgenhausen folgt der Wiedweg dem Flusslauf, bevor er bei Seelbach in das eigentliche Kerngebiet der Lahrer Herrlichkeit eintaucht. Das kleine Dorf Seelbach mit seinen rund 291 Einwohnern zieht sich entlang der Wied und wer die Geschichte des Ortsnamens kennt, wandert hier mit einem kleinen Lächeln: "Seelbach" bedeutet wörtlich so viel wie "Wohnung am Bach", was die Lage des Dorfes direkt am Fluss treffender kaum beschreiben könnte.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Die Lahrer Herrlichkeit selbst ist ein historischer Herrschaftsbezirk, der seinen Namen der Burg Lahr verdankt. Die Grafen von Isenburg errichteten 1276 das "Veste Haus zu Laere", wie die Burg Lahr seinerzeit genannt wurde. Schon 1325 verpfändete Graf Salentin von Isenburg die Herrschaft Lahr mit allen zugehörigen Orten an das Erzbistum Köln für 1000 Mark - ein Pfand, das die Geschichte dieser Landschaft für Jahrhunderte prägte. Auf dem Burggelände gefundene Scherben zeigen jedoch, dass hier bereits in romanischer Zeit eine Befestigungsanlage stand, die Burg also weit älter als ihre erste urkundliche Erwähnung sein dürfte. Heute gehören zur Lahrer Herrlichkeit die Orte Burglahr, Peterslahr, Eulenberg und Oberlahr mit insgesamt rund 1.600 Einwohnern und einem Gebiet von etwa zwölf Quadratkilometern.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Von Seelbach und Bettgenhausen wandert man weiter entlang der Wied, die sich durch Döttesfeld schlängelt bis an die Bruchermühle, einem Ort, der weit mehr Geschichte trägt, als er auf den ersten Blick verrät. Friedrich Wilhelm Raiffeisen ließ als Bürgermeister von Weyerbusch ab 1845 die sogenannte "Rheinstraße" bauen, die erste seiner "Raiffeisenstraßen". Im Zuge dieses Straßenbauprojekts entstand auch die Brücke über die Wied an der Bruchermühle. Raiffeisen erhoffte sich davon bessere Handelswege für die arme Landbevölkerung und neue Arbeitsplätze aus dem Abbau des Baumaterials in den örtlichen Steinbrüchen. Ein Detail am Rande, das aber zeigt, wie tief die Spuren dieses außergewöhnlichen Mannes in diese Landschaft eingearbeitet sind, man muss sie nur erkennen. Kurz vor Oberlahr führt der Weg überdies auf der ehemaligen Bahnstrecke der Holzbachtalstrecke entlang, ein ehemaliger Schienenweg, der nun zum naturnahen Wanderpfad geworden ist.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Ein Abstecher, der auf der Etappe unbedingt empfohlen wird, liegt unmittelbar neben dem Weg: die Burgruine Burg Lahr oberhalb von Burglahr. Rund 40 Meter über dem Wiedtal, auf einem bewaldeten Inselberg thronend, der ursprünglich gleich von drei Seiten von der Wied umflossen wurde, dominiert der fast 25 Meter hohe, 2014/15 frisch sanierte runde Bergfried das Tal. Von den übrigen Teilen der einstigen Höhenburg sind nur noch Mauerreste und Grundmauern erhalten, doch gerade das verleiht der Ruine ihre eigentümliche Stimmung. Am Fuße der Burg liegt die Kapelle Heimsuchung Mariens aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, ein schlichter, verputzter Bruchsteinbau mit einem einfachen Barockaltar, auf dem eine knapp ein Meter große Holzfigur der Mutter Gottes steht. Gleich daneben, in der ehemaligen herrschaftlichen Bannmühle aus dem 13. Jahrhundert, ist heute ein Gastronomiebetrieb untergebracht, der eine willkommene Einkehrmöglichkeit mitten auf der Etappe bietet.



(Foto: Westerwald Tourismus)

Weiter durch Peterslahr und auf dem letzten Abschnitt am Lahrbach entlang erreicht man schließlich Oberlahr, das größte Dorf der Lahrer Herrlichkeit mit rund 770 Einwohnern. Der Ort liegt idyllisch an der Wied auf etwa 270 Höhenmetern, eingerahmt von waldreichen Hängen und bietet mit dem nahe gelegenen Hotelpark und Campingplatz eine gute Basis für alle, die die Etappe auf zwei Tage aufteilen oder einfach einen Tag länger bleiben möchten. Bemerkenswert ist das kleine Schulhaus im Ortskern: Es wurde 1862 aus Steinen der Burgruine Burglahr erbaut, die auf diesem Weg deutlich leichter zu beschaffen waren als frisch gebrochenes Material aus den örtlichen Steinbrüchen. Ein typisches Bild für den pragmatischen Umgang des Westerwaldes mit seiner Geschichte: Nichts geht verloren, alles wird genutzt.

Die vierte Etappe ist mit rund fünf Stunden reiner Gehzeit und moderaten 131 Höhenmetern Aufstieg als mittelschwer einzustufen, ruhiger als die dritte, aber abwechslungsreicher als manch andere Etappe des Wiedwegs. Wer den Abstecher zur Burgruine einplant, nimmt sich am besten gut sechseinhalb bis sieben Stunden Zeit. Der ÖPNV ermöglicht die Rückfahrt von Oberlahr nach Altenkirchen per Buslinie 255 oder 259 (Fahrzeit: rund 15 Minuten, montags bis freitags). Pflicht ist neben festem Schuhwerk auch eine Verpflegung für unterwegs.

Tour-Informationen

Art: Fernwanderweg, Punkt-zu-Punkt (Etappe 4 von 8)
Schwierigkeit: mittel
Streckenlänge: 16,4 km
Dauer: rund 5 Stunden (ohne Abstecher)
Höhenmeter (Aufstieg): rund 130 m
Höhenmeter (Abstieg): rund 200 m
Markierung: blaues "W" auf weißem Grund
Wegebeschaffenheit: Naturpfade, Waldwege, Schotterweg, Asphalt, ehemalige Bahntrasse; nicht kinderwagen- oder rollstuhlgeeignet
Einkehrmöglichkeit: Gaststätte in der ehemaligen Bannmühle am Fuß der Burgruine Lahr (Burglahr), Hotelpark und Campingplatz Oberlahr
Highlights: Schöneberg, Lahrer Herrlichkeit (historischer Herrschaftsbezirk), Burgruine Burg Lahr (25 m Rundturm, 13. Jh.), Kapelle Heimsuchung Mariens (17. Jh.), Bannmühle (13. Jh.), Raiffeisen-Brücke Bruchermühle (1852), ehemalige Holzbachtalbahntrasse
ÖPNV Rückfahrt: Buslinie 255/259 ab Oberlahr nach Altenkirchen (Mo-Fr, rund 15 Min.)
Startpunkt: Altenkirchen (Westerwald), 57610 Altenkirchen
Zielpunkt: Oberlahr, 57635 Oberlahr (Kirchplatz / Grundschule)

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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