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Pressemitteilung vom 04.07.2026    

Wiedweg Etappe 7: Selige Schwestern, ein Weltkrippenrekord und das schönste Flusstal des Westerwalds

Von Katharina Kugelmeier

Die siebte Etappe des Wiedwegs führt auf knapp zehn Kilometern von Roßbach (Wied) durch die Klosterlandschaft des unteren Wiedtals nach Niederbreitbach und ist damit eine kurze und ruhige Etappe. Was ihr an Länge fehlt, ersetzt sie durch außergewöhnliche Stille, tiefe Geschichte und einen Ort, der jedes Jahr Tausende anzieht: das Weihnachtsdorf Waldbreitbach.

Kurz vor Schluss des Wiedwegs trumpft die siebte Etappe noch einmal auf knappen zehn Kilometern auf. (Foto: Westerwald Tourismus)

Roßbach (Wied). Von Roßbach aus führt der Weg zunächst direkt am Wiedufer entlang, und wer hier morgens früh aufbricht, wandert durch eine Landschaft, die das Wort "Klosterlandschaft" verdient. Das untere Wiedtal ist auf dieser Strecke von einem außergewöhnlich dichten Netz an Klöstern und religiösen Gemeinschaften geprägt, ein Umstand, der nicht zufällig ist: Die stille, waldreiche Naturlandschaft des Wiedtals hat über Jahrhunderte hinweg Ordensgründer angezogen, die in der Einsamkeit des Tals das Ideal des beschaulichen Lebens im Dienst an den Armen zu verwirklichen suchten. Gleich zu Beginn der Etappe begegnet man dieser Tradition: Am Wegesrand stehen erste Hinweistafeln auf die Kreuzkapelle bei Waldbreitbach, die im 18. Jahrhundert als beliebter Wallfahrtsort galt und im 19. Jahrhundert zur Keimzelle zweier franziskanischer Ordensgemeinschaften wurde.

(Foto: Westerwald Tourismus)

In dieser schlichten Kapelle am Wiedufer, die 1694 erbaut wurde, begann 1851 die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau: Margaretha Flesch, 1826 in Schönstatt-Vallendar als Tochter eines Ölmüllers geboren, zog mit ihrer epilepsiekranken Schwester in die armselige Klause neben der Kreuzkapelle. Als Tagelöhnerin, Kräutersammlerin und Handarbeitslehrerin verdiente sie sich und ihrer Schwester das Überleben und betreute nebenher unentgeltlich die Kranken und Armen der Gemeinde, nahm Waisenkinder auf, die damals in manchen Orten noch versteigert wurden. Schritt für Schritt wuchs ihre kleine Gemeinschaft, und am 13. März 1863 wurde in der Kreuzkapelle die Kongregation der Waldbreitbacher Franziskanerinnen offiziell gegründet. Das Mutterhaus, das Kloster Marienhaus, liegt auf einer Anhöhe gegenüber des Dorfteils Hausen und ist gut vom Wanderweg aus zu sehen. Margaretha Flesch, die als Ordensgründerin den Namen Mutter Maria Rosa annahm, wurde am 4. Mai 2008 im Trierer Dom seliggesprochen. Ihr Lebensmotto, das auf dem Klostergelände zu lesen ist, fasst ihr Wirken in einem Satz zusammen: "Vor allem, seht in jedem Kranken nicht nur den Menschen, sondern seht in ihnen Christus selbst."

(Foto: Westerwald Tourismus)

Kurz darauf erreicht der Weg den Ortskern von Waldbreitbach und der Ort überrascht auf Anhieb: An der fast vier Kilometer langen, autofreien Wiedpromenade flaniert man am Fluss entlang, die Geschichte des Ortes reicht bis ins Jahr 874 zurück. Im 13. Jahrhundert hielten die Ritter des Deutschen Ordens Einzug, ihr Ordenshaus aus dem Jahr 1703 steht noch immer im Ortsbild. Wer Waldbreitbach nur aus dem Sommer kennt, sollte unbedingt zur Weihnachtszeit wiederkommen, denn der Ort ist weit über den Westerwald hinaus bekannt als Weihnachts- und Krippendorf. Seit über 30 Jahren verwandelt sich das gesamte Dorf in der Adventszeit in ein Freilichtweihnachtswunder: Der "Stern von Bethlehem", ein 1,9 Kilometer langer, mit 3.500 Glühbirnen und über 30 Krippen bestückter Waldweg, eine schwimmende Krippe und ein schwimmender Adventskranz auf der Wied, lebensgroße Erzgebirgsfiguren und der 18 Meter hohe Zunftbaum mit fast 10.000 Lämpchen ziehen jedes Jahr Tausende Besucher an. Der Höhepunkt: In der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt steht alljährlich die größte Naturwurzelkrippe der Welt, 92 Quadratmeter groß, 7,50 Meter hoch, erschaffen von Gustl Hertling und 1998 für diesen Rekord ins Guinnessbuch der Rekorde aufgenommen.




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(Foto: Westerwald Tourismus)

Hinter Waldbreitbach folgt der Weg dem Fockenbachtal, das als Kernzone des Naturparks Rhein-Westerwald ausgewiesen ist. Das Fockenbach-Tal war schon früh Schauplatz industrieller Geschichte: Im Fockenbachtal betrieb Margaretha Flesch als junge Frau das Sammeln und Verkaufen von Heilkräutern, und weiter talabwärts, bei Niederbreitbach, erinnert ein Gedenkstein an die Clemenshütte, ein bedeutendes Eisenwerk, das 1750 auf Antrag eines Hüttenmeisters aus Linz gegründet und nach dem damaligen Kurfürsten Clemens August von Köln benannt wurde. 1752 nahm die Hütte ihren Betrieb auf und verfügte auf ihrem Höhepunkt 1787 über einen Kupferschmelzofen mit vier Hämmern und einen Hochofen. Der Standort war kein Zufall: Das Gefälle der Wied lieferte die Antriebskraft für Gebläse und Hämmer, die umliegenden Wälder das Holz für die Verhüttung und die Kupfererze kamen aus bis zu zehn Bergwerken in der kurkölnischen Region. 1806 gelangte die Hütte in Besitz des Herzogs von Nassau, vier Jahre später wurde sie versteigert und nie wieder in Betrieb genommen. Wer am Etappenziel Niederbreitbach einkehrt und an der Stelle spaziert, wo einst Feuer und Hämmerlärm die Stille des Wiedtals füllten, findet heute Stille und Natur, einen der ruhigsten Orte dieser ganzen Wanderetappe.

(Foto: Westerwald Tourismus)

Niederbreitbach selbst ist ein staatlich anerkannter Luftkurort, 857 erstmals als "Bretbah" urkundlich erwähnt. Hier mündet der Fockenbach in die Wied, das Tal weitet sich ein wenig, und der Blick über die bewaldeten Höhen des Naturparks Rhein-Westerwald gibt dem Etappenziel eine besondere Stimmung. Direkt im Ort sorgt der Campingplatz Neuerburg für komfortable Übernachtungsmöglichkeiten.

Mit knapp zehn Kilometern und 260 Höhenmetern Aufstieg ist die siebte Etappe eine sehr entspannte vor dem Endspurt und genau das macht sie zu einem idealen Tag für alle, die Wandern nicht nur als sportliche Leistung verstehen, sondern als Begegnung mit Geschichte, Natur und Menschen. Wer möchte, dehnt die Etappe durch einen ausgiebigen Bummel durch Waldbreitbach und einen Abstecher zur Kreuzkapelle deutlich aus. Die Rückfahrt nach Roßbach ist mit der Buslinie 130 ab Niederbreitbach täglich möglich, Fahrzeit rund 20 Minuten. Auch wenn die Etappe relativ kurz ist, sollten festes Schuhwerk und Verpflegung für unterwegs selbstverständlich sein.

Tour-Informationen

Art: Fernwanderweg, Punkt-zu-Punkt (Etappe 7 von 8)
Schwierigkeit: leicht bis mittel
Streckenlänge: 9,9 km
Dauer: rund 3,5 Stunden (ohne Abstecher)
Höhenmeter (Aufstieg): etwa 260 m
Höhenmeter (Abstieg): etwa 300 m
Markierung: blaues "W" auf weißem Grund
Wegebeschaffenheit: Naturpfade, Schotterweg, Asphalt (Wiedpromenade); nicht kinderwagen- oder rollstuhlgeeignet (Naturpfadabschnitte)
Highlights: Kreuzkapelle Waldbreitbach (1694, Ordensgründungsort 1863), Kloster Marienhaus (Mutterhaus der Waldbreitbacher Franziskanerinnen), Seligen-Gedenkstätten Mutter Rosa Flesch, Weihnachts- und Krippendorf Waldbreitbach (Guinness-Rekord-Krippe, Stern von Bethlehem), Wiedpromenade (4 km, autofrei), Fockenbachtal (Kernzone Naturpark Rhein-Westerwald), Clemenshütte Niederbreitbach (Eisenwerk, gegr. 1750)
ÖPNV Rückfahrt: Buslinie 130 ab Niederbreitbach nach Roßbach (Wied) (tägl., rund 20 Min.)
Startpunkt: Roßbach (Wied), 53547 Roßbach (Wied) (Bushaltestelle Zur Post)
Zielpunkt: Niederbreitbach, 53547 Niederbreitbach (Campingplatz Neuerburg)

Hinweis: Öffnungszeiten, Preise oder Fahrpläne bitte tagesaktuell prüfen!

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