Amy-Winehouse-Cover verzückt Zuhörer im Altenkirchener Kultursalon
Was für ein Abend, was für ein Auftritt! Die Zeit ist „Pi mal Daumen“ um 20 Jahre zurückgedreht, die Musik indes aber heute noch ein Meilenstein abseits des „Mainstreams“. Christine Ladda und Band schaffen es auf kongeniale Weise, mit „A Tribute to Amy“ (Winehouse) an die britische Soul- und Jazzsängerin zu erinnern.
Altenkirchen. „Only the Good Die Young“: Das weiß schon Singer-Songwriter Billy Joel vor beinahe 50 Jahren (1977) und hat dabei jedoch weniger die Musikgrößen im Blick, die letztendlich den „Club 27“ bilden, knapp eine Handvoll von Heroen des Rock, die genau in diesem Alter sterben: Brian Jones (1969/Mitbegründer der Rolling Stones), Jimmy Hendrix (1970/Gitarrist), Janis Joplin (1970/Rock- und Bluessängerin) und Jim Morrison (1971/Sänger der Gruppe „The Doors“). Kurt Cobain (1991/Sänger und Gitarrist der Gruppe „Nirvana“) und schließlich Amy Winehouse (2011/Soul- und Jazzsängerin) passen ebenfalls in dieser Raster. Für gute zwei Stunden aber kehrt an diesem Samstagabend (18. April) die Britin in der Haut von Christine Ladda live auf die Bühne zurück. Da steht sie mit ihrem goldenen Kleid, den schwarzen „High Heels“, der nicht alltäglichen dunklen Beehive-Frisur, dem dicken Lidstrich und dem markanten Hufeisen-Tattoo am linken Oberarm (neben weiterem eingeritzten Körperschmuck) auf den Brettern, die in Altenkirchens Kultursalon die Welt bedeuten. Und Ladda versteht es nahezu perfekt, in „A Tribute to Amy“ die damals viel zu früh aus dem Leben geschiedene junge Frau zu imitieren. Die Illusion, Amy Winehouse setze ihre nur wenige Jahre überdauerte erfolgreiche Karriere fort, ist allgegenwärtig. Nicht nur in puncto Outfit, sondern auch Mimik und Gestik, dazu Ansagen im Cockney-Englisch (regionaler Dialekt in einigen Londoner Stadtteilen), sorgen für eine Reise zurück über rund 20 Jahre. Auffallend ist, wie oft sich Ladda mit der linken Hand an Hals und Haaren zu schaffen macht. Auffallend ist, dass sie mehr nach links als nach rechts schaut. Auffallend ist, dass sie die Zurückhaltende, die Schüchterne, diejenige, die sich ziert, gibt, ja ausgesprochen verlegen scheint, die wenig später deutlich emotionaler in Wort und Bewegung daherkommen kann. Auffallend ist, dass sie in ihren Zwischentönen unter anderem „Jack Daniels“ nicht verschmähen würde, kurzerhand ein Schluck Wasser in „sprudelnden Wodka“ umbenennt. Auffallend sind die teils leicht verqueren Beinbewegungen zur Musik, wenn der Gesang einmal pausiert. Wen wundert es, dass sie auch (bewusst) einmal um das Mikrofon herum stolpert, sie das Gestänge des Gerätes während des Vortrags des öfteren mit der linken Hand auf und ab fährt. Gewiss ungezählte Stunden des Studiums des gesamten Verhaltens von Amy Winehouse müssen hinter Ladda liegen, um, das ist wohl der Anspruch, so nah wie möglich an das Original heranzureichen. Hilfreich sind natürlich eine gewisse Portion Schauspieltalent und vor allem die Stimme, die, wie die von Amy, unter vielen anderen klar und deutlich herauszuhören ist.
Der Blick in ihr Leben
Tja, Amys Songs, stellen vielfach einen intensiven Blick in ihr Leben dar, lassen die Öffentlichkeit teilhaben an ihren Problemen und ihren Gedanken. Sie beschäftigen sich mit der (auch nicht zustande kommenden) Liebe (wie in „Cupid“), mit dem richtigen oder falschen Partner wie in „Back to Black“, in dem es auch an einigen Stellen unter die Gürtellinie geht, mit dem Alkohol- und Drogenproblem, das sie nicht laut „Rehab“ in einer Entzugsklinik behandeln lassen möchte, weil sie rückfällig geworden ist. Die durchaus düsteren Songthemen, die auch die Dämonen greifbar werden lassen, mit denen sich Amy immer und immer wieder aussetzen muss, bleiben allgegenwärtig wie in „Love is A Losing Game“. Die Jazz-, Soul-, Blues- und Reggae-Einflüsse heben ihre Lieder aus dem „Mainstream“ heraus, machen sie so unverwechselbar. Lediglich zwei Studio-Alben entspringen ihrer Schaffenskraft. „Frank“ (2003/Deluxe-Version 2008) ist ein erster wenig erfolgreicher Versuch, Fuß zu fassen in einem Markt, der unerbittlich ist. „Back to Black“ (2006/Deluxe-Version 2007) bedeutet den Aufstieg, der mit sechs Grammys honoriert wird. Viele Songs stammen von ihr selbst. Darüber hinaus hat Mark Ronson, britischer Musikproduzent sowie DJ und bekannt für seine genreübergreifenden Produktionen von Hip-Hop bis Rock mit preisgekrönter Karriere als Produzent, erheblichen Anteil an den Erfolgen. Beide verbindet damals zudem eine intensive Freundschaft. Viele Kenner der Musikszene gehen Mitte der 2000er-Jahre davon aus, dass Amy eine grandiose Karriere bevorsteht – und werden schließlich nur wenig später - am 23. Juli 2011 - eines so nicht gewollten Besseren belehrt. Eine tödlich verlaufende Alkoholvergiftung obsiegt über Amy Winehouse.
Fast ein Fußballteam
Während ihres Gigs in der so gut wie ausverkaufen „guten Stube“ der Stadt kann sich das „Double“ auf Musiker verlassen, die beinahe in der Größe einer Fußballmannschaft für die richtigen Töne sorgen. Johannes Knechtges und Lithi Philavanh kümmern sich um die Background-Stimmen und ein wenig Choreografie, die sich durchaus als schweißtreibend herausstellt, weil Philavanh mehrfach zum Handtuch greifen muss, um Feuchtigkeit aus seinem Gesicht zu verbannen (besonders nach einer kleinen „Verfolgungsjagd“ quer über die Bühne). Manfred Kogel (Bariton-Saxofon), Armin Jakobi (Tenor-Saxofon), Patrick Lorbach (Trompete), Vincenz Deckstein (Schlagzeug), Christoph Schlüssel (Keyboard), Dominik Ehrl (Bass) und Jonas Hemmersbach (Gitarre) komplettieren das große Ensemble. Wie Ladda stellt das Nontett dem Auftrittsort ein klasse Zeugnis aus: „Eine tolle und passende Location für unsere Musik.“ Was natürlich auch Helmut Nöllgen als Veranstalter vom Kultur-/Jugendkulturbüro Haus Felsenkeller freut, der dank der neugeschaffenen Spiegelzelt-Atmosphäre in der Stadthalle in einem fort nur noch gelobt wird. (vh)
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