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Nachricht vom 27.04.2026    

Neue Spezialteams der Polizei in Rheinland-Pfalz: Präzise Unfallanalysen bei schweren Crashs

In Rheinland-Pfalz werden die Verkehrsunfallaufnahme-Teams (VU-Teams) der Polizei zunehmend wichtiger. Diese Spezialisten kommen zum Einsatz, wenn es zu schweren Unfällen kommt, und nutzen modernste Technik zur Spurensicherung. Ihre Arbeit ist entscheidend für die Aufklärung komplexer Unfallgeschehnisse.

So arbeiten Crash-Profiler der Polizei bei schweren Unfällen. Foto: Harald Tittel/dpa

Koblenz/Trier. Wenn schwere Unfälle mit Todesopfern geschehen, rücken die Spezialisten des VU-Teams der Polizei Trier aus. Mit ihrem Kleinbus, ausgestattet mit Drohnen, Kameras, Sprühkreide, Markierungen und einem GPS-Vermessungssystem, sind sie bestens vorbereitet. Seit 2023 gibt es diese Teams in Rheinland-Pfalz. "Das Auslesen von Daten war vorher bei einer normalen Unfallaufnahme der Polizei gar nicht möglich", erklärt Polizeikommissar Christian Rehlinger. Dank neuer Software können Ermittler nun Daten vom Airbag-Steuergerät herunterladen, die die letzten fünf Sekunden vor der Auslösung dokumentieren.

Moderne Technik hilft den Ermittlern, Informationen wie Geschwindigkeit, Motordrehzahl und Lenkwinkel des Fahrzeugs zu rekonstruieren. "Anhand der Daten kann man auch oft herauslesen, was kurz vor dem Unfall passiert sein könnte", so Rehlinger. Die umfangreiche Fotodokumentation mit Spiegelreflexkameras ergänzt die Arbeit der Experten. "Wir machen alles viel intensiver, als dies vorher in den Dienststellen bei einer Unfallaufnahme möglich war", sagt Polizeihauptkommissar Marco Pientak.

Zur Unterstützung kommen auch Drohnen zum Einsatz, die nach einem bestimmten Schema Bilder vom Unfallort aus der Luft aufnehmen. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz erstellt daraus ein 3D-Modell. Die Arbeit an einer Unfallstelle dauert oft drei bis fünf Stunden, berichtet Pientak.

Bisher existieren die VU-Teams nur bei den Polizeipräsidien in Koblenz und Trier. In Mainz soll im Herbst das nächste Team starten. Perspektivisch sollen auch in Ludwigshafen und Kaiserslautern solche Expertenteams entstehen, jedoch gibt es noch keine konkreten Entscheidungen oder Zeitpläne, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilt.

Die fortschreitende Digitalisierung in Fahrzeugen war der Auslöser für die neuen Spezialteams. "Sie sind heute fahrende Computer", erklärt Pientak. Die Polizei wollte die Verkehrsunfallaufnahme an moderne Gegebenheiten anpassen, weshalb die VU-Teams als Pilotprojekte ins Leben gerufen wurden. "Über Jahre hat man regelmäßig auf Gutachter zurückgegriffen", berichtet Pientak. Doch die Spurensicherung sei eine ureigene polizeiliche Aufgabe.



Die gesammelten Daten dienen der späteren Unfallrekonstruktion und könnten in Strafprozessen für Gutachter eine wichtige Grundlage sein. Das Innenministerium bestätigt, dass die VU-Teams in Koblenz und Trier sich bewährt haben. "Durch ihre spezialisierte Ausbildung gewährleisten sie eine qualitativ hochwertige und objektive Beweissicherung", teilt ein Sprecher mit. Die enge Zusammenarbeit mit Staatsanwaltschaften und Sachverständigen ermöglicht es oft, auf externe Gutachter zu verzichten.

Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht die Arbeit der Teams: Der bisher größte Einsatz des Trierer VU-Teams war ein Unfall auf der B51 zwischen Trier und Bitburg im November 2025. Ein Auto und ein Lkw waren frontal zusammengestoßen, vier Menschen kamen ums Leben. "Wenn wir alarmiert werden, gilt der Grundsatz: Bitte friert die Situation vor Ort ein, nichts mehr verändern!", erklärt Pientak. Auch die Toten bleiben in den Fahrzeugen, da ihre Positionen wichtige Hinweise liefern können.

Damals konnten keine Daten aus dem Airbag-Steuergerät genutzt werden, da es zerstört wurde. Dennoch fanden die Ermittler Spuren auf der Fahrbahn, die zur Rekonstruktion des Unfalls beitrugen. An der Schlagmarke, wo Teile des Asphalts herausgerissen waren, konnte festgestellt werden, dass das Auto auf die Gegenfahrspur geraten war. "Das geben die Daten her", sagt Rehlinger, doch nicht alle Fragen lassen sich klären. Warum das Auto auf die Gegenfahrbahn kam, bleibt ungeklärt. (dpa/bearbeitet durch Red)


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