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Pressemitteilung vom 06.05.2026    

Curevac-Gründer erhebt schwere Vorwürfe gegen Biontech nach Übernahme

Die geplante Schließung mehrerer Standorte von Biontech sorgt für heftige Kritik. Insbesondere der Gründer von Curevac, Ingmar Hoerr, äußert scharfe Vorwürfe und spricht von Täuschung.

Ingmar Hoerr. (Foto: Marijan Murat/dpa)

Tübingen/Mainz. Nach der Übernahme des Biotechunternehmens Curevac durch Biontech wirft der Curevac-Gründer Ingmar Hoerr dem Konkurrenten Täuschung vor. Hintergrund sind die Pläne von Biontech, den Standort Tübingen kurz nach der Übernahme zu schließen. "Ich finde es total unlauter. Das ist fast schon Trickserei meiner Meinung nach, weil wir alle im guten Glauben gehandelt haben, dass die Übernahme im Sinne von Curevac sei und dadurch ein gemeinsames, starkes Unternehmen wird", sagte Hoerr der Deutschen Presse-Agentur. Er fügte hinzu: "Die Übernahme hätte nie erfolgen dürfen."

Hoerr vermutet, dass Biontech mit diesem Vorgehen Patentstreitigkeiten mit Curevac umgehen will. "Die Investoren haben sich mit Versprechungen einlullen lassen. Das könnte Biontechs Strategie von Anfang an gewesen sein." Die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci hatten im März bekanntgegeben, das Unternehmen verlassen und eine neue Firma gründen zu wollen. Die Eheleute kündigten an, spätestens Ende 2026 auszuscheiden, um sich in ihrem neuen Unternehmen der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis zu widmen.

Biontech plant nun, mehrere Standorte zu schließen, darunter auch Einrichtungen von Curevac. Rund 820 frühere Curevac-Beschäftigte sind betroffen, wobei der Tübinger Standort bis Ende 2027 aufgegeben werden soll. Die Biontech-Führung begründet die Pläne mit zu geringer Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen. Auch die Produktionsstätten in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur sollen geschlossen werden. Insgesamt könnten bis zu 1.860 Stellen betroffen sein, hieß es aus der Zentrale in Mainz.

Gewerkschaft vermutet Trickserei wegen Patentstreit
Auch die Pharma- und Biotech-Gewerkschaft IGBCE kritisierte die Pläne als gesellschaftliche Verantwortungslosigkeit und Frontalangriff auf die Beschäftigten. "Im Konzern haben offenbar endgültig die Rechenschieber das Regiment übernommen", sagte Roland Strasser, Leiter des IGBCE-Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland. "Aus kurzfristigem finanziellem Kalkül streichen sie radikal Produktionskapazitäten zusammen und schaden damit der Resilienz des Pharma- und Biotech-Standorts Deutschland."



Für die Beschäftigten bei Curevac in Tübingen bedeutet die Schließung ihres Standorts einen tiefen Einschnitt. "Curevac war bereits in den vergangenen Jahren durch mehrere Personalabbauprogramme stark gebeutelt", sagte Catharina Clay, Landesbezirksleiterin der IGBCE in Baden-Württemberg. "Der Kauf durch Biontech wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Schritt zur Beendigung der Patentstreitigkeiten auf Kosten der Beschäftigten."

Weltweiter Erfolg in der Corona-Pandemie
Das Biopharmaunternehmen Biontech entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Auch Curevac forscht seit Jahren an der mRNA-Technologie. Die Tübinger galten einst neben Biontech und anderen als einer der Hoffnungsträger bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Doch im Gegensatz zu Biontech, das erfolgreich war und Milliarden mit seinem Vakzin verdiente, kam es bei den Schwaben zu Problemen: Das Unternehmen zog seinen ersten Impfstoffkandidaten wegen einer vergleichsweise geringen Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren zurück, was zu Patentstreitigkeiten zwischen Curevac und Biontech führte. Letztlich strich Curevac Stellen und konzentrierte sich auf die Forschung.

"Jetzt wird skrupellos Produktion geopfert, um die Aktionäre zu beeindrucken", so IGBCE-Vertreter Strasser. Gleichzeitig kündigt das Unternehmen ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm an. "Das muss den Beschäftigten wie Hohn vorkommen." (dpa/bearbeitet durch Red)


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