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Nachricht vom 17.07.2012    

Kleinwindanlagen leisten Beitrag zur Energiewende

Im Rahmen der deutschen Genehmigungspolitik wird der Ausbau von Kleinwindanlagen in vielen Bundesländern extrem gehemmt. Auch Deutschlands größtem Kleinwindanlagenbauer mit Sitz in Nauroth ist diese Tatsache bewusst. Nun will sich Landrat Michael Lieber beim Land Rheinland-Pfalz für den Ausbau und die Nutzung der Energiequelle stark machen.

Bei einem Besuch der Braun Windturbinen GmbH wurde die Rentabilität der Antaris Kleinwindanlagen deutlich. Landrat Michael Lieber (erster von links) will sich nun für einen Ausbau in Rheinland-Pfalz stark machen.

Kreis Altenkirchen. Das Thema Windkraft beschäftigt aktuell die Menschen, die kommunalen Räte und Genehmigungsbehörden im Landkreis Altenkirchen. Spricht man von der Windkraft, stellt sich der Normalbürger Anlagen mit einer Gesamthöhe von knapp 200 Metern vor, die aus weiter Ferne das Landschaftsbild unserer Region prägen und womöglich zukünftig noch stärker prägen werden.

Bei Rüdiger Braun, technischer Leiter der Braun Windturbinen GmbH aus Nauroth, sieht die Windkraftwelt etwas anders aus: kleiner. Denn seine Kleinwindanlagen haben durchschnittlich eine Gesamthöhe von gerade einmal 15 – 24 Metern und die Leistungsangaben erfolgen nicht in Mega-, sondern in Kilowatt (2.5 – 9.0 kW). „Klein, aber fein“ oder „klein, aber oho“ sind die passenden Aussagen zu den dezentralen Energiekraftwerken, die ihren Siegeszug gegenüber ihren großen Brüdern möglicherweise noch vor sich haben.

Der Anfang ist gemacht, so viel steht fest. „Doch nicht bei uns in Rheinland-Pfalz“, führt Braun aus, der gleich zu Beginn des Betriebsbesuchs von Landrat Michael Lieber, Bürgermeister Konrad Schwan, dem Wirtschaftsförderer Berno Neuhoff und Lars Kober von der Kreisverwaltung, seinen Finger in die baurechtliche Genehmigungswunde legt. „Unser Bundesland hat gegenüber anderen Bundesländern noch sehr viel aufzuholen. Insbesondere in Bayern und Thüringen wird das Thema „Genehmigung von Kleinwindanlagen“ positiv angegangen. Bei uns ist es derzeit fast unmöglich, eine Baugenehmigung für die Errichtung einer Anlage zu erhalten. Zu hoch sind die genehmigungsrechtlichen Hürden“, so Braun weiter. In der Tat wird der Bau einer Kleinwindanlage in Deutschland sehr unterschiedlich geregelt. Während in manchen Bundesländern Anlagen bis zu einer Höhe von zehn Metern grundsätzlich genehmigungsfrei sind, wird in anderen Bundesländern grundsätzlich eine Genehmigung zur Errichtung vorausgesetzt.

Landrat Michael Lieber war von der Technik „Made im Westerwald“ so überzeugt, dass er direkt im Anschluss an den Besuchstermin Kontakt zu seinem Gebäudemanagement in der Kreisverwaltung Altenkirchen aufnahm. Dieses prüft nun, ob es statisch möglich ist, solch eine Anlage auf dem Dach eines kreiseigenen Schulgebäudes zu integrieren. „Die Kleinwindtechnik, die sich im Grunde ohne staatliche Subventionen am Markt durchsetzen muss, hat es verdient, stärker in den öffentlichen Fokus gerückt zu werden. Wie Photovoltaikanlagen, deren Nutzung aufgrund der stark gefallenen Vergütungssätze immer mehr in die Richtung Eigenverbrauch geht, können Kleinwindanlagen als dezentrale Energieversorger ihren Beitrag zur Energiewende leisten. Es ist für mich unverständlich, dass andere Bundesländer diese Form der sauberen Energiegewinnung unterstützen und ein Anlagenabsatz in Rheinland-Pfalz kaum vorhanden ist. Daher werde ich mich für die Akzeptanz und den Ausbau der Kleinwindanlagen beim Land Rheinland-Pfalz stark machen. Denn was in Bayern, Schleswig-Holstein und Thüringen geht, muss auch in Ortsrandlagen im Westerwald möglich sein. Die Regional- und Kreisentwicklung wird sich zukünftig stärker mit dem Thema auseinandersetzen und unser Gebäudemanagement wird prüfen, an welchen weiteren Standorten der Einsatz der Windräder in Frage kommen könnte“, resümiert Landrat Lieber.

Braun wirbt für Aufklärung, die Akzeptanz schaffen soll. „Man muss sich von dem Bild eines summenden Rotors lösen, dessen Schattenschlag auf dem Nachbargrundstück einen Discoeffekt erzeugt. Wie bei den großen Windrädern gilt es hier klare Schall- und Emissionswerte einzuhalten, die nicht überschritten werden dürfen“, informiert Braun, dessen Exportquote bei 50 bis 60 Prozent liegt. In Deutschland bildet Bayern - laut Braun wegen der gut ausgestalteten Gesetzesregelung - den größten Absatzmarkt. Interessant sind die Exportländer, die auf die Kleinwindanlagen setzen. Anstatt in Richtung Norden, geht es genau in die andere Richtung. Jordanien, Saudi Arabien und Kuwait, Länder wo die Sonne scheint, setzen auf die Kleinwindanlagen. „Der Grund liegt in der Robustheit unserer Anlagen. Gegenüber Photovoltaikmodulen sind unsere Windräder nicht so wartungsintensiv, denn die Photovoltaikmodule müssten täglich vom Wüstensand befreit werden“, informiert der Windkraftpionier Braun, der gemeinsam mit Joachim Fuhrländer zu Beginn der 1990er Jahre darüber philosophierte, ob man 100 Kilowatt-Anlagen bauen könnte. Heute ist man bei der 70-fachen Leistung einer großen Windkraftanlage angelangt, die ihre produzierte Energie ins allgemeine Netz einspeist. Aktuell gibt es auch Anfragen aus Japan, Chile (Feuerland), Nord- und Südkorea. Doch Nordkorea ließ er aufgrund seiner menschlichen und politischen Einstellung abblitzen.



Der Fokus der Kleinwindtechnik liegt auf dem Eigenverbrauch der produzierten Energie und nicht auf einer Vergütung der eingespeisten Menge, da diese gegenüber der Photovoltaiktechnik um die Hälfte geringer ausfällt. Folglich ist derzeitig auch noch nicht die Wirtschaftlichkeit der Anlagen gegeben. Dazu Rüdiger Braun: „Meine Kunden sind Überzeugungstäter, die nicht die Rendite im Blick haben, sondern zufrieden sind, wenn die saubere Energie zu Kosten des derzeitigen Haushaltsstrompreises produziert werden kann. Hinzu kommt noch der nicht zu unterschätzende „Spaß an der Anlage“-Aspekt“. Die Höhe der Stromentstehungskosten bestimmt sich zum einen über die Kosten der Kleinwindanlage inklusive Wechselrichter und Steuerung und auf der anderen Seite über die örtlichen Windverhältnisse. Weht viel Wind, sinken die Kosten, weht der Wind wenig, steigen die Kosten entsprechend. Die rechte Hand von Rüdiger Braun ist seine Frau Manuela.
Sie ist die Geschäftsführerin der Braun Windturbinen GmbH und für die finanziellen Dinge im Betrieb zuständig. Des Weiteren kümmert sie sich um die Exportabwicklung und Zollpapiere für die Kunden, welche rund um den Globus verteilt sind.

Beeindruckt war die Besucherdelegation vom technischen Know-How, das in solch einer Anlage steckt. Wer denkt, dass es damit getan ist, einen Mast aufzustellen und daran einen Roter zu montieren, der irrt gewaltig. Eine Großwindanlage im Kleinformat, die sich im Falle eines Starkwindes durch eine intelligente Kippvorrichtung selbst drosselt und sich sogar im Extremfall selbst abschaltet. Die Komponenten bezieht Braun aus der Region. So liefert die Firma Mertens und Schneider aus Elkenroth die Elektrosteuerung, die zugleich eine Testanlage in Elkenroth betreibt. Die weiteren in der Antaris verbauten Komponenten kommen ebenfalls alle aus dem Westerwald.

„Antaris“ abgeleitet von „Antares“ dürfte eingefleischten Star Trek Fans, wie Braun selbst einer ist, etwas sagen. Er taufte seine Kleinwindanlage auf den Namen eines Raumschiffes der Sternenflotte vom Typ Antares. Der Name Antaris Kleinwindanlage ist mittlerweile weltweit bekannt und zusammen mit dem Logo markenrechtlich geschützt.



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