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Nachricht vom 30.05.2026    

Gelbe Banner entlang der B 8 erinnern: Nein zu geplanten Ortsumgehungen

Aus den Augen aus dem Sinn? Das will die „Bürgerinitiative gegen Ortsumgehungen B 8“ auf jeden Fall vermeiden. Schon im weltweiten Netz und mit diversen Veranstaltungen aktiv, macht sie nunmehr auch mit großen Bannern zwischen Altenkirchen und der Landesgrenze mit Nordrhein-Westfalen auf ihr Anliegen aufmerksam.

Auch in der Nähe von Kircheib weist diese Tafel auf die Bürgerinitiative hin, die Ortsumgehungen entlang der B 8 ablehnt. (Foto: vh)

Kircheib. Die Banner sind vor allem groß, knalle gelb und stechen ins Auge: Sie machen an sechs Standorten entlang der B 8 zwischen Altenkirchen und der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen deutlich auf das Ansinnen aufmerksam. Seit Jahren will die „Bürgerinitiative (BI) gegen Ortsumgehungen B 8“ (nob8ou) dafür sensibilisieren, dass die geplanten, aus ihrer Sicht aufwendig zu bauenden und die Natur zerstörenden Umfahrungen von Helmenzen, Weyerbusch und Kircheib (alle mit vordringlichem Bedarf gekennzeichnet) sinnlos sind. „Wir wollen, dass diese aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 ersatzlos gestrichen werden“, erklärte Gunnar Lindner als Sprecher der BI am späten Freitagnachmittag (29. Mai) auf einem Feld in der Nähe des Ortsausgangs von Kircheib (Fahrtrichtung Köln), ehe mit vereinten Kräften der sechste versteifte Banner im Boden verankert wurde. Stichpunktartig ließ Lindner verschiedene markante Daten zwischen 2016 (sein Widerspruch gegen den Bundesverkehrswegeplan) und 2026 Revue passieren. Im November 2021 habe der wissenschaftliche Dienst des Bundestages festgestellt, dass der Bundesverkehrswegeplan rechtswidrig sei. Dennoch sei er von der Bundesregierung weiter verfolgt worden. Zuvor habe sich die BI bereits gebildet. „Uns war klar, dass wir was dagegen unternehmen müssen, weil wir das nicht wollen. Seither haben wir wahnsinnig viel Rückenwind von der kommunalen Politik als auch von den verschiedenen Naturschutzinitiativen erfahren“, fügte Lindner an, auch die Wirtschaft habe die BI gut unterstützt. Als Ergebnis eines Runden Tisches bei Landrat Dr. Peter Enders sei die Ertüchtigung der Strecke priorisiert worden. Lindner erinnerte auch an das Vor-Ort-Treffen mit Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der die weit verbreitete Einstellung der Region zu den Vorhaben („Wir wollen sie nicht“) mit nach Berlin genommen, gleichzeitig betont habe, dass „wir nicht gegen die Region arbeiten wollen“. Wenn der Widerstand hier an der Strecke ende, sei es leicht möglich, dass die Planungen, die derzeit ruhen, wieder aufgenommen würden. „Unser Ziel muss es sein, das Ding ganz vom Tisch zu kriegen“, machte Lindner unmissverständlich deutlich. Die aktuelle Aktion gehöre natürlich dazu, um weiter zu zeigen, dass die Region gegen die Umfahrungen sei.

Brief an Bundestag in Vorbereitung
Fred Jüngerich als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld erinnerte an eine Besprechung zu dem Sachverhalt, nach der er für sich wahr genommen habe, dass „da etwas nicht passt und zwar gewaltig“. So habe er schnell erkannt, dass es nur um eine Prüfung der Alternativen gehen könne, nämlich die Verbreiterung der bestehenden Trasse an den Stellen, die sich dafür eigneten. „Es geht nicht mehr darum, welche Variante, ob Nord oder Süd, zu realisieren ist. Wir haben in allen politischen Gremien uns gegen die Umgehungen ausgesprochen und plädieren dafür, die Planung aus dem Bundesverkehrswegeplan herauszunehmen und die Alternativen zu prüfen“, fügte Jüngerich an, „es gibt hier keinen Stau zwischen Altenkirchen und Uckerath, man kann es auf diesen ganz einfachen Nenner bringen.“ Auch auf Kreisebene sei beschlossen worden, dass die Prüfung der Alternativen Vorrang habe solle. Das sei allen politisch Verantwortlichen auf Landes- und Bundesebene mitgeteilt worden. Schnieder habe auch erklärt, dass „ihr euch dort artikulieren müsst, wo der Beschluss zustande kam, und das ist der Bundestag“. Er sei derzeit mit MdL Matthias Reuber (CDU) dabei, ein Schreiben zu entwerfen, das an den Bundestag gerichtet werde. Dieser sei das einzige Gremium, das dafür sorgen könne, dass die B-8-Umgehungen aus dem Bundesverkehrswegeplan herauskämen. Ihm habe ein Spediteur aus der Region einmal gesagt, dass der Verkehr rollen müsse. „Und in diesem Punkt sind wir uns alle einig, er muss rollen“, verdeutlichte Jüngerich.

Lärm und Verschmutzung bleiben
Für den Ortsbürgermeister von Kircheib, Lothar Bellersheim, bleibt es ohne Umgehung dabei: „Den Lärm und die Verschmutzung haben wir nach wie vor im Dorf. Es wäre schön, wenn irgendwo etwas übrig bliebe, um Maßnahmen zu ergreifen wie intelligente Verkehrsführung oder Überwachung. Schon alleine mit einer Einhaltung der Geschwindigkeit würden sich die Bürger wohler fühlen, um es ihnen angenehmer zu machen.“ Wolfgang Stock (BUND) merkte an, dass die Zeiten des Flächenfraßes und die Wegnahme der Arten in der Natur vorbei seien. Er erinnerte an Pläne wie die für eine Ortsumgehung Steineroth oder eine in Richtung Freudenberg, die nicht zum Tragen gekommen seien. „Wir haben so viel mit den Politikern besprochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass die Eingriffe viel zu schlimm würden. Lasst die Finger davon!“, rekapitulierte Stock, „diese Zerstörungen in diesen Gebieten haben nicht stattgefunden.“ Olaf Riesner-Seifert von der Unteren Naturschutzbehörde habe erklärt, dass dieser geplante Flächenfraß nicht ausgleichbar sei. „Bei diesem Projekt hier gibt es überhaupt keine Dissonanz, und wir arbeiten mit allen Verbänden zusammen“, berichtete Immo Vollmer (Naturschutz-Initiative) über die breite Front der Gegner der Projekte, „für mich ist das das dümmste Projekt, was man sich im Straßenbau einfallen lassen kann.“ Er bezeichnete die Areale für die geplanten Bypässe als „äußerst wertvolle Landschaft“. Würde in Kircheib zum Beispiel die Nord-Variante zum Tragen kommen, würde sie wahrscheinlich über einen Wollgrassumpf geführt werden müssen. Harry Sigg (Nabu Altenkirchen) fasste sich kurz: „Ich könnte noch viel dazu sagen, aber das Wichtigste ist bereits überzeugend gesagt worden.“



Banner-Produktion dank Spenden
Spenden an die BI ermöglichten die Produktion der Banner, die teils auch heimische Tiere wie Rehkitz, Fuchs, Dachs oder Igel (jeweils als Jungtiere) sowie einen arbeitenden heimischen Landwirt zeigen. Die Gespräche mit den Menschen, auf deren Grund und Boden die Erinnerungshinweise ihre Standorte erhielten, seien alle problemlos verlaufen, hieß es aus Reihen der BI, die nicht nur mobil gegen die Umgehungsüberlegungen macht, sondern auch eigene alternative Vorstellungen darlegt, wie die Situation auf der B 8 verbessert werden kann: dreistreifige Ausbaumaßnamen auf freien Strecken, Verlegung der Anbindung der L 276 (aus und nach Flammersfeld) aus der Ortsmitte von Weyerbusch heraus in den Bereich der „Betonkurve“ bei Hasselbach; in den Ortsgemeinden: Flüsterasphalt, Schallschutzmaßnahmen an Gebäuden, stationäre Geschwindigkeitskontrollen und eine Vielzahl weiterer kleinerer Maßnahmen, um den Verkehrsfluss zu regulieren – zumindest bis Hennef-Uckerath, das nach wie vor das größte Nadelöhr überhaupt darstellt. Nach zwei vergeblichen Ausschreibungen gab der Landesbetrieb Straßen.NRW inzwischen die erforderlichen Mittel für die Vorplanung einer Ortsumgehung (B8n) frei. Somit kann die Bearbeitung auf Basis einer Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Landesbetrieb und der Stadt Hennef aus dem Jahr 2020 greifen. Der Auftrag zur Erstellung einer Umweltverträglichkeitsstudie (UVS) sowie ergänzender umweltfachlicher Untersuchungen wurde an ein Büro aus Bochum vergeben.

Verkehrsbelastung steigt
Die gesamte Planung hat zum Ziel, die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Ost-West-Trasse (B 8/B 414/B 255) zwischen dem Autobahnende/-anfang in Hennef (A 560) und der Autobahnanschlussstelle der A 45 bei Herborn zu erhöhen. Es liegen Berechnungen über die Verkehrsentwicklung für das Jahr 2035 auf Basis der Werte für 2018 vor (erste Zahl Pkw, zweite Zahl Schwerlastverkehr, in Klammern Prognose) - B 8 Landesgrenze: 11.800/1080 (15.400/1640); Ortsdurchfahrt Kircheib 10.000/1090 (12.800/1560); Rettersen 9600/1050 (12.000/1520); Ortsdurchfahrt Hasselbach 9800/1160 (12.200/1630); Ortsdurchfahrt Weyerbusch 12.700/1210 (14.800/1720); Birnbach 10.300/1010 (11.200/1380); Helmenzen 14.300/1140 (14.900/1500). Gegen die Realisierung der Umfahrungen, so wurde von der BI schon immer argumentiert, sprechen: Eingriff in den Wasserhaushalt, große Flächenversiegelung, Wegfall von land- und forstwirtschaftlichen Flächen in der Größe von rund 120 Hektar (circa 140 Fußballfelder), Umsatzeinbruch der Gewerbebetriebe, größeres Verkehrsaufkommen auf den Bundesstraßen wegen höherer Leistungsfähigkeit, enormer Kostenaufwand der Maßnahmen – und eine Zeitersparnis von nur ganz wenigen Minuten. (vh)


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