Pressemitteilung vom 31.05.2026 
Elektroauto-Boom in Rheinland-Pfalz: Jeder vierte Neuwagen fährt elektrisch
In Rheinland-Pfalz nimmt der Trend zu Elektroautos stark zu. Die neuesten Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen, dass sich der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Neuzulassungen innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hat. Doch wie gut ist das Land auf diese Entwicklung vorbereitet?
Mainz/Koblenz. Der Boom bei Elektroautos in Rheinland-Pfalz setzt sich fort. Im ersten Quartal 2026 hatte mehr als jedes vierte neu zugelassene Auto einen reinen Elektroantrieb. Laut dem Statistischen Landesamt lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge bei knapp 27 Prozent - im Vergleich dazu waren es in den ersten drei Monaten des Jahres 2024 rund 13 Prozent. Zusammen mit Plug-in-Hybriden entfielen damit bereits gut ein Drittel aller neuen Pkw auf Fahrzeuge mit zumindest teilweise elektrischem Antrieb. Insgesamt wurden von Januar bis März etwa 26.700 Pkw neu zugelassen, was einem Zuwachs von vier Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Der Anteil klassischer Verbrenner ist rückläufig: Benziner kamen nur noch auf 24 Prozent der Neuzulassungen, Diesel auf 13 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2019 lag der Anteil im ersten Quartal für Benziner bei 62 Prozent und für Diesel bei 31 Prozent.
Aktuelle Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts belegen die Fortsetzung dieses Trends: Einschließlich April lag der Anteil der reinen E-Autos bei den Neuzulassungen bei 27,7 Prozent, während die Zahl der Neuzulassungen insgesamt auf rund 35.600 stieg. Der Anteil reiner Benziner sank dabei auf 23,3 Prozent.
E-Mobilität im Alltag
Verbände und Politik sehen darin ein Zeichen dafür, dass Elektromobilität zunehmend im Alltag angekommen ist. Der ADAC Mittelrhein hebt eine größere Modellvielfalt, sinkende Betriebskosten und wachsendes Vertrauen in die Alltagstauglichkeit der Fahrzeuge hervor. Dennoch bestehen weiterhin Vorbehalte bei Verbrauchern, insbesondere wegen hoher Anschaffungskosten und Unsicherheiten bei der Ladeinfrastruktur. Während Elektroautos in der Anschaffung noch teurer sind als vergleichbare Verbrenner, bieten sie im laufenden Betrieb durch geringere Energie- und Wartungskosten Vorteile. Das Verkehrsministerium in Mainz weist darauf hin, dass auch die aktuelle weltpolitische Lage die Kaufentscheidungen beeinflusst. Internationale Spannungen und Entwicklungen bei Energie- und Kraftstoffpreisen erhöhen die Sensibilität für alternative Antriebe.
Wie es um die Ladepunkte steht
Zum 1. April gab es laut Bundesnetzagentur 7.630 öffentlich zugängliche Ladepunkte in Rheinland-Pfalz, darunter 2.849 Schnellladepunkte. Seit Anfang 2025 wurden rund 600 Normalladepunkte und mehr als 750 Schnellladepunkte neu aufgebaut. In Städten wie Mainz wuchs die Normalladeinfrastruktur zuletzt deutlich. Der ADAC sieht Rheinland-Pfalz an Autobahnen und in Städten gut aufgestellt - die Situation habe sich "spürbar verbessert", so ein Sprecher. Experten sehen jedoch weiterhin Probleme in kleineren Gemeinden und Wohngebieten ohne private Stellplätze. Gerade Pendler auf dem Land seien auf ein dichtes und verlässliches Ladenetz angewiesen, betonte der ADAC-Sprecher. Hier bestehe Ausbaubedarf, vor allem bei öffentlich zugänglichen Ladepunkten in kleineren Gemeinden. Das Ministerium verweist zudem auf Herausforderungen bei der Bereitstellung der benötigten Netzanschlüsse und Flächen sowie der Verfügbarkeit technischer Komponenten wie Transformatoren. Für Bewohner von Mehrfamilienhäusern startete das Bundesministerium für Verkehr im April ein Förderprogramm zum Aufbau von Ladestationen. Der ADAC schlägt vor, Fördermodelle breiter aufzustellen, um Elektromobilität sozial ausgewogener und für mehr Menschen erreichbar zu machen.
Umweltschützer wollen ganzheitliche Verkehrswende
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht die Entwicklung als Beleg dafür, dass sich das Elektroauto am Markt durchgesetzt hat. "Die Behauptung, der Markthochlauf der E-Mobilität sei nicht zu schaffen, wird durch die Realität widerlegt", erklärte DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch mit Blick auf die aktuellen Zahlen aus Rheinland-Pfalz. Forderungen von Autoherstellern, das Verbrenner-Aus bis 2035 zu kippen, seien daher "irreführend". Kritik äußerte die Umweltorganisation am steigenden Anteil von Plug-in-Hybriden, die aus ihrer Sicht keine klimafreundliche Alternative darstellen. Die Verkehrswende müsse ganzheitlich gedacht werden, "und nicht lediglich als Antriebswende", so Resch. Parallel zum E-Hochlauf brauche es die Reaktivierung und den Ausbau von Bahnstrecken im ländlichen Raum sowie einen verlässlichen, bezahlbaren öffentlichen Nahverkehr. (dpa/bearbeitet durch Red)
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