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Nachricht vom 01.06.2026    

Almersbach: „Special Olympics“ hilft beim Stocksport-Schnuppertag der Lebenshilfe

Der Sportplatz in Almersbach hat ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Rheinland-Pfalz. Die angegliederten zwei Bahnen für den Stocksport bieten die ideale Gelegenheit, auch Menschen mit Beeinträchtigung(en) diese Form der Betätigung anzubieten. Unter dem Dach von „Special Olympics“ versuchten sich rund 45 Teilnehmer aus Einrichtungen der Lebenshilfe in diesem Metier.

Mal auf eine ganz andere Sportart ließen sich die Menschen mit Beeinträchtigung(en) auf den Stocksportbahnen am Almersbacher Sportplatz ein. (Foto: vh)

Almersbach. Auf den ersten Blick ähnelt der Stocksport ein wenig dem Curling. Auf den zweiten jedoch werden Unterschiede deutlich – vor allem was die Beschaffenheit der Spielfläche betrifft. Während im Winter nicht nur bei Olympia Eis als Untergrund für die vor Jahrhunderten in Schottland entwickelte Disziplin dient, können die Stocksportler das ganze runde Jahr ihrem Hobby nachgehen. Beton-, Pflaster- oder Bitumenflächen sind bestens geeignet für einen Wettkampf, auch in einer Halle auf einem Sapu-Boden bieten sich Vergleiche an. Hinzu kommt, dass sich auch Menschen mit Beeinträchtigung(en) ebenfalls dieser Art der Freizeitgestaltung verschreiben können, wie rund 45 Teilnehmer aus vier Einrichtungen der Lebenshilfe im Kreis Altenkirchen am Montagvormittag (1. Juni) auf der doppelten Stocksportbahn am Almersbacher Sportplatz und auf Initiative von Bärbel Nied, der Sportkoordinatorin der Westerwald-Werkstätten, erfuhren. Sie konnte auf ein fachkundiges Trio von „Special Olympics“ Rheinland-Platz (SORLP) mit dem Stocksport-Koordinator Markus Mattes, Alexander Franke und Marcel Höfels bauen, die sich in aller Herrgottsfrühe von Orten entlang der Mosel in den Westerwald aufgemacht hatten, um die Spieler anzuleiten. „Mit solchen Schnuppertagen möchten wir erreichen, dass die Einrichtung diesen Sport in ihr Repertoire aufnimmt“, erklärte Mattes und freute sich über das super Spielfeld „hier“, das wohl einzige überhaupt in Rheinland-Pfalz, wie er beschrieb. Schon seit zehn Jahren ist es unter Obhut des SSV Almersbach/Fluterschen bespielbar. Die Einweihung fand im Juli 2016 statt.

Aus verschiedenen Distanzen
In Gruppen aufgeteilt, versuchten sich die Akteure an dem ungewohnten Bewegungsablauf. So galt es zum einen, aus verschiedenen Distanzen (vier Abspielstellen zwischen elf und 24,5 Meter vom Mittelkreuz entfernt/Start nach Veranlagung und körperlicher Beeinträchtigung) ein Gestell mit aufgehängten Latten zu treffen, wobei jedes kleine Brett mit einer Zahl beschriftet ist, die die erspielten Punkte darstellt. Saust der Stock zwischen zweien „hindurch“, wird dem „Schützen“ grundsätzlich der höhere Wert gutgeschrieben. Zum anderen kann auf die bewegliche Daube gezielt werden, eine Art Puck wie im Eishockey, an die die Stöcke mit einem Gewicht zwischen 2,73 und 3,83 Kilogramm möglichst dicht platziert werden müssen. Beim Curling, das ohne verschiebbares Ziel gespielt wird, müssen als Unterschied die Granitsteine möglichst in der Mitte des Zielkreuzes verharren. Bei SO-Wettbewerben sind alle Stockstile erlaubt, die es im Handel gibt. Unterschiede existieren ebenfalls in Sachen Laufsohlen unter den Stöcken, die, farblich dargestellt, in Härte und Material variieren. Am schnellsten des Sextetts ist der weiße, am langsamsten der gelbe Belag. Eine Bahn ist 30 Meter lang (mit Auslauf vor und hinter dem Zielfeld) und drei Meter breit. Die kreisrunde „Endstation“ misst drei mal sechs Meter. Ausgetragen werden zwei unterschiedliche Wettbewerbe: Einzel (Ziel- und Lattenspiel) und im Team.



Das ist „Special Olympics“
„Special Olympics“ (SO) ist laut Wikipedia die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung und Mehrfachbeeinträchtigung. Sie ist vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt und darf als einzige Organisation den Ausdruck Olympics weltweit nutzen. Das Ziel von SO ist es, als Inklusionsbewegung Menschen mit geistiger Beeinträchtigung durch den Sport zu mehr Anerkennung, Selbstbewusstsein und letztlich zu mehr Teilhabe an der Gesellschaft zu verhelfen. Die Bewegung wurde 1968 von Eunice Kennedy-Shriver, einer Schwester von US-Präsident John F. Kennedy, ins Leben gerufen. Hintergrund war die Beeinträchtigung von deren Schwester Rosemary Kennedy nach einer Lobotomie (neurochirurgische Operation). SO ist heute mit 5,4 Millionen Athleten in 190 Ländern vertreten. Der deutsche Bundesverband (Special Olympics Deutschland/SOD) wurde 1991 gegründet. Darüber hinaus gibt es auf Ebene der Bundesländer derzeit 14 Landesverbände. Als Zwischenebene fungiert für Deutschland der Kontinentalverband „Special Olympics Europa-Eurasien“ (SOEE). Vorsitzender des Dachverbands „Special Olympics International“ (SOI) ist Timothy Shriver, der Sohn von Eunice Kennedy-Shriver. SO möchte erreichen, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung respektiert, als gleichwertig anerkannt werden, die Möglichkeit des Trainings erhalten, an sportlichen Wettkämpfen teilnehmen, um sich auf diese Weise entwickeln zu können. Aber: Stocksport ist noch keine offizielle Sportart bei SO International. Für Deutschland wurden die Regeln von SOD in Orientierung an das Regelwerk des Internationalen Fachverbandes „International Federation Icestocksport (IFI)“ erstellt. (vh)


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