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Nachricht vom 18.06.2026    

Wissen kommt als Wasserstoff-Knotenpunkt wohl eher nicht in Betracht

Ist ein Wasserstoffknotenpunkt, ein sogenannter „Hub“, in Wissen möglich? „Schwierig“ heißt das Ergebnis eines Konzeptes, das unter Federführung des Transformationsnetzwerkes Altenkirchen/Westerwald ausgearbeitet worden ist. Viele Aspekte sprechen gegen eine Verwirklichung an diesem Standort.

Wasserstoff zählt auch zu den Energieträgern in den kommenden Jahrzehnten. (Foto: Pixabay)

Altenkirchen. Wasserstoff galt und gilt nach wie vor als ein treibhausgasfreier Energieträger der vielleicht nächsten Jahrzehnte. Die Erzeugung per Elektrolyse ist aufwendig. Strom wird benötigt, kommt er „grün“, also mit Erneuerbaren Energien hergestellt, daher, ist es umso besser. „Wasserstoff ist eine Zukunftstechnologie. Wir versuchen, auch mit diesem Vortrag, das Thema präsent zu halten“, verdeutlichte Andreas Utsch, Projektleiter Transformationsnetzwerk (TraForce) Altenkirchen/Westerwald (Kreise Altenkirchen, Westerwald und Neuwied), vor den Mitgliedern des Altenkirchener Kreistages in deren jüngster Zusammenkunft, „dieses Plenum gehört zu den Weichenstellern.“ Wie aber sieht es mit potenziellen Wasserstoff-Erzeugungsmöglichkeiten und Abnahmebedarfe an einem gedachten Knotenpunkt (Hub) in Wissen aus? Die Ausarbeitung eines Konzeptes von Traforce mit dieser Ausgangssituation komme, so Utsch, zu dem Ergebnis, dass zentrale Erzeugung und Abnahme an einem Standort schwierig sei. Die Lösung sei ein dezentraler Hydrogen-Hub mit getrennter Erzeugung und Abnahme. Großes Abnahmepotenzial bestehe in den Industriegebieten an der A 3 wie in Wirges, Montabaur, Heiligenroth oder Ransbach-Baumbach. Weitere Standorte könnten beispielsweise Bad Hönningen, Neuwied, Wissen oder Mudersbach sein. Ins Auge gefasst worden seien als möglichen Kunden der ÖPNV, kommunale Fahrzeugflotten und schwere Nutzfahrzeuge mit einem Gewicht von über zwölf Tonnen. „Die Industrie wurde ausgeklammert, es ist schwierig, energetische Daten von Unternehmen zu bekommen“, ergänzte Utsch und ging speziell auf die Detailanalyse für Wissen ein: eine vorhandene Fotovoltaik-Anlage sei nicht nutzbar, eine neue möglich, Windkraft aufgrund der Bebauung ungeeignet. Die Elektrolyse gestalte sich schwierig, weil ein Nahwärmenetz fehle, um die entstehende Abwärme einsetzen zu können. Zudem sei der Standort (Nähe Firma Nimak) zu abgelegen von der B 62 für eine Tankstelle. Utsch zog dieses Fazit: „Flächen in und um Wissen sind für klassische Hubs nicht geeignet.“ Definiert hatte er zuvor die allgemeinen wirtschaftlichen Kriterien eines Hubs: Erzeugung, Elektrolyse, Speicherung und Abnahme an einem Ort, Infrastrukturen wie Tankstellen, Leitung und Stromerzeugung, Nutzung der „Abfallprodukte“ Sauerstoff und Wärme, Abnehmer aus Industrie und Verkehr sowie Flächen für die Stromerzeugung. Für Wissen hatte Utsch auf diese Merkmale gesetzt: Nahwärmenetz zur Abwärmenutzung (Siegtalbad), Klärwerk (Windeck-Au) zur Nutzung des Sauerstoffs, vorhandene Tankstellen, große Logistiker mit schweren Flotten, kommunale Flotten, ÖPNV dank des Regio-Bahnhofes und nicht elektrifizierte schienengebundene Fahrzeuge. Den Auftrag für die „Erstellung einer Wasserstoffpotenzialanalyse für die Landkreise Altenkirchen, Westerwald und Neuwied“ hatte die Transferstelle Bingen im Jahr 2024 erteilt.

Relativ langes Zeitfenster
Dennoch forderte Utsch, „den Wasserstoff im Kreis Altenkirchen nicht aus den Augen zu verlieren. Wir sprechen über ein relativ langes Zeitfenster und sollten die Türen nicht zuschlagen“. Niemand wisse, wie der Wasserstoffmarkt in zehn Jahren aussehe. Er richtete Handlungsempfehlungen an die Mitglieder des Gremiums und forderte die Verstetigung der regionalen Klimaschutzaktivitäten. Wasserstoff müsse als Baustein der Energie- und Verkehrswende aufgenommen werden vor dem Hintergrund der Versorgungssicherheit. „Bei Planung und Ausbau der Flächen für Erneuerbare Energien sollen Flächen zur Wasserstofferzeugung und -speicherung vorgesehen werden. Zudem sollen die Genehmigungsprozesse und planungsrechtliche Regelungen bereits jetzt durch die Ertüchtigung des Personals sowie den Aufbau einer digitalen Infrastruktur sichergestellt werden“, fügte Utsch an. Darüber hinaus plädierte er für eine Abstimmung zwischen Kreis und Land und sprach sich für einen Ansprechpartner für alle Wasserstoff-Belange aus. Gasnetzbetreiber sollten ihre Infrastruktur als Speicher und Netz für Wasserstoff prüfen (Gasleitungsnetz in Deutschland ist rund 400.000 Kilometer lang). Die Akzeptanz in der Bevölkerung könne durch deren Einbindung in den Planungsprozess erreicht werden. Eine Anbindung an das Wasserstoff-Kernnetz sei in Wirges spätestens von 2032 an möglich. Dieser Strang mit einer Leitungslänge von 9040 Kilometern soll zu rund 60 Prozent auf Umstellungen bestehender Erdgasleitungen basieren. Die zu erwartenden Investitionskosten belaufen sich auf 18,9 Milliarden Euro.



Das Einzige in Rheinland-Pfalz
Mit 2,44 Millionen Euro fördert das ehemalige Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unter der damaligen Leitung von Robert Habeck Aufbau und Arbeit des Transformationsnetzwerks in der Region „Altenkirchen/Westerwald“ (das einzige in Rheinland-Pfalz), das die Aufgabe hat, Unternehmen und ihre Beschäftigten - vor allem die aus der Automobil-Zulieferbranche -, bei der Transformation, also beim Prozess der Veränderung vom aktuellen Ist-Zustand zu einem angestrebten Ziel, zu unterstützen. Bekanntlich sieht sich gerade dieser Wirtschaftszweig enormen Veränderungen unter anderem dank steigender E-Mobilität gegenüber. Die Wirtschaftsförderung des Kreises Altenkirchen hatte gemeinsam mit dem Technologieinstitut für Metall und Engineering (TIME) in Wissen und der IG Metall bei der Berliner Behörde den Förderantrag gestellt. Die Projektlaufzeit endet am 31. Dezember 2026, die Bewerbung auf einen neuerlichen Aufruf (bis 2029) ist eingereicht. Ziel von TraForce laut damaliger BMWi-Homepage ist, den „Erfahrungsaustausch und die Vernetzung der Branche voranzutreiben und die Akteure vor Ort einzubeziehen: Für die Sparten autonomes Fahren, digitalisierte und nachhaltige Produktion, Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle oder beim Umstieg auf alternative Antriebe sollen in Zukunft regionale Transformationsstrategien entwickelt werden. Unternehmen, Universitäten, Gewerkschaften und lokale Behörden können gemeinsam in regionalen Transformationsnetzwerken die besten Ideen und Lösungen für eine in den Regionen stark verwurzelte Fahrzeugindustrie entwickeln und umsetzen. Die bundesweit 26 regionalen Transformationsnetzwerke können informieren und vernetzen, aber auch Studien zu regionalen Wirtschaftsstrukturen und Entwicklungsperspektiven konzipieren, qualifizieren und zu Fördermitteln beraten. Projekte können mit bis zu 100 Prozent bezuschusst werden“. (vh)


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