Zweiter Weidetiertag im Westerwald: Diskussionen um Wolfsschutz und Herdensicherheit
Von Thomas Sonnenschein
Beim zweiten offiziellen Weidetiertag in Mörsbach kamen zahlreiche Besucher, Experten und Politiker zusammen, um über die Herausforderungen der Weidetierhaltung zu diskutieren. Die Veranstaltung bot nicht nur ein buntes Familienfest, sondern auch eine Plattform für ernste Gespräche über den Schutz von Herden vor Wölfen.
Mörsbach. An der Grillhütte Mörsbach luden die Bürgerinitiative Wolfsprävention Westerwald, diverse Tierhalterverbände und die Jägerschaft gemeinsam unter der Organisatorin Bianca Belleflamme zum zweiten offiziellen Weidetiertag ein. Im Gewand eines Familienfestes schmückten mehr als zwei Dutzend Zeltreihen den Vorplatz der Grillhütte und verwandelten die Kulisse in ein kleines Dorf – einschließlich Gegrilltem, sowie kalten und warmen Getränken. Über den Tag verteilt reisten zahlreiche Besucher und Familien an, nicht nur aus der Nachbarschaft: Aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Hunsrück und Eifel trafen sich hier Neugierige und Experten zu einem gelungenen Austausch. Während sich die Kinder schminken ließen, erläuterte Landesforsten leicht verständlich die Funktionen der Forstwirtschaft. Zahlreiche Infostände klärten über Zucht und die verschiedenen Rassen in der Weidetierhaltung auf. Wie in allen anderen Bereichen wurde auch hier die überbordende Bürokratie kritisiert. Bei den offiziellen Ansprachen zur Zukunft der Weidetierhaltung wurden natürlich Schweinepest und Vogelgrippe angesprochen. Am deutlichsten aber war der Hilferuf aufgrund des Wolfs.
Rückendeckung durch die Politik
Dr. Peter Enders, der Landrat des Kreises Altenkirchen, redete Tacheles, auch im Namen von Achim Schwickert, der zuvor zum Innenminister berufen worden war. Enders sieht sich selbst als Gegner von Wolfsromantik. Er stellte sich hinter die Bürgerinitiative Wolfsprävention und erinnerte an eine entsprechende Veranstaltung im vergangenen Jahr in Flammersfeld (wir berichteten). Schwickert trat seinerseits zu Beginn dieses Jahres als Landrat des Westerwaldkreises bei der Mahnwache in Rehe auf (auch hier berichteten wir).
Stefan Fiedler, Vizepräsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz, verwies auf die einzigartige Landschaft rund um das Veranstaltungsgelände. Mehrere Positionen boten von dort eine faszinierende Aussicht. Es sei ein Wunder der Natur, so Fiedler, dass Wiederkäuer das Gras in Milch und Fleisch umwandeln. Das Panorama rundherum sei ein Kulturgut, entstanden durch Forst- und Landwirtschaft sowie durch die Weidetierhaltung. Fiedler appellierte an die Rückendeckung durch die Politik für die Ernährungssicherheit im ländlichen Raum.
Erlebnisse mit Tieren
Einer von vielen Höhepunkten dieses Tages war ein Showreiten mit Laura Bachmann. Dabei wirkten trainierte Hunde und Pferde in einzigartiger Choreografie zusammen. Familie Kordes aus Mittelhof, Florian Völkel und die Ponyschule Görsbachtal stellten streichelzahme Tiere aus ihren Beständen zur Schau. So wirkten die Gehege wie ein friedliches Idyll gleich im Eingangsbereich der Veranstaltung. Gerne nutzten vor allem die Kinder die Gelegenheit, die Tiere sanft zu berühren und dadurch direkt Erfahrung zu sammeln. Die Ponyschule ließ die Kinder sogar reiten.
Dr. Kristina Brixius war vor Ort
Dieser Anlass lockte selbst Dr. Kristina Brixius, die neue Landesministerin für Umwelt und Forsten, gemeinsam mit ihrer Familie aus Mainz in den Westerwald. Die auch durch Weidetierhaltung geformte Wäller Kulturlandschaft sagte ihr sehr zu. Sie selbst ist im Verteiler der KLUWO, der Koordinierungsstelle für Luchs und Wolf, und ist im Bilde, dass beinahe täglich Übergriffe von Wölfen auf Herdentiere nachgewiesen werden. Sie ist überzeugt, dass Naturschutz und Herdentierhaltung zusammengehören. Die Koalition habe vereinbart, einen Managementplan Wolf zu entwerfen. Dabei gehe es vor allem um die rechtssichere Entnahme von Wölfen.
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Verwaltungsgericht Arnsberg stoppt Wolfabschuss
Diese Rechtssicherheit scheint tatsächlich wichtig zu sein, denn parallel zur Veranstaltung hat auf Antrag der Naturschutzinitiative (NI) ganz aktuell das Verwaltungsgericht Arnsberg im benachbarten Nordrhein-Westfalen die vom Kreis Olpe erteilte Abschussgenehmigung des berüchtigten Problemwolfes GW1896m am 16. Juni mit einem Hängebeschluss gestoppt. Bis zu einer endgültigen Entscheidung der Kammer darf dieser Wolf nicht entnommen werden. "Der Wolf ist noch immer durch die FFH-Richtlinie geschützt. Hieran hat sich nichts geändert", erklärte Gabriele Neumann, Projektleiterin Großkarnivoren der NI mit Blick auf das EU-Recht. Von den 56 Rissereignissen in Deutschland, welche auf den Wolf GW1896m seit 2021 zurückzuführen seien, hätten 47 Fälle ohne jeglichen Schutz der Weidetiere stattgefunden und in den übrigen 9 Fällen sei lediglich der Grundschutz vorhanden gewesen.
Managementplan Wolf
Der Fall zeigt, weshalb das Land nicht Hals über Kopf eine Abschussgenehmigung beschließen könne. Die Koalition in Rheinland-Pfalz war sich schnell einig mit der Erstellung eines Managementplans Wolf. Denn nachdem der Bund das Jagdgesetz bereits im März angepasst hatte, drängt auch Sabine Bätzing-Lichtenthäler von der SPD auf eine schnelle Lösung. Um künftig Wölfe wirklich rechtssicher entnehmen zu können, würden vier Wochen nicht reichen, sagte sie gegenüber den Kurieren, aber es sollen jetzt auch keine Jahre mehr verstreichen, so Bätzing-Lichtenthäler.
Noch lässt sich die Wolfspopulation regulieren
"Der Herdenschutz sei in den meisten Fällen gar nicht ausreichend umsetzbar", sagte Gitta Greif-Werner, Präsidentin des Landesjagdverbands Rheinland-Pfalz. Sie sieht in einer Möglichkeit der Bejagung ein verantwortungsvolles Instrument. Am Beispiel in Niedersachsen zeige sich, dass in dieser Frage Eile geboten sei. Dort habe es nämlich im vergangenen Jahr 92 Abschüsse gegeben, während in der gleichen Zeit 142 neue Jungtiere gemeldet worden seien. Irgendwann könne man die Wolfspopulation nicht mehr aufhalten.
Matthias Müller, Kreisvorsitzender des Bauernverbandes Westerwald, lobte die Zusammenlegung von Umwelt- und Landwirtschaftsministerium, denn beides gehöre zusammen. Albert Jung von der Bürgerinitiative Wolfsfreie Dörfer in Eifel und Hunsrück sprach sich gegen den Einsatz einer Sonderbehörde aus und schlug vor, lokale Tierärzte den Wolfsnachweis bestätigen zu lassen.
Ganz im Sinne des angesprochenen Kulturgutes wurden die Reden begleitet von Andreas Marenbach und Guntram Kochhäuser des "AlphornEcho Westerwald" mit 3,6 Meter langen Schweizer Alphörnern. Vor allem die Kleinkinder waren begeistert, als die Töne unten herauskamen.
Noch mehr politische Präsenz
Auffällig war neben den hochrangigen Rednern die überraschende Präsenz zahlreicher Politiker vom Bund, vom Land und von den Kommunen, die gar keine Reden gehalten haben, sondern alleine durch das Zuhören Eindrücke sammelten und zeigten, dass sie hinter den Weidetierhaltern stehen. Darunter waren unter anderem Ellen Demuth, Harald Orthey und Jannick Pape.
Christine Mittermeier vom Bundesverband der deutschen Berufsschäfer ermahnte die Politiker, dass den Worten nun auch Taten folgen müssten. Andernfalls wären die Weidetiere bald weg. Der falsch praktizierte Schutz des Wolfs würde die Herdentiere und damit auch die Artenvielfalt und letztlich den Kulturraum verdrängen. (TS)
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Wolf
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