Nicole nörgelt ... über das vergessene Sommermärchen
Von Nicole
KOLUMNE | Es ist wieder Weltmeisterschaft und auch wenn sie in den USA, Mexico und Kanada – also ziemlich weit weg – stattfindet, nimmt Deutschland doch teil. Nur sieht man in unserem Land leider ziemlich wenig davon.
KOLUMNE! Erinnert sich denn niemand mehr an unser Sommermärchen 2006 und die WM im eigenen Land 2010? Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir Deutschen es nach Jahrzehnten endlich mal wieder geschafft hatten, stolz auf unser Land und unsere Nationalfarben zu sein. Die Kinder haben quasi im Trikot übernachtet, überall konnte man schwarz-rot-goldene Flaggen und Dekorationen sehen.
Die Vergangenheit loslassen
Ja, Deutschland hat eine nicht besonders ruhmreiche Vergangenheit aus den Jahren 1936 bis 1945, aber das ist jetzt neunzig Jahre her und die Kinder, die heute in die Schule gehen, sind zum Teil schon die vierte Generation danach. Ich bin bestimmt nicht für das Vergessen und Vertuschen von dem, was damals passiert ist, aber selbst unsere Eltern waren zu dieser Zeit gerade mal Schulkinder, die unter Hunger, Angst, Verlust und Kälte leiden mussten.
Umso schlimmer finde ich die Entwicklung, die sich aktuell in den neuen Bundesländern abzeichnet. Die Menschen, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges unter der Teilung Deutschlands besonders gelitten haben, wählen jetzt eine rechte Partei, die sich von Europa lösen, die Schulpflicht und den Euro abschaffen will. Hier hat scheinbar das Vergessen wohl doch zu schnell wieder eingesetzt.
Ich glaube, dass wir trotz oder gerade wegen unserer Vergangenheit genauso wie Menschen aus anderen Staaten ein Recht darauf haben, stolz auf unsere Nationalität zu sein und unsere Flagge auch zu zeigen, ohne ein schlechtes Gefühl dabei zu haben. Dieses Land ist nicht nur das Land, das ein Jahrzehnt lang unter einem Regime der Nationalsozialisten stand, dieses Land ist auch das Land der Dichter und Denker, wie Goethe und Schiller, der Ingenieure und vieler bedeutender Künstler. Dieses Land ist das Land der "Sendung mit der Maus", der "Sesamstraße" und das Land von Klinsi, Schweini, Poldi und einem vierfachen Fußball-Weltmeister. Auf dieses Land darf man auch mal stolz sein.
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Aktuell wird über "Verteidigungsfähigkeit" und "Patriotismus" diskutiert, ein erneutes Inkrafttreten der Wehrpflicht steht im Raum, aber gleichzeitig wird verlangt, dass wir unsere eigene Kultur mehr und mehr verleugnen. Aus Rücksicht soll in Kindergärten kein Schweinefleisch mehr gegessen werden, Schüler sollen während des Ramadan fasten und in Bayern müssen die Kreuze als christliche Symbole aus den Klassenzimmern verschwinden. Einsatzkräfte, die ein Hoheitsabzeichen auf der Uniform tragen, werden angegangen und als Nazis beschimpft. Das ist nicht das, was die Menschen in diesem Land stolz auf ihre Flagge macht, das macht sie einfach nur wütend.
Ja, Deutschland hat eine Vergangenheit, die nicht immer ruhmreich ist, aber das haben ganz viele andere Staaten auch, wenn man sich mal ein bisschen mit Geschichte befasst. In Frankreich wurden vom 16. bis 18. Jahrhundert die Hugenotten verfolgt, das hindert aber keinen Franzosen daran, stolz auf sein Land und seine Flagge zu sein. Zwischen 1550 und 1700 fanden in ganz Europa brutale Hexenverfolgungen statt, trotzdem schämt sich in den anderen europäischen Ländern niemand für seine Flagge.
In diesem Sinne, lassen Sie uns alle an das Sommermärchen zurückdenken und diese WM nutzen, um für uns alle ein neues Sommermärchen aufleben zu lassen, bei dem der Stolz auf unsere Flagge und unser Land hoffentlich auch für die Zukunft hält.
Ihre Nicole
Was ist eine satirische Kolumne?
Die satirische Kolumne ist ein regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag, der unter einem festen Namen und mit einer unverwechselbaren, persönlichen Handschrift wechselnde – meist aktuelle – Themen aufgreift. Sie gibt ausdrücklich die subjektive, oft satirisch zugespitzte Sicht der Autorin wieder und erhebt bewusst keinen Anspruch auf ausgewogene Berichterstattung. "Nicole" ist dabei eine fiktive Kunstfigur, durch die gesellschaftliche Themen pointiert kommentiert werden.
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Nicole nörgelt
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