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Pressemitteilung vom 27.06.2026    

Wie Kinder Sprache lernen und Eltern sie dabei unterstützen können

Kinder lernen das Sprechen nicht von heute auf morgen. Hinter den ersten Wörtern steckt ein langer Entwicklungsprozess, der viele Bereiche des Heranwachsens umfasst. Ein Logopäde der DRK-Kinderklinik Siegen erklärt, welche Rolle Eltern dabei spielen.

„Elektronische Medien sind keine geeigneten Lehrmittel für Sprache. Kinder lernen sprechen nur im echten Kontakt, nicht durch passive Beschallung“, warnt Bernd Hammel. (Fotoquelle: Tanja Bauschert)

Siegen. Die Sprachentwicklung von Kindern beginnt lange bevor das erste Wort gesprochen wird. Sie entsteht Schritt für Schritt und ist eng mit vielen anderen Bereichen der kindlichen Entwicklung verbunden. Darauf weist Bernd Hammel, langjähriger Logopäde an der DRK-Kinderklinik Siegen, hin. Nach seinen Angaben wachsen Sprache, Bewegung, Wahrnehmung, Denken und soziale Erfahrungen gemeinsam und bilden die Grundlage dafür, dass Kinder sprechen lernen.

Schon im Säuglingsalter sammeln Kinder wichtige Erfahrungen. Sie nehmen Stimmen wahr, erkennen Sprachmelodien und reagieren auf Nähe, Wärme und Zuwendung. Diese frühen Eindrücke schaffen nach Einschätzung des Experten wichtige Voraussetzungen für den späteren Spracherwerb.

Viele Fähigkeiten greifen ineinander
Nach Angaben des Logopäden hängt die Sprachentwicklung von zahlreichen Faktoren ab, die sich gegenseitig beeinflussen. Dazu zählen die körperliche und geistige Entwicklung ebenso wie emotionale Sicherheit und soziale Erfahrungen. Auch die Sinneswahrnehmung spielt eine entscheidende Rolle.

Zu den wichtigen Bausteinen gehören:
• die motorische Entwicklung mit Körperhaltung und Atmung
• die Feinmotorik als Grundlage für die Vernetzung wichtiger Gehirnbereiche
• die geistige Entwicklung mit Denken, Erinnern und Zuordnen
• die sozial-emotionale Entwicklung für Beziehungen und Kommunikation
• die Sinneswahrnehmung vom Hören und Sehen bis zur Tiefensensibilität

Besonders bedeutsam ist nach Einschätzung von Bernd Hammel eine sichere Bindung an Eltern oder andere enge Bezugspersonen. Sie schafft Vertrauen, stärkt das Selbstwertgefühl und unterstützt Kinder dabei, Sprache als Mittel der Kommunikation zu nutzen.

Alltag bietet die besten Lernchancen
Nach Ansicht des Logopäden brauchen Kinder keine aufwendigen Förderprogramme, um Sprache zu lernen. Entscheidend seien Annahme, Liebe und Geborgenheit. Ein Kind, das sich sicher fühle, traue sich eher zu sprechen, Fehler zu machen und neue Wörter auszuprobieren.

Ebenso wichtig sei ausreichend gemeinsame Zeit. Sprachförderung finde vor allem im Alltag statt. Gespräche beim Spielen, Vorlesen, Betrachten von Bilderbüchern oder bei gemeinsamen Unternehmungen bieten viele Möglichkeiten, Sprache ganz selbstverständlich zu erleben.



Auch einfache Situationen können dabei wertvoll sein. Beim Wickeln, Baden, Spazierengehen oder Einkaufen können Eltern beschreiben, was gerade geschieht. Auf diese Weise hören Kinder immer wieder neue Wörter und Satzstrukturen und lernen, diese nach und nach selbst anzuwenden.

Lernen durch eigenes Ausprobieren
Bernd Hammel betont, dass Kinder Sprache nicht durch bloßes Nachsprechen lernen. Sie entwickeln ihre sprachlichen Fähigkeiten, indem sie Wörter und Sätze selbst ausprobieren, vergleichen und aus ihren Erfahrungen lernen. Fehler gehören dabei selbstverständlich zum Lernprozess.

Die grammatikalischen Regeln eignen sich Kinder nach seinen Angaben durch zahlreiche Gespräche mit ihrem Umfeld an. Sie lernen aus den sprachlichen Rückmeldungen, die sie im täglichen Miteinander erhalten.

Deshalb rät der Logopäde davon ab, Kinder zum Nachsprechen zu zwingen. Zwar wiederholen viele Kinder zwischen eineinhalb und vier Jahren freiwillig Wörter oder Sätze. Dies geschehe jedoch aus eigenem Antrieb und sei Teil ihrer natürlichen Sprachentwicklung.

Ermutigung statt Kritik
Statt auf direkte Korrekturen zu setzen, empfiehlt Bernd Hammel einen anderen Weg. Eltern könnten Äußerungen ihres Kindes aufgreifen und in ihrer Antwort die richtige Form verwenden. Dadurch höre das Kind die korrekte Ausdrucksweise, ohne auf Fehler hingewiesen oder kritisiert zu werden.

Nach Einschätzung des Experten kann direkte sprachliche Kritik Kinder verunsichern und die Freude am Sprechen beeinträchtigen. Freundliche und indirekte Korrekturen in einem natürlichen Gespräch stärken dagegen das Selbstvertrauen und fördern die Bereitschaft, Sprache weiterzuentwickeln. Auf diese Weise lernen Kinder in ihrem eigenen Tempo und sammeln gleichzeitig positive Erfahrungen im Umgang mit Sprache. (PM/bearbeitet durch Red)


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