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Nachricht vom 02.07.2026    

Dorf-Wettbewerb: Einwohner Ziegenhains feiern Goldmedaille fast bis Mitternacht

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Der überraschende Gewinn der Goldmedaille im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ war Anlass genug für Jubel, Trubel und Heiterkeit in der kleinen Ortsgemeinde Ziegenhain. Bis kurz vor Mitternacht dauerte die Sause, die von jetzt auf gleich auf die Beine gestellt worden war.

In Ziegenhain durfte zurecht über die Goldmedaille gejubelt werden. (Foto: Marcus Ahrend)

Ziegenhain. Während die Republik noch das schlechte Abschneiden der Fußball-Nationalmannschaft auf dem nordamerikanischen Kontinent verdaut und es für Feierlichkeiten null Anlass gibt, durften in Ziegenhain die Sektkorken knallen. Die kleine Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld mit rund 160 Einwohnern hatte beim Bundesentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ eine von acht vergebenen Goldmedaillen gewonnen. So wunderte es nicht, dass Ortsbürgermeister Nicolas Ahrend das am Mittwochabend (1. Juli) anberaumte Treffen, um die Ergebnisse aus Berlin zu erfahren, kurzerhand zu einer Sause für Sieger umfunktionierte. „Einige hatten Tränen der Freude in den Augen“, rekapitulierte der Chef der Kommune, als die freudige Botschaft gegen 18.30 Uhr die Runde machte. Bei Hamburgern und Getränken dauerte es doch ein Weilchen, bis die „Tragweite“ der Nachricht erkannt wurde. Was folgte, war eine generationsübergreifende Sause, „die Letzten gingen gegen Mitternacht nach Hause“, wusste Ahrend, der seit 2024 im Amt ist und zuvor schon zwei Legislaturen „normales“ Ratsmitglied und eine Wahlperiode Erster Beigeordneter war. „Kleine Dörfer können was Großes“, bilanzierte er das Resultat, das nicht unbedingt erwartet worden war. Dieser Erfolg habe sich über Generationen hinweg entwickelt, er sei nicht die Arbeit von Einzelnen, sondern „in jeder Beziehung von der Dorfgemeinschaft“ gewesen. Von dem Wettbewerbsmotto Ziegenhains „Unser Dorf ist ein Verein“ sei die Jury ganz bewegt gewesen.

15.000 Euro Preisgeld
Der Triumph macht sich auch in barer Münze bemerkbar. 15.000 Euro fließen in die kommunale Kasse, die, so Ahrend, wahrscheinlich zur Aufwertung der bereits vorhandenen Mehrgenerationenfläche im Dorf genutzt werden sollen. Vom Bau einer Boule-Bahn und dem eines Unterstandes, um vor den Unbillen des Westerwälder Wetters geschützt zu sein, ist die Rede. Aber, und das betonte Ahrend in aller Deutlichkeit: „Wir besprechen alles bei einem Bürgerabend.“ Der Ortsgemeinderat werde nicht allein bestimmen. Und noch einmal kam Ahrend auf den geschichtsträchtigen Moment mit dem ersten Platz zu sprechen: „Wir haben immer von Gold geträumt, wären aber auch mit Bronze zufrieden gewesen.“ Ziegenhain hatte bereits die Jury-Mitglieder auf Kreis- und Landesebene überzeugt.

„Nachahmenswerte Dorfgemeinschaft“
Zu dem sensationellen Erfolg gratulierte auch Fred Jüngerich, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld und auch für den Wettbewerb zuständiger Kreisbeigeordneter. Die Bürgerinnen und Bürger Ziegenhains hätten sich die Goldmedaille redlich verdient. „Ziegenhain überzeugt durch eine nachahmenswerte Dorfgemeinschaft, durch Liebe zum Detail und durch stetes Bestreben, das Ortsbild nachhaltig zu optimieren. Dies alles vor dem Hintergrund nachhaltigen Handelns, welches beispielsweise durch die Aufarbeitung alter Gebäudesubstanz sichtbar wird. Auf die Erschließung monoton daherkommender Neubaugebiete wurde bewusst verzichtet, und das zeigte nun Wirkung“, merkte Jüngerich an, „ich bin sehr stolz darauf, die Ortsgemeinde Ziegenhain als Schmuckstück in der Verbandsgemeinde Altenkirchen-Flammersfeld zu wissen und bedanke mich beim Ortsbürgermeister, den Ratsmitgliedern sowie allen Einwohnern für das überdurchschnittliche, ehrenamtliche Engagement.“

„Ein riesiger Erfolg“
„Ich gratuliere der Ortsgemeinde Ziegenhain und allen, die an diesem Erfolg Anteil haben, ganz herzlich. Und ich darf die Glückwünsche des Kreistages und der gesamten Verwaltung mit einschließen“, reihte sich Landrat Dr. Peter Enders in die Liste der Gratulanten sein. „Das ist ein riesiger Erfolg, der zeigt, was eine starke Dorfgemeinschaft auf die Beine stellen kann. Das Team um Ortsbürgermeister Nicolas Ahrend kann stolz darauf sein. Ich sehe darin auch ein starkes Zeichen für das Leben im ländlichen Raum. Natürlich haben urbane Zentren ihre Vorteile, aber Ziegenhains Erfolg bei ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ zeigt sehr deutlich, dass sich der ländliche Raum nicht verstecken muss.“



Rund 1200 Dörfer nahmen teil
Der Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ unter der Obhut des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat würdigt außergewöhnliches Engagement in Dörfern. Ausgezeichnet werden Initiativen, die mit Ideenreichtum, Tatkraft und Gemeinschaftssinn ihr Lebensumfeld aktiv gestalten und zukunftsfähig weiterentwickeln. Der Wettbewerb setzt gezielt Impulse, insbesondere für kleinere Dorfgemeinschaften, ihre Heimat aus eigener Kraft nachhaltig, attraktiv und lebenswert zu machen. Die aus rund 1200 Teilnehmerdörfern hervorgegangenen 26 Sieger der 13 Landeswettbewerbe wurden im Bundesentscheid erneut bewertet. Die acht Goldmedaillengewinner erhalten jeweils ein Preisgeld von 15.000 Euro. Darüber hinaus wurden 12 Dörfer mit Silber (10.000 Euro) und sechs Orte mit Bronze (5000 Euro) geehrt. Neben Ziegenhain standen auf der höchsten Stufe: Backemoor (Ortsteil der Gemeinde Rhauderfehn im Landkreis Leer/Ostfriesland), Darup (Ortsteil der Gemeinde Nottuln im Kreis Coesfeld), Dörgenhausen (Ortsteil der Stadt Hoyerswerda in der sächsischen Lausitz), Helberhausen (Stadtteil von Hilchenbach im Kreis Siegen-Wittgenstein), Oberkrumbach (Teil der Gemeinde Kirchensittenbach im Landkreis Nürnberger Land), Ruppendorf (Ortsteil der sächsischen Gemeinde Klingenberg im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) und Spora (Ortschaft der Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis/Sachsen-Anhalt). Die Siegerehrung des Dorfwettbewerbs findet am 22. Januar 2027 während der Grünen Woche im City Cube in Berlin im Rahmen eines großen Dorffestes statt. Am 2. Februar 2027 empfängt der Bundespräsident Delegationen aus den ausgezeichneten Dörfern und die Bundesbewertungskommission.

Die Geschichte des Wettbewerbs
Wikipedia erklärt die Geschichte des Wettbewerbs: „Der erste Wettbewerb auf Bundesebene fand im Jahr 1961 unter dem Namen ,Unser Dorf soll schöner werden’ statt, initiiert durch den damaligen Präsidenten der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822, Graf Lennart Bernadotte, mit dem Ziel, die Dörfer und Anwesen zu verschönern. In diesem Rahmen wurden vornehmlich die Orte mit Grün- und Blumenschmuck ausstaffiert sowie die dörfliche Infrastruktur verbessert. Die Gemeinden sollten dem Komfort in der Stadt nicht mehr nachstehen und somit eine Abwanderung in den urbanen Raum verhindern. Im Jahr 1998 erhielt der Wettbewerb vor dem Hintergrund der Konferenz von Rio und dem beschleunigten Strukturwandel im ländlichen Raum den Zusatz ,Unser Dorf hat Zukunft’. Ziel war die Unterstützung einer ganzheitlichen und nachhaltigen Entwicklung der Dörfer im Sinne einer umfassenden Zukunftssicherung, getragen von breitem Bürgerengagement. Dabei standen ihre vielfältigen Funktionen als Wohn- und Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen sowie als Wirtschafts-, Kultur- und Erholungsraum im Mittelpunkt. Die angepassten Bewertungskriterien lenkten den Fokus weg vom Verschönerungsaspekt hin zu grundsätzlichen und umfassenden Maßnahmen der Daseinsvorsorge und der Lebensqualität – auch vor dem Hintergrund demografischen Wandels. 2007 wurde der Wettbewerb in seinen heutigen Titel ,Unser Dorf hat Zukunft’ umbenannt. Seit 2016 ist er Teil des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung. Von Beginn an steht der Wettbewerb unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Die Teilnehmerdörfer der alten und neuen Bundesländer werden seit 1993 gemeinsam bewertet.“ (vh)


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