Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal - Landrätin Weigand fordert Entschuldigung
Vor fünf Jahren erlebte das Ahrtal eine verheerende Flut, die tiefe Spuren hinterließ. Cornelia Weigand, damals Bürgermeisterin und heute Landrätin des Kreises Ahrweiler, spricht über die Ereignisse und ihre Forderung nach einer Entschuldigung.
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe im Ahrtal sind die Auswirkungen für die Landrätin des Kreises Ahrweiler, Cornelia Weigand, noch immer spürbar. "Ich habe früher Gewitter unbeschwerter erlebt, als ich das heute tue", äußerte sich die 55-Jährige im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Die Flut von 2021 zerstörte Autos, Häuser und kostete Menschenleben. Auch Weigand verlor als damalige Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr ihr Zuhause in den Wassermassen. "An dem Abend auf dem Balkon vom Rathaus, wo ich dann teilweise noch mobil telefonieren konnte, musste ich Anrufern sagen: Es wird keine Hilfe geben. Und diese Leute und ihre Häuser sind weggeschwommen", berichtete Weigand sichtlich bewegt. Am folgenden Morgen sah sie die Zerstörung im Ort und half bei der Bergung der ersten Toten. "Diese Erlebnisse verändern einen."
In einem offenen Brief an die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-Ministerpräsidentin Malu Dreyer forderte Weigand dringend Unterstützung. "Wir brauchten Hilfe, und zwar sofort und in großen Mengen", erklärte sie. Aufgeben war für sie keine Option, denn viele Menschen hatten alles verloren. Der Wiederaufbau im Ahrtal ist auch nach fünf Jahren noch nicht abgeschlossen. "Es wäre schön, wenn alles schon fertig wäre", so Weigand, die selbst wieder im Ahrtal wohnt. "Hier wird mehr gebaut und mehr Geld verbaut als irgendwo anders in Deutschland."
Eine Entschuldigung der rheinland-pfälzischen Landesregierung blieb jedoch aus. "Eine Entschuldigung wäre ein wichtiges Signal, das sich viele Menschen hier im Tal wünschen", sagte Weigand. Dabei gehe es nicht um ein Schuldeingeständnis, sondern um die Anerkennung der Rolle des Landes in der Katastrophe. "Das bringt die Menschen, die wir verloren haben, nicht zurück, aber vielleicht kann es dabei helfen, Wunden zu heilen." (dpa/bearbeitet durch Red)
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