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Nachricht vom 02.08.2012    

Aus Kautex Textron wurden die Weberit-Werke Wissen

Die Tinte unter den letzten Verträgen trockneten in der Nacht nach zähem Verhandlungsmarathon. Aus dem einstigen Kautex-Werk wurden die Weberit Werke Dräbing GmbH. Das Familienunternehmen aus Oberlahr kaufte das Areal und der Vertragsabschluss wurde gefeiert. Geschäftsführerin Annette Dräbing freut sich auf Wissen.

Geschäftsführerin Annette Dräbing begrüßte die geladenen Gäste zur Eröffnung der Weberit Werke Wissen. Fotos: Helga Wienand-Schmidt

Wissen. Die Ära Kautex Textron in Wissen ist zu Ende. Die offizielle Firmenübergabe am Mittwoch, 1. August wurde entsprechend gefeiert. Die Firmenschilder sind montiert, die Weberit Werke Dräbing GmbH aus Oberlahr kaufte das Werk am Siegbogen.
„Heute ist ein Tag der Freude, sie alle sind Paten für das neue Firmenbaby“, sagte Geschäftsführerin Annete Dräbing zu den geladenen Gästen. Sie berichtete vom Verhandlungsmarathon, der bis spät in die Nacht gedauert hatte. Nun sei es geschafft und das einstige Familienunternehmen erlebe nun die zweite Eröffnung. 1965 hatte Reinhold Hagen das Unternehmen gegründet und am Standort gebaut. 1997 ging das Werk in die Hände des amerikanischen Multis Textron über und hieß fortan auch Kautex Textron. Der amerikanische Mulit verkündete dann auch die Schließung des Werkes.
Annette Dräbing ging auf die Mitarbeitersituation ein, denn nicht alle einstigen 170 Mitarbeiter konnten übernommen werden. Das Team mit Werkleiter Markus Braun sei etwas Besonderes, und die übernommenen Mitarbeiter müssten jetzt Pionierarbeit leisten bevor neue Leute eingestellt werden könnten.

Geschäftsführender Gesellschafter Norbert Dräbing ging im Grußwort ebenfalls auf die Top-Mannschaft in Wissen ein und stellte Markus Braun als Betriebsleiter für die Weberit Werke Wissen vor.
„Die Zeichen stehen auf Expansion, in Oberlahr war kein Platz für einen Erweiterungsbau, die Verhandlungen haben zwar lange gedauert, aber wir sind am Ziel“, sagte Dräbing. In Wissen sei eine Top-Mannschaft und gute Maschinen vorhanden, als Unternehmer schaffe man die Rahmenbedingungen, der Erfolg liege in den Händen der Mitarbeiter, so Dräbing im Schlusswort.

Markus Braun, seit 1999 Kautex-Werkleiter stellte die Frage, die seit 2010 alle bewegt, nicht nur die Mitarbeiter. „Warum wird so ein Werk geschlossen?
Er skizzierte die Geschichte, die immer wieder auch in der weltweiten Textron-Gruppe für Furore sorgte. So erhielt das Kautex-Werk Wissen mehrere hohe Auszeichnungen, darunter den „Ludwig-Erhard-Preis“, Innovationspreise und vieles mehr. Beim Thema Arbeitssicherheit war man weltweit führend, die erste „Denkfabrik“ entstand in Wissen und das Thema soziales Engagement und Umweltschutz kam nie zu kurz. Die Auftragsbücher waren voll und das Werk schrieb schwarze Zahlen. Für Braun, dessen Gedanken auch dem Team galten das den Arbeitsplatz verloren hat, ist es ein Neuanfang.

Einer der großen Anteil am Zustandekommen der neuen Firmengeschichte hat, ist Heinz Kolz vom Mainzer Wirtschaftsministerium. Als man in Mainz im Jahr 2010 von der Werkschließung erfahre habe, stand der Verkauf nicht zur Diskussion. Kolz erinnerte daran und an die zähen Verhandlungen, die dann den Wendepunkt brachten.
„Familiengeführte Unternehmen sind die Zukunft“ so Kolz der auch den Kontakt zur Teetronic in der Nähe von Bad Kreuznach herstellte, wo die Weberit-Werke in Sachen Projektmanagement und Konstruktion das Werk im Mai kauften. Kolz wünschte eine gute Zukunft und will zum fünften Firmengeburtstag erneut nach Wissen kommen.

Bürgermeister Michael Wagener sprach von einem schönen Tag für Wissen und die Region. „Wir sind sehr dankbar für das Vertrauen an den Standort Wissen“, so Wagener. Es hätte so nicht zu Ende gehen müssen, der Verlust der Arbeitsplätze sei schmerzlich aber man müsse nun nach vorne schauen, führte Wagener aus. Er erinnerte daran, dass er selbst als Student bei der Kautex gearbeitet hatte, an den Großbrand im Dezember 1998 und an viele Ereignisse, die mit dem Kautex-Werk Wissen verbunden sind. Mit Benjamin Franklins Zitat: „Es gibt nichts Besseres, als in Wissen zu investieren“ sprach Wagener dem Unternehmen die Glückwünsche und ein Willkommen in Wissen aus.

Das Unternehmen, dessen Entwicklung und Produktpalette stellte der Leiter Forschung und Entwicklung, Bernd Romahn vor. Der Weg von der Produktion von Gummistiefeln über die modernen Zubehörteile für die Automobilindustrie bis hin zu den in der Entwicklung stehenden Endlosfasern zeigte: Stillstand ist bei der Weberit-Gruppe unbekannt. Im Anschluss ging es zur Enthüllung des großen Firmenschildes und zur Werksbesichtigung. (hws)


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