Buchtipp: "Eiskalt - Wenn Kinder morden" von Carsten Schütte
Von Helmi Tischler-Venter
Carsten Schütte hat in 43 Dienstjahren viele Seiten der Polizeiarbeit in mehreren Bundesländern und im Westerwald kennengelernt, bis er schließlich beim Bundeskriminalamt zum polizeilichen Fallanalytiker ausgebildet wurde. Der vorliegende Kriminalroman ist zwar eine fiktive Geschichte, die jedoch durch wahre Gegebenheiten inspiriert wurde. Keine leichte Kost, aber extrem spannend.
Hannover. Die Ausgangslage fordert alle Polizeikräfte gleichzeitig, denn die Polizei wird vom Hausmeister der Kooperativen Gesamtschule Bargenstadt alarmiert, der eine schrecklich zugerichtete Person gefesselt auf einer Tischtennisplatte entdeckt. Zeitgleich kollidiert auf der B 442 ein mit vier jungen Leuten besetzter Clio mit einem großen Traktor und ein Golf-Fahrer knallt vor Schreck gegen einen Baum. Fünf Tote sind zu beklagen. Zudem muss sich ein Polizeiteam um Falschparker auf dem Wochenmarkt kümmern.
Das schwerstverletzte junge Mädchen wird von der Tischtennisplatte befreit und sofort im Kreiskrankenhaus Bargenstedt behandelt, leider erfolglos. Nur anhand eines Goldkettchens mit den Initialen „KM“ gelingt der Kriminalpolizei die Identifikation der Toten als Kim Meininger. Die Mordkommission sichert eine abgebrochene Messerklinge und blutverschmiertes Klebeband. Bei TikTok kursiert ein Video, das Kim in einer verfänglichen Situation mit ihrem jungen Klassenlehrer zeigt.
Carsten Schütte dröselt die Entwicklungsschritte der Täter auf, von Diebstählen und Erpressungen hin zu äußerst gewalttätigen Intensivtätern. Entsetzt fragt man sich, wie aus einem niedlichen kleinen Jungen ein kaltblütiges Monster werden konnte. Der Täter stammt aus sogenanntem gutem Haus, der Vater ist Polizist. Aber beruflicher Stress und finanzielle Überforderung führen dazu, dass die Eltern dem Sohn zu wenig Zeit und Aufmerksamkeit schenken. Er sucht sich seine Anerkennung durch die Ausübung von Gewalt, als Held goutiert durch schwächere Mitschüler, die gemeinsam ein Opfer terrorisieren.
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Außer Kim Meininger wird auch Hannes Oltendorf, musisch begabter Ärztesohn, als Opfer auserkoren. Er durchläuft einen langen Leidensweg.
Die Ermittlungen der Mordkommission laufen auf Hochtouren. Auf den Klassenlehrer beginnt eine Hetzjagd im Ort. Doch während sich der Lehrer in Untersuchungshaft befindet, wird eine junge Polizeikommissarin mit ihrer eigenen Dienstwaffe erschossen.
Als Videos auftauchen, die Hannes als Täter in beiden Mordfällen zeigen, ist für die Staatsanwältin alles klar. Doch der nach einem Attentat in Genesung befindliche Profiler Thorsten Büthe besteht auf einer Tatrekonstruktion, die erstaunliche Resultate bringt. Der wahre Täter wird festgestellt, doch alle Betroffenen sind erschüttert, dass er nicht zur Verantwortung gezogen wird, weil Kinder unter 14 Jahren nicht strafmündig sind.
Carsten Schütte schildert die Ereignisse sehr spannend aus Sicht der Schüler, Mobbingopfer, Eltern, Lehrer, Schulleitungen, Sozialarbeiter, Psychologen, Psychiater und der Polizei. Man will das Buch nicht aus der Hand legen, obwohl es nachdenklich und betroffen macht.
Das Taschenbuch ist erschienen bei CW Niemeyer, ISBN 978-3-8271-9319-3. htv
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