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Nachricht vom 06.08.2012    

Ückertseifen wurde erneut zum Mekka der Oldtimerfans

In Ückertseifen klang zum elften Mal das Tuckern und Knattern alter Fahrzeuge wie Musik in den Ohren. Das Oldtimertreffen im kleinen Dorf ist zur Tradition geworden. Am vergangenen regenfreien Samstag drohte der idyllisch gelegene Ort aus den "Nähten zu platzen". Ein exklusives Fahrzeugfeld mit Oldtimern, historischen und klassischen Motorrädern und Traktoren – alle betagt und in die Jahre gekommen, aber überaus rüstig – standen bestaunt von strahlenden Fans in Reih und Glied.

Klaus-Dieter Klein mit seinem neuen Prachtstück "Austin Seven Ruby de Luxe", Baujahr 1937. Fotos: Rolf-Dieter Rötzel

Ückertseifen. Die derzeitige Ückertseifener Einwohnerzahl von 75 wurde am Samstag, 4. August, um ein Vielfaches durch Besucher, die sich vom glänzenden Chrom, poliertem Blech und sattem Motorenklang magisch angezogen fühlten, überschritten. Sie sahen zum elften Mal einen interessanten Querschnitt durch Jahrzehnte Kraftfahrzeuggeschichte.
Die Palette reichte von toprestaurierten PKW’s über im alltäglichen Arbeitseinsatz verwendete Traktoren, Zweiräder bis hin zum Scheunenfund-Motorrad.

Jedes Fahrzeug strahlte seinen eigenen Charme aus und verzauberte. Mit fachkundigen Augen umkreist wurden die Raritäten durch Oldtimer-Freunde aus Nah und Fern. Die Besitzer hatten Geschichten und Legenden dazu parat. Es wurde über Freud und Leid, die der Eigentümer mit dem Wagen unzertrennlich verbindet, erzählt und neue Kontakte geknüpft.

Größtenteils kennt man sich untereinander und freut sich jedes Mal auf das Fachsimpeln beim neuen Treffen. "Benzingespräche" gehen bekanntlich nicht aus. Dabei werden auch Erinnerungen an die gute alte Zeit wachgerufen und man fühlt sich um einige Jahrzehnte – wo man auch noch jünger war – zurück versetzt und von den Schönheiten der Fahrzeuge fasziniert.
Über den gesamten Tag verteilte sich das Kommen, Gehen und Fahren. Von Weitem konnte man bereits teilweise das Rattern und Schnaufen der Fahrzeuge hören. Am Dorfplatz angekommen wurden sie begrüßt, mussten für ein Foto „stramm stehen“, um dieses nach kurzer Zeit in Empfang nehmen zu können. Die Bandbreite der Teilnehmer reichte von Speyer über Ahrweiler, Bad Ems, Mayen-Koblenz, Limburg bis in den Siegkreis, den Oberbergischen Kreis und natürlich den Heimatkreis Altenkirchen.

Oldtimertreffen seien ideale Gelegenheiten, die „alten Kisten“ einmal auszufahren und andere Interessierte an der eigenen Liebe zum Vehikel teilhaben zu lassen, merkte ein Besucher an. „An für sich sind unsere Oldtimer als Schön-Wetter-Fahrzeuge anzusehen. Ab und zu holen wir die Prachtstücke aus der Garage und gönnen ihnen somit den notwendigen Auslauf.“

„Viele kaufen einen Oldtimer, um daran herum zu schrauben, Ersatzteile zu beschaffen, zu lackieren. Nach Fertigstellung zeigt man das Gefährt und ist schon ein bisschen stolz auf das Geschaffene, so ein weiterer Oldtimerfreund. Man ist natürlich glücklich, wenn sich die Besucher dafür interessieren. „Gestellte Fragen können erschöpfend beantwortet werden.
Bei Oldtimer-Events kommt die jüngere Generation aus dem Staunen nicht heraus, wie man vor Jahrzehnten die Fahrzeuge teilweise mit einer simplen und einfachen mechanischen Technik zum Laufen bringen konnte, selbst reparierte oder auch positiv veränderte. Dabei wurde hin und wieder auch vom „Frisieren“ gesprochen; damit war jedoch nicht die Elvis-Locke gemeint. Fragen dazu beantworteten die Fachexperten genau so simpel und einfach.



Leichter Grace-Kelly-Hauch über Ückertseifen
Kult ist der VW-Käfer, weil kaum ein über 40-Jähriger nicht schon dieses Auto lenkte, sich über den kleinen Frontkofferraum ärgerte, oder mit lauer stinkender Heizung durch den Winter zuckelte. Bei Urlaubsfahrten zum Beispiel Anfang der sechziger Jahre holte Vater alles aus dem 34-PS-Motor heraus. Desto heißer der Motor wurde, desto schneller lief der Käfer. Die Legende lebt, dazu zählt insbesondere auch das Käfer-Cabriolet.

Blicke zieht überall die BMW-Isetta auf sich, Ende der fünfziger/Anfang der sechziger Jahre gebaut. In ihrer Glanzzeit trug das „Mach-Hoch-die-Tür-Auto“ auch die Beinamen „Knutschkugel“ oder „Jahrhundert-Ei“.
Im Blickfang standen weiter ein 17 PS starker Austin Seven „Ruby“ de Luxe aus dem Jahre 1937 und ein Peugeot Torpedo 5 CV, Baujahr 1927, 12 PS, als Cabriolet gebaut und später mit einem Holzaufbau versehen, aus der Sammlung von Klaus-Dieter Klein. Stattlich und kompakt ein Opel Olympia, Baujahr 1951, 39 PS, sowie ein Jaguar 1000, zwei Chervolet Corvette sowie weitere Augenweiden von DKW über Golf, Shirocco bis hin zum Mercedes 250 SE und 200, um einige Marken zu nennen.

Manfred Hassel aus Wissen war mit einem „echten“ Sunbeam Talbot, 80 PS, 2,3 Liter, Vierzylinder, aus dem Jahre 1955, von denen es in Deutschland nur noch drei Exemplare gibt, angereist. Ein solches Fahrzeug war im Kultfilm „Über den Dächern von Nizza“ mit Grace Kelly im Einsatz. „Man kann sich einem Oldtimer von einhundert Seiten nähern“, so seine Anmerkung.
Bereits 373.000 Kilometer hatte ein Ampficar (Schwimmauto) aus dem Jahre 1964 „im Rahmen“, davon 340.000 Kilometer vom jetzigen Eigentümer Peter Resch aus Windeck-Geilhausen.

Eine große Spannbreite boten die Motorräder mit ihren wohlklingenden Namen Adler, Triumph, Horex, NSU, BMW, MZ, Zündapp, Suzuki, Tornak, DKW bis zu den im Jahre 1923 gebauten Stock und BSA.
Holder, Deutz, Eicher, Güldner, Mc Cormick, Hanomag, John Deere, Lanz und Kramer führten die Traktorenpalette an. Weitere Stars waren Lanz-Bulldogs und ein im Jahre 1957 in Warschau gebauter Ursus C 45/1, dessen Eigentümer Michael Fuchs aus Windeck-Alzen ehrfürchtig von „meinem Trecker“ sprach.
Alle Besucher zeigten sich hoch zufrieden und sprachen von einem familiären Treffen, zu dem es lohne immer wieder hinzufahren. Diese Art und Weise Oldtimer zu zeigen findet man einfach super und zieht solche Treffs heutigen Massenveranstaltungen vor. Ein besonderes Kompliment wurde den Organisatoren Willi Krämer, Gerd Göller, Alfred Hammecke, Uwe Heyden, Klaus Dieter Klein, Andreas Knipp und Ernst Heyden zuteil. Deren besonderer Dank galt wiederum der unermüdlichen Helferschar, darunter auch die Ehefrauen der Organisatoren. (Rolf-Dieter Rötzel)


Lokales: Altenkirchen & Umgebung
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