Pressemitteilung vom 22.07.2026 
Gefäßchirurgie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling: Team stellt medizinische Fortschritte vor
Die Klinik für Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen feiert ihr zehnjähriges Bestehen. Das Team um Dr. Ahmed Koshty hat in dieser Zeit zahlreiche medizinische Fortschritte erzielt. Bei einem Arzt-Patienten-Seminar wurden die Errungenschaften und Herausforderungen des Fachbereichs vorgestellt.
Siegen. Die Klinik für Gefäßchirurgie am Diakonie Klinikum in Siegen genießt über die Grenzen von Nordrhein-Westfalen hinaus einen hervorragenden Ruf. Zu verdanken ist das dem Team um den Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie Dr. Ahmed Koshty, der vor zehn Jahren mit fünf weiteren Ärzten von der Uni-Klinik Gießen-Marburg ans Evangelische Jung-Stilling-Krankenhaus wechselte. Anlässlich des runden Geburtstages stellten die Mediziner in der vollbesetzten Krankenhaus-Cafeteria beim Arzt-Patienten-Seminar "Zehn Jahre endovaskuläre Gefäßchirurgie" die Expertise des Fachbereichs vor.
Erkrankungen der Blutgefäße zählen zu den häufigsten Ursachen für Schlaganfälle, Herzinfarkte und Amputationen. In Anbetracht des demografischen Wandels kommt der Gefäßchirurgie eine immer höhere Bedeutung zu. Denn die meisten Gefäßerkrankungen treten mit steigendem Lebensalter auf. Das Team um Dr. Ahmed Koshty, Chefarzt und Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie, ist in einer Dekade immer mehr gewachsen. Aufgrund der Spezialisierung der Ärzte und dem Einsatz innovativer Therapiemethoden wurde die Gefäßchirurgie auf ein stetig höheres Niveau gehoben: 2017 eröffnete am "Stilling" das Aortenzentrum Südwestfalen. Im gleichen Jahr ging an dem Standort der erste Hybrid-OP in Betrieb. Dieser erlaubt es, gleichzeitig zu operieren und zu diagnostizieren - und macht neben offenen Operationen vor allem schonende minimalinvasive Eingriffe möglich. Ein zweiter Hybrid-Saal wurde 2018 eingeweiht. Dank modernster High-Tech-Medizin und der fachlichen Expertise sind der Klinik für Gefäßchirurgie Weltpremieren gelungen: 2020 wurde einem Patienten mit einem Aorten-Aneurysma erstmals eine neuartige Spezialprothese implantiert. Das Besondere: Koshty hatte das Implantat mit entwickelt, das derart konzipiert ist, dass es bei fast allen Patienten passt. Eine weitere Weltpremiere gab es in diesem Jahr: Erstmals wurde bei einer Patientin mit einem Aneurysma der Bauchschlagader der hochmoderne Tianyi-Stent eingesetzt. Dieser kann während einer laufenden OP individuell an die Anatomie des Patienten angepasst werden, was Wartezeiten auf maßgefertigte Prothesen erspart.
Laut Koshty gilt die Aortenchirurgie als "Königsdisziplin" der Gefäßchirurgie, da die Hauptschlagader (Aorta) das zentrale Blutgefäß des Körpers ist. Eingriffe bei Aneurysmen - das sind krankhafte Gefäßaussackungen - sind aufgrund der lebenswichtigen umliegenden Organe wie Nieren, Magen, Darm und Leber besonders anspruchsvoll. Mit zunehmendem Durchmesser kann ein Aneurysma platzen, was zum Tode führen kann. In seinem Vortrag erläuterte der Chefarzt: "Das Bauchaortenaneurysma zählt zur häufigsten Form einer Gefäßaussackung. Reißt es, so zählt fürs Überleben jede Sekunde. Rechtzeitig erkannt und behandelt, können wir ein Aneurysma operativ stabilisieren.
Um zu erkennen, ob sich ein Aneurysma aber auch andere Gefäßerkrankungen im Körper befinden, stehen radiologische Methoden zur Verfügung. Diese stellte der Chefarzt der Radiologie am Diakonie Klinikum, Dr. Michael El-Sheik, vor. Für eine Bildgebung werden per Ultraschall die Blutströme in den Gefäßen sichtbar gemacht. Um Schnittbilder von Gefäßen zu erhalten, kommt die Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) zum Einsatz. Ein weiteres Verfahren ist die Katheterangiographie. Hier wird über die Leiste ein dünner Katheter in die Blutgefäße eingeführt und unter Röntgenkontrolle Kontrastmittel injiziert. El Sheik: "Mit dieser Technik erhalten wir präzise, hochauflösende Aufnahmen von Arealen der Blutgefäße."
Kommt es in den Gefäßen zu einer Verkalkung, so kann als Folge die periphere Verschlusskrankheit (PAVK) eintreten. Auch unter dem Begriff "Schaufensterkrankheit" bekannt, sind hier die Gefäße der Arme oder Beine betroffen. Typische Anzeichen sind krampfartige Schmerzen beim Gehen und schlecht heilende Wunden an den Extremitäten. Reichen konservative Therapiemaßnahmen wie Medikamente nicht aus, können minimalinvasive OP-Techniken Abhilfe schaffen. Dr. Michael Elzien, stellvertretender Chefarzt der Gefäßchirurgie, sagte: "Mit einer Rotationsfräse, die wir über die Leiste einführen, können wir schonend Kalk- und Fettablagerungen entfernen, um das Blut in den Gefäßen wieder normal fließen zu lassen."
Zu einer der häufigsten Gefäßerkrankungen zählen Krampfadern. Sie entstehen, wenn sich das Blut in den oberflächlichen Beinvenen staut. Von außen werden sie als erweiterte und unregelmäßig geschlängelte Venen sichtbar. Der Leitende Oberarzt Yasser Hasson sagte, dass es sich dabei häufig um ein rein kosmetisches Problem handelt, Betroffene aber auch unter Schmerzen leiden können. Hasson gab den Tipp: "Bewegung ist das Beste, was Sie bei Krampfadern tun können." Zu konservativen Therapiemaßnahmen zählen das Tragen von Kompressionsstrümpfen und Venengymnastik. Chirurgisch setzen Experten wie Hasson auf die Crossektomie. Über einen Schnitt an der Leiste oder in der Kniekehle wird dabei die erkrankte Vene mit einer Sonde entfernt. Alternativ kann eine Lasertherapie helfen. Hasson: "Die Vene wird auf diese Weise verschlossen und es sammelt sich kein Blut mehr in ihr an."
Abschließend ging es um die stille Gefahr der Halsschlagader. Dr. Alexander Kunold, Geschäftsführender Oberarzt der Gefäßchirurgie, sagte, dass die Halsschlagader nahezu die gesamte Kopf-Hals-Region mit Blut und Sauerstoff versorgt. Schreiten krankhafte Verengungen an der Gefäßwand fort, steigt das Risiko für einen Schlaganfall. Zu Alarmsignalen zählen Lähmungserscheinungen, Seh-, Sprach- und Wortfindungsstörungen. Die Therapie richtet sich nach dem Verengungsgrad. Eine chirurgische Maßnahme ist die sogenannte Ausschälplastik. Dr. Kunold: "Über einen kleinen Schnitt am Hals eröffnen wir dabei das Gefäß und lösen die Verkalkung heraus." Zudem eignet sich der operative Einsatz einer Gefäßstütze (Stent), um das Gefäß dauerhaft offen zu halten. (PM)
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