Pressemitteilung vom 31.07.2026 
Identitäten im Dialog: Selbsthilfegruppe als Anker für Menschen mit multipler Persönlichkeitsstörung
Katharina S. lebt mit einer multiplen Persönlichkeitsstörung, die ihren Alltag stark beeinflusst. Nun plant sie, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, um sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Unterstützung zu finden.
Siegen. Katharina S. (Name von der Redaktion geändert) ist 60 Jahre alt und leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung. In ihr wechseln sich verschiedene Identitäten ab - das Kind sucht den Teddybären, der Teenager zeigt Trotz, der Beschützer meidet Fremde. Diese unterschiedlichen Charaktere beeinflussen ihr Fühlen, Denken und Handeln. Mit Hilfe der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen möchte sie nun eine Selbsthilfegruppe ins Leben rufen, um Erfahrungen mit anderen Betroffenen zu teilen. "Es fällt mir schwer, meine Situation zu akzeptieren. Ich möchte erfahren, welche Wege andere Menschen einschlagen, um besser zurechtzukommen."
Bei dieser psychischen Erkrankung treten mehrere Identitäten in derselben Person auf, die unterschiedliche Verhaltensmuster zeigen. Betroffene haben oft Erinnerungslücken und fühlen sich vom eigenen Körper entfremdet. Die Ursachen liegen häufig in traumatischen Erlebnissen im Kindesalter, wie Missbrauch oder Vernachlässigung. "Sie haben unterschiedliche Charakterzüge und Fähigkeiten", beschreibt Katharina S. ihre Identitäten. "Es passiert, dass ich mehrmals täglich meine Kleidung wechsle oder bei zu langen Wartezeiten in Arztpraxen in eine andere Persönlichkeit verfalle."
Die Herausforderungen im Alltag sind groß. Ein Einkauf im Supermarkt kann zur Herausforderung werden, wenn das Kind in ihr agiert und sich nicht entscheiden kann, was es will. Spielsachen üben ebenfalls eine besondere Anziehungskraft aus. "In einem Geschäft habe ich mich mal im obersten Stockwerk aufgehalten, um mir die Bauklötze anzuschauen. Und plötzlich fragte ich mich, was ich denn hier suche, denn ich habe ja eigentlich Höhenangst." Solche Situationen führen oft zu Erinnerungslücken.
Katharina S. hat bereits mehrere Klinikaufenthalte hinter sich und möchte lernen, besser mit ihrer Situation umzugehen. Derzeit verlässt sie ihr Zuhause nur in Begleitung, da sie sich alleine unsicher fühlt. "Seit zwei Jahren gehe ich nicht mehr alleine raus. Es klappt einfach nicht. Ich bin ängstlich geworden." Eine Selbsthilfegruppe könnte ihr helfen, indem sie einen Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung bietet. Interessierte können sich bei der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie Soziale Dienste unter Telefon 0271 5003 131 oder per E-Mail an selbsthilfe@diakonie-sw.d melden. (PM/Red)
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