Pressemitteilung vom 04.08.2026 
Lernen trotz Krankheit: 20 Jahre Klinikschule an der DRK-Kinderklinik Siegen
Wenn der eigene Alltag von Behandlungen, Therapien wegen einer Krankheit bestimmt wird, kann so etwas Einfaches wie ein Schulalltag Halt und Normalität bringen. Seit 20 Jahren bietet die DRK-Kinderklinik Siegen Kindern und Jugendlichen dieses Stückchen Normalität - dabei liegt der Fokus auf den individuellen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen.
Siegen. Wenn Kinder oder Jugendliche schwer erkranken, gerät ihr Alltag aus dem Gleichgewicht. Schule, Freundschaften und bekannte Strukturen treten in den Hintergrund, während medizinische Behandlungen und Therapien den Tagesablauf bestimmen. Ein längerer Krankenhausaufenthalt bedeutet für viele junge Patienten daher nicht nur eine gesundheitliche Belastung, sondern auch die Sorge, den Anschluss an die Schule zu verlieren. Genau hier setzt die Klinikschule an der DRK-Kinderklinik Siegen an - seit nunmehr 20 Jahren.
Schule bedeutet Normalität und Verlässlichkeit
Seit ihrer Gründung im August 2006 folgt die Klinikschule dem Grundgedanken, dass auch eine Erkrankung das Recht auf Bildung nicht aufhebt. Was auf den ersten Blick selbstverständlich klingt, erweist sich im Klinikalltag als anspruchsvolle Aufgabe. Denn Lernen im Krankenhaus folgt anderen Regeln als in einer Regelschule. Konzentration, Belastbarkeit und Tagesform schwanken, medizinische Behandlungen haben Vorrang. Und dennoch ist Schule für viele Kinder ein Stück Normalität. "Unterricht bedeutet für unsere Schüler Struktur, Orientierung und ein Gefühl von Alltag", sagt Annette Ott. Sie hat seit zehn Jahren das Amt der Schulleitung inne. "Gerade in einer Phase, in der so vieles fremdbestimmt ist, kann Lernen etwas Verlässliches sein."
Die Klinikschule richtet sich an schulpflichtige Kinder und Jugendliche, die aufgrund einer Erkrankung längerfristig in der DRK-Kinderklinik Siegen behandelt werden. Voraussetzung für eine Beschulung ist in der Regel ein Aufenthalt von mehr als vier Wochen. Unterricht erhalten sowohl stationäre Patienten als auch Kinder und Jugendliche, die im Rahmen der teilstationären Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie betreut werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf der Kinderinsel, einer stationären Intensivstation mit Wohncharakter für dauerhaft beatmete Kinder und Jugendliche. Kinder und Jugendliche mit schwersten gesundheitlichen Einschränkungen erhalten dort einen speziell zugeschnittenen Förderunterricht - oft über einen langen Zeitraum hinweg. "Das sind Kinder, deren Lebensrealität sich grundlegend von den anderen Schülern unterscheidet", sagt Annette Ott. "Gerade hier zeigt sich, wie wichtig es ist, Bildung individuell zu denken und neue Wege zu gehen."
Unterricht auf die Kinder und Jugendlichen abgestimmt
Der Unterricht findet dort statt, wo er möglich und sinnvoll ist. In den Schulräumen auf dem Wellersberg lernen die Kinder in kleinen jahrgangsübergreifenden Gruppen. Je nach Situation wird intensivpädagogisch im Einzelunterricht oder - wenn es der Gesundheitszustand erfordert - direkt am Krankenbett unterrichtet. "Manchmal ist schon ein kurzes Gespräch über ein Buch oder eine Rechenaufgabe ein wichtiger Schritt", erklärt Annette Ott. "Wir orientieren uns immer an dem, was das Kind in diesem Moment leisten kann." Dabei wird sich eng mit der Heimatschule des Patienten abgestimmt, aber auch der aktuelle Wissensstand des Kindes berücksichtigt, um es nicht zu über- oder unterfordern. Daneben werden mit der Heimatschule Materialien ausgetauscht und Übergänge vorbereitet. Ziel ist es, den Anschluss an den regulären Schulbetrieb so weit wie möglich zu erhalten. "Wir sehen uns als Bindeglied", so Annette Ott. "Unsere Aufgabe ist es, schulische Brüche zu vermeiden und Perspektiven offen zu halten."
Stellenanzeigen | WesterwaldJobs
⇒ Mehr Westerwald Jobs entdecken | ⇒ Stellenanzeige schalten
Seit August 2006 wurde die Klinikschule an der DRK-Kinderklinik Siegen kontinuierlich aufgebaut und erweitert. Heute unterrichteten sechs Lehrkräfte rund 150 Kinder und Jugendliche pro Jahr. Zum festen Team gehören ebenso eine Alltagshelferin, eine Sekretärin sowie Praktikanten. Nach wie vor zeichnet sich die Einrichtung durch kleine Lerngruppen und eine intensive Betreuung aus. Bis zu sechs Schüler werden von einer Lehrkraft begleitet, unterstützt durch eine räumliche Struktur, die flexibles Arbeiten ermöglicht. Und: Von Beginn an war die Klinikschule eng in den Klinikalltag eingebunden. Lehrkräfte arbeiten interdisziplinär mit Ärzten, Therapeuten sowie dem Pflegepersonal zusammen. Gemeinsam wird entschieden, wann Unterricht möglich ist und in welcher Form. Schule ist damit Teil eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes. "Lernen kann den Heilungsprozess unterstützen", erklärt Annette Ott. "Es stärkt den Selbstwert und vermittelt das Gefühl, trotz Krankheit handlungsfähig zu bleiben."
Um den Unterricht abwechslungsreich und lebensnah zu gestalten, beschränkt sich das Lernangebot nicht nur auf klassische Unterrichtsformen. Projektwochen, kreative Arbeiten und kleinere Exkursionen im Umfeld der Klinik gehören seit vielen Jahren zum pädagogischen Konzept. Themen wie der Karneval, die Geschichte der Stadt Siegen, MoBIS oder Naturerkundungen mit einem Ranger stehen regelmäßig auf dem Stundenplan. Diese Projekte ermöglichen es den Kindern, sich aktiv einzubringen und ihre Fähigkeiten zu entdecken - unabhängig von ihrer Erkrankung. (PM)
Mehr dazu:
Gesundheitsversorgung
Kinder & Jugend
Feedback: Hinweise an die Redaktion


























