Stück für Stück ins Museum: Abbau des 270 Jahre alten Fachwerkhauses in Scheuerfeld hat begonnen
Von Eva Maria Hammer
Für ein Ehepaar aus Gebhardshain geht eine fast zwei Jahrzehnte lange Geduldsprobe zu Ende: Ihr historisches Fachwerk-Juwel aus Scheuerfeld wird gerettet. In diesen Tagen haben die aufwendigen Abbauarbeiten begonnen, damit es anschließend im LVR-Freilichtmuseum Lindlar wieder aufgebaut werden kann.
Scheuerfeld. An der Scheuerfelder Hauptstraße haben in dieser Woche die Handwerker das Kommando übernommen. Das rund 270 Jahre alte Fachwerk-Quereinhaus, für das jahrelang nach einer Perspektive gesucht wurde, wird kontrolliert demontiert. Über die lange Suche nach einer Zukunft für das historische Gebäude hatte der AK-Kurier bereits berichtet. Nach der Schenkung an das LVR-Freilichtmuseum Lindlar in Nordrhein-Westfalen wird das Baudenkmal nun in seine Einzelteile zerlegt.
Dabei arbeitet das Team der Zimmerei Jan Piduch aus Much eng mit den Museumsexperten zusammen. Die Logistik ist straff organisiert: Gegenüber der Baustelle wurde ein leerstehendes Geschäftslokal angemietet, wo jedes Bauteil akribisch dokumentiert wird.
Große Erleichterung nach jahrelanger Hängepartie
Für die Eigentümer Bettina Petinopoulos und Markus Schuster aus Gebhardshain endet damit eine nervenaufreibende Zeit. Über 17 Jahre hatten sie versucht, das historische Gebäude in Scheuerfeld zu vermitteln und vor dem Verfall zu retten - lange Zeit ohne Erfolg. Mit dem jetzigen Start des Abbaus fällt die Last der vergangenen Jahre ab. Vor allem die ständigen Sorgen wegen möglicherweise herabstürzender Dachschiefer und der damit einhergehenden Gefahr gehören nun der Vergangenheit an. "Uns fällt jetzt ein riesiger Stein vom Herzen", sagt Bettina Petinopoulos sichtlich erleichtert. "Es ist einfach gut zu wissen, dass unser altes Haus in Hände kommt, die es schätzen und für die Zukunft retten."
Der Abschied vor Ort fällt den beiden leichter als gedacht, auch wenn beim Fortschritt der Arbeiten verständlicherweise Wehmut mitschwingt. "Es macht Spaß, zuzuschauen", erzählt Petinopoulos. "Noch steht das Haus, aber wenn die ersten großen Teile weg sind, wird es sicher noch einmal emotional. Aber wir freuen uns über den neuen Standort." Als persönliche Erinnerung haben die beiden ein paar liebgewonnene Dinge aus dem Haus behalten. Ist der Rückbau abgeschlossen, soll das Grundstück in Scheuerfeld verkauft werden.
Aufwendige Sicherung des Fachwerk-Juwels
Das Gebäude, ein typisches Westerwälder Quereinhaus, ist für das Freilichtmuseum ein echter Glücksfall. Bei diesem Haustyp sind Wohnräume, Stall und Scheune unter einem Dach aneinandergereiht. Besonders die zum Teil kunstvoll gearbeitete Fachwerkstruktur macht den Bau so wertvoll. Um die originale Substanz beim Umzug - der sogenannten Translozierung - nicht zu beschädigen, müssen die Handwerker extrem vorsichtig vorgehen. Bevor ein Balken bewegt wird, sichert das Team die Konstruktion entsprechend ab.
Der Rückbau wird fachlich vom Restaurator Michael Hanisch begleitet. Selbst kleinste Fragmente werden gesichert, während die alten Holzbalken vorsichtig geborgen werden. Die Kosten für das gesamte Projekt liegen im sechsstelligen Bereich und werden maßgeblich von einem Förderverein getragen.
Dreijahresplan für den Wiederaufbau
Bis Besucher das Fachwerkhaus im Museumsdorf Lindlar besichtigen können, wird es voraussichtlich drei Jahre dauern. Für Markus Schuster ist der Start der Arbeiten das Ende einer echten Geduldsprobe. "Man braucht einen extrem langen Atem und darf sich von bürokratischen Hürden nicht entmutigen lassen", betont er rückblickend. Der Denkmalschutz sei zwar wichtig, könne Eigentümer mit seinen strengen Auflagen aber mürbe machen.
Dass das Haus nun nicht als Bauschutt endet, sondern im Museum einen neuen Standort findet, macht das Paar aus Gebhardshain glücklich. Für beide steht fest: Wenn das Fachwerk-Juwel in Lindlar fertig aufgebaut ist, werden sie zu den ersten Besuchern gehören.
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