Pressemitteilung vom 11.09.2026 
Neues Schutzhaus in Koblenz bietet Zuflucht für gefährdete Mädchen
Ein neues Schutzhaus im Raum Koblenz bietet acht gefährdeten Mädchen einen sicheren Rückzugsort. Die Einrichtung wurde Anfang September eröffnet und ist bereits teilweise belegt.
Koblenz. An den weißen Zimmertüren des neuen Schutzhauses hängt jeweils das Bild einer Pflanze, wie die Birke, die für Leichtigkeit und Neubeginn steht. Dahinter befinden sich helle Zimmer mit Bett, Schreibtisch und Sessel. Auf den Schreibtischen stehen kleine Tüten mit Shampoo und Zahnbürste bereit - Notwendigkeiten für Mädchen, die fast alles hinter sich gelassen haben. Das Schutzhaus wird vom Verein Solwodi betrieben, der für "Solidarity with Women in Distress" (Solidarität mit Frauen in Not) steht. Seit der Eröffnung am 1. September sind drei der acht Plätze belegt.
"Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist kein Randphänomen", sagt die Gesamtleiterin des Solwodi-Standorts in Koblenz. Um die Sicherheit zu gewährleisten, bleiben sie und ihre Kolleginnen anonym. "Der anonyme Schutzort ist entscheidend, weil die Bekanntgabe des Aufenthaltsorts meist zu einer erneuten Gefährdung führt."
Das Haus richtet sich an Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren, die besonderen Schutz benötigen. Ein Schwerpunkt liegt auf Mädchen mit Migrationshintergrund, die von Menschenhandel, sexueller Ausbeutung oder drohender Zwangsverheiratung betroffen sind. Der Weg ins Schutzhaus erfolgt über das Jugendamt, das auch die Plätze finanziert. Manche Mädchen wenden sich selbst an Polizei oder Jugendamt, andere werden bei Einsätzen aus Netzwerken befreit.
"Wir nehmen bewusst keine Mädchen aus der Region über das Jugendamt Koblenz auf", erklärt die 55-jährige Hausleiterin. "Es geht darum, Anonymität und Abstand zu schaffen." Vor der Aufnahme wird geprüft, ob ein Mädchen überwacht oder geortet werden kann.
Die Mädchen dürfen ihre Handys behalten, gehen zur Schule und gestalten ihre Freizeit. Es gibt jedoch Regeln zum Schutz des Hauses: In sozialen Medien darf nicht erkennbar sein, wo sie sich aufhalten. Besuch ist nicht erlaubt, und in der Schule dürfen sie nicht fotografiert werden. Die Nachbarn sind informiert.
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Nach der Ankunft eines Mädchens geht es um Stabilisierung. Die Mitarbeiterinnen klären, ob ärztliche oder therapeutische Versorgung notwendig ist. "Die Mädchen dürfen bei uns erst einmal ankommen. Sie haben alle ihre eigene, oft traumatische Geschichte", sagt die Hausleitung. "In den ersten Wochen geht es darum, dass sie Ruhe und Frieden finden."
Das Haus soll den Jugendlichen helfen, zunehmend selbstständig zu werden. Sie erhalten Taschengeld sowie Wirtschafts- und Bekleidungsgeld. Eine Hauswirtschafterin unterstützt sie beim Umgang mit Geld und Haushaltstätigkeiten. Jede Bewohnerin hat im Keller einen eigenen Kühlschrank für die Selbstversorgung.
Es gibt viele Anfragen nach Schutzplätzen. In den kommenden Wochen sollen zwei bis drei weitere Mädchen einziehen. "Wir können keine Warteliste erstellen, weil es immer um Notfälle geht", sagt die Gesamtleiterin. "Man kann einem akut bedrohten Mädchen nicht sagen: Bleib noch ein halbes Jahr, bis ein Platz frei wird."
Das Angebot an Schutzplätzen in Rheinland-Pfalz soll ausgebaut werden. Derzeit gibt es 19 Frauenhäuser mit 142 Familienplätzen. Ein weiteres Haus entsteht in Neuwied, und bis 2032 sind zwei weitere geplant. 2025 fanden 505 Frauen und 509 Kinder Zuflucht in rheinland-pfälzischen Frauenhäusern. Das Land sieht weiterhin Bedarf, besonders bei der regionalen Abdeckung und dem Übergang in sicheren Wohnraum. (dpa/KI/bearbeitet durch Red)
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