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Nachricht vom 21.10.2012    

"Geschichtsstunde par excellence" für BGV-Mitglieder

Im Rahmen ihrer 25. Informationsfahrt besuchten die Mitglieder des Betzdorfer Geschichte e.V. kürzlich die Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar, wo die Gruppe einer Führung durch die ehemalige Tötungsanlage der Nazis beiwohnte und ein Bild vom Ablauf der damaligen Taten gewann.

Eine Gruppe von Mitgliedern des Betzdorfer Geschichte e.V. besuchte kürzlich die Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar, wo auch die Gedenkglocke der Anstalt (Foto) in Augenschein genommen wurde. (Fotos: pr)

Betzdorf/Hadamar. Die 25. Informationsfahrt des Betzdorfer Geschichte e.V. führte jüngst zur Euthanasie-Gedenkstätte in Hadamar. Nach einstündiger Busfahrt erhielt die Gruppe eine fundierte Führung durch die ehemalige Tötungsanlage der Nazis, die deren Existenz seinerzeit lange geheim halten konnten. Unter dem Deckmantel einer Heilanstalt wurden hier ab 1940 geistig behinderte und psychisch kranke Menschen systematisch ermordet. Die Teilnehmer der Informationsfahrt erhielten detaillierte Einblicke in die Organisation und den Ablauf der Taten.

In der angeschlossenen Ausstellung wird der Opfer gedacht, es werden aber auch die Täter genannt. Sehr informativ und sehr anschaulich sind die erläuternden Tafeln. So konnte man erfahren, dass das Kriterium, ob jemand am Leben blieb, die Arbeitsfähigkeit war. Kam man unter Beobachtung, so bedeutete dies die Einweisung in eine Heil- oder Pflegeanstalt. Die Beurteilung Behandlung war dagegen gleichzusetzen mit dem Tod.

Die Besucher konnten auch den Tötungsraum in Augenschein nehmen: Ein gefliester Raum, in den bis zu 60 Kranke auf engsten Raum gedrängt wurden, um unter dem Vorwand einer Dusche einströmendem Kohlenmonoxid ausgesetzt zu werden. Die meisten Leichen schaffte man dann in Massengräber auf dem nahegelegenen Friedhof, doch gab es im Keller der Anstalt auch zwei Krematoriumöfen, deren Rauch man damals gelegentlich über dem Ort sehen (und riechen) konnte. In den sechs derartigen Einrichtungen im deutschen Reich fanden so etwa 400.000 Menschen den Tod, circa 15.000 davon starben in Hadamar.
Aus Betzdorf selbst sind zwei Fälle bekannt, in denen Personen nach Hadamar eingewiesen worden waren, wo sich dann ihre Spur verlor (nachzulesen im Band 4 der BGV-Schriftenreihe „Betzdorfer Geschichte(n)“).




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Tief berührt nahmen die BGV-Mitglieder und -Gäste diese Vielzahl an Informationen auf. Die Verarbeitung der Eindrücke wird sicherlich einige Zeit dauern und es war für alle schlicht unfassbar, was Menschen seinerzeit anderen Menschen angetan haben. Der Dank, den BGV-Geschäftsführer Gerd Bäumer im Namen der Teilnehmer aussprach, galt der Konzeption der Gedenkstätte, der exzellenten Führung durch die Anlage und den vielen ehrenamtlichen Helfern mit ihren profunden Kenntnissen.
Sehr nachdenklich und bedrückt trat die Reisegruppe am frühen Abend wieder den Heimweg nach Betzdorf an, im Bewusstsein, ein weiteres Kapitel unserer Heimatgeschichte gesehen zu haben. Hinzu kommt der feste Wille, dazu beizutragen, die geschehenen Dinge nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.


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