Werbung

Nachricht vom 09.11.2012    

Traditionelle Gedenkfeier am Synagogenplatz in Hamm

Auch in diesem Jahr zog es am Freitagabend anlässlich der Gedenkfeier für die in der Reichspogromnacht in Hamm getöteten 26 Mitbürger jüdischen Glaubens eine Vielzahl von Menschen auf den Synagogenplatz in Hamm. Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem die Fotoausstellung mit Impressionen zum jüdischen Friedhof eröffnet.

26 Kerzen brannten am Freitagabend auf dem Synagogenplatz in Hamm für die in der Reichspogromnacht getöteten Bürgerinnen und Bürger. (Fotos: Bianca Klüser)

Hamm/Sieg. 26 Kerzen brannten am Freitagabend auf dem Synagogenplatz in Hamm, um an die 26 Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens zu erinnern, die in der Reichspogromnacht den Tod fanden. Über den Kerzen schwebten zwei Dreiecke, eines aus Buche, eines aus Birken, die gemeinsam den Davidstern bildeten und sogleich an die Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau und Buchenwald erinnern sollten.
Auch in diesem Jahr wurde traditionell der in der Reichpogromnacht getöteten Mitbürgerinnen und Mitbürger gedacht. Aus diesem Anlass fand sich am Freitagabend eine Vielzahl von Menschen auf dem Synagogenplatz in Hamm zusammen, um der Gedenkfeier im Kulturhaus beizuwohnen.

„Wir sind hier, um uns zu erinnern“, so Pfarrer Daniel Walde zu Beginn der Gedenkfeier und verwies auf das vor über 70 Jahren begangene Verbrechen der Reichspogromnacht. Der Mensch müsse sein Gewissen schulen, um zu verhindern, dass das alte Unheil nicht aufs Neue seinen Lauf nehme. In diesem Zusammenhang verwies er auf die Geschichte von Kain und Abel, in der der Brudermord als Auflehnung gegen die willkürliche Verteilung von Lebenschancen sei. Eine ähnliche Situation habe auch in der Zeit der Nationalsozialisten die Bewegung ausgemacht. Gewissen solle Orientierung zum rechten Handeln geben. „Handelst du recht, steht die Sünde vor der Tür“, so Pfarrer Daniel Walde weiter. Gott trete an die Stelle des Opfers und gebe diesem seine Stimme, doch „auch der Mörder steht unter dem Schutz Gottes“, so Walde, „Gott hält über das Verbrechen hinweg an ihm fest.“ Jeder einzelne sei ein wenig wie Kain, etwa wenn er oder sie verstrickt ist in ein System, das tödliche Ungleichheiten hervorbringe.
Im Anschluss daran leitete Pfarrer Bruno Nebel ein zum Gebet für die Juden aus der Synagogengemeinde, ebenso wie für jene, die sich nicht getraut haben, ihre Stimme gegen das Verbrechen zu erheben und dafür, dass Gott einen jeden auf seinem Weg begleite.
Es folgte die Verlesung der Namen der in der Reichspogromnacht 26 getöteten Menschen durch Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen.
Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt von Antonia Vangelista am Klavier sowie Leonie Vangelista und Saskia Stricker mit ihren Querflöten, die alle Schülerinnen der Kreismusikschule Altenkirchen sind.



Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem durch Initiator Volker Niederhöfer die Fotoausstellung mit Impressionen zum jüdischen Friedhof eröffnet, die im Anschluss an die Gedenkfeier besichtigt werden konnte.
„Jeder ist erst dann tot, wenn keiner mehr an ihn denkt“, so Volker Niederhöfer. Solange jemand an die 26 getöteten Menschen denke, gebe ihnen das eine gewisse Lebendigkeit. Er beschrieb sie nicht als Juden, sondern als „26 Hammer Bürger, deutsche Bürger jüdischen Glaubens“.
Die Impressionen vom jüdischen Friedhof seien der Versuch sich dem versteckten Ort auf ästhetische Art und Weise zu nähern. Die Ausstellung zeigt die Werke von Christel Bock, Charlene Hundhausen, Petra Moser, Volker Niederhöfer und Anette Röcher. (bk)


Lokales: Hamm & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

AK-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Alle Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       
   



Aktuelle Artikel aus Region


Letzte-Hilfe-Kurse: Begleitung am Lebensende lernen

Erste-Hilfe-Kurse sind weit verbreitet, doch Letzte-Hilfe-Kurse bieten wertvolle Unterstützung für Angehörige ...

Rettungshubschrauber im Einsatz: Schwerer Pedelec-Unfall zwischen Malberg und Steinebach

Am Samstagabend (3. Oktober) ereignete sich auf der K122 zwischen Malberg und Steinebach ein schwerer ...

Neuzugang im Zoo Neuwied: Ein Roter Panda zieht ein

Der Zoo Neuwied bietet in den Herbstferien wieder zahlreiche Attraktionen für große und kleine Besucher. ...

Erfolgreiche Neugestaltung: So wurde der Urbacher Herbstmarkt zum Besuchermagneten

"Tradition trifft Moderne" lautete das griffige Motto, das das Organisationsteam konsequent umsetzte ...

Altenkirchener Stadthalle: „Ljodahått“ geben Einblick in die norwegische Lyrik-Seele

Norwegische Gedichte kommen – zumindest wenn sie vertont sind und gesungen werden – vielfach düster und ...

Windeck-Au: Infoveranstaltung zu gesunder Ernährung am 10. Oktober

ANZEIGE | Das Westerwaldteam lädt für Samstag, den 10. Oktober 2026, zu einer Infoveranstaltung rund ...

Weitere Artikel


SPD diskutierte zur Zukunft des Euro

Hans-Theo Macke, Vorstandsmitglied der Deutschen Zenral-Genossenschaftsbank (DZG) kam zum Vortrag und ...

Betreuungsgeld – Der Bundestag hat zugestimmt

Obwohl sich im Vorfeld viele Politiker auch aus der Regierungskoalition teils sehr deutlich gegen das ...

Betzdorf: Gedenken gegen das Vergessen

Der Volksmund sagt: „Die Zeit heilt alle Wunden“. Das mag auf äußerliche Wunden zutreffen, doch es gibt ...

Pünktlichkeitsproblematik auf Siegstrecke

„Pünktlichkeit bleibt Problem auf der Siegstrecke“ – so die Erkenntnis von MdB Sabine Bätzing-Lichtenthäler ...

marienthaler forum: Amerika und Frankreich im Fokus

Wo liegen die Herausforderungen für Deutschland und Europa nach den Wahlen in den USA und Frankreich? ...

Heimatmuseum zeigt Schülerarbeit

Die Ausstellung "Juden an der Sieg" zeigt an den Novembersonntagen das Kirchener Heimatmuseum. Die ...

Werbung