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Nachricht vom 13.11.2012    

Wirtschaftstag der VR-Banken: Über die Zukunft der Marktwirtschaft

Eine hochkarätig besetzte Rednerliste, spannende Themen der Zeit, rund 2.500 Unternehmer aus der Republik: Das ist der Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken. Auf Einladung der Westerwald Bank fuhren auch in diesem Jahr wieder heimische Mittelständler mit zum Top-Event nach Frankfurt.

EZB-Präsident Mario Draghi auf dem Wirtschaftstag der VR-Banken. Fotos: Genossenschaftsverband e.V.

Frankfurt/Westerwald. Ja, es gibt sie, die Lichtblicke in der Eurozone. Und kein Geringerer als Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat sie ausgemacht. Er äußerte sich auf dem Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt vor rund 2.500 Mittelständlern vorsichtig optimistisch. Mit dabei waren auch in diesem Jahr wieder 60 Westerwälder Unternehmer, die der Einladung der heimischen Westerwald Bank in die Frankfurter Jahrhunderthalle gefolgt waren und ein buntes Meinungsspektrum unter dem Leitthema „Kapitalismus in der Krise. Die Zukunft der Marktwirtschaft“ erlebten. Die angekündigten unbegrenzten Ankäufe von Staatsanleihen aus Krisenländern, so Mario Draghi, seien weder eine verdeckte Staatsfinanzierung noch führten sie zu steigenden Inflationsraten. Die Interventionen seien zwar unbegrenzt, aber nicht unkontrolliert, versicherte der EZB-Chef. Wegen der insgesamt schwachen Konjunktur und des langsamen Geldmengenwachstums bestünden derzeit nur sehr geringe Inflationsrisiken. Allein die Ankündigung des Ankaufprogramms habe sich positiv ausgewirkt, die Stimmung an den Finanzmärkten habe sich erheblich verbessert. Draghi betonte, die geplante Finanzunion bedeute nicht notwendigerweise ein gemeinsames Einlagensicherungssystem. Zuvor hatte Michael Bockelmann, Präsident des Genossenschaftsverbandes, betont, der EZB müsse es besonders wichtig sein, dass ihre hervorragende Reputation nicht durch übereilte politische Entscheidungen und die Übernahme einer direkten Aufsicht über mehr als 6000 Kreditinstitute in der Eurozone Schaden nehme.

Warum die Volks- und Raiffeisenbanken und mithin die Westerwald Bank die Finanzkrise unbeschadet überstanden habe, brachte deren Vorstandssprecher Wilhelm Höser auf den Punkt: „Wir konzentrieren uns auf unsere Kunden und Mitglieder in der Region. Die ausgesprochen gesunde, mittelständisch geprägte Wirtschaft des Westerwaldes hat auch aufgrund ihrer hohen Flexibilität erkennbar gut die Herausforderungen der zurückliegenden Jahre gemeistert.“

Bundestagspräsident Norbert Lammert sprach sich für einen europäischen Haushaltskommissar aus und kritisierte die „Wettgeschäfte der Finanzindustrie“. Die Einführung des Euro ohne weitergehende politische Integration sei vielleicht die „glücklichste Fehlentscheidung in Europa“ gewesen. Dadurch sei Handlungsdruck erzeugt worden. Einem europäischen Haushaltskommissar seien künftig die nationalen Haushaltsentwürfe vorzulegen, so seine Idee. Dieser müsse prüfen, ob die jeweiligen Staaten ihre Verpflichtungen und Zusagen erfüllten, und gegebenenfalls Sanktionen aussprechen dürfen. Lammert kritisierte zudem die in den zurückliegenden 20 Jahren zu beobachtende Verselbstständigung der Finanzwirtschaft. In zwei Jahrzehnten habe sich das Weltsozialprodukt auf etwa 65 Billion US-Dollar verdreifacht. Das Volumen der synthetischen Finanzprodukte habe sich hingegen verdreihundertfacht – auf etwa 600 Billionen US-Dollar. „Wir brauchen dringend eine Neujustierung von Politik und Ökonomie. Denn dieses Thema birgt viel Sprengkraft.“




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„Europa ist nicht nur ein Zusammenschluss von Staaten, sondern teilt ein gemeinsames Wertesystem“, betonte Hans-Peter Keitel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). Die Eurozone lasse sich nur durch mehr Konvergenz stabilisieren. „Mein Europa ist ein Europa der gemeinsamen Werte und der gemeinsamen Verantwortung“, sagte Keitel. Es könne sein, dass Griechenland eines Tages die Eurozone verlassen werde. Doch das müsse Athen entscheiden. Der BDI-Präsident beklagte außerdem das Auseinanderdriften der Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland und Frankreich.

Auch die Wahlen in den USA standen naturgemäß in Frankfurt im Fokus. „Die USA brauchen jetzt eine dramatische Entschuldungspolitik“, unterstrich zum Beispiel Professor Martin Richenhagen, CEO der AGCO Corporation. Einen konkreten Vorschlag zum Abbau der riesigen Staatsschulden in den USA machte Fred B. Irwin, President American Chamber of Commerce in Germany. Die USA müssten nur eine landesweite vierprozentige Mehrwertsteuer einführen.


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