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Nachricht vom 06.02.2013 - 19:28 Uhr    

Faurecia-Standort Scheuerfeld für vier Jahre gerettet

Die Stilllegung des Faurecia-Werkes in Scheuerfeld ist erst einmal vom Tisch. Es gab nach dem Warnstreik und der Kampfansage einen Kompromiss: 348 Arbeitsplätze sind vorerst gesichert, gearbeitet wird jetzt 38,5 Stunden ohne Lohnausgleich, Urlaubs- und Weihnachtsgeld werden um 25 Prozent gekürzt. Allerdings werden befristet Beschäftigte und Zeitarbeitnehmer ihre Arbeit und ihr Einkommen verlieren.

Zum Dank für ihren Einsatz und ihre Solidarität überreichte Claif Schminke (rechts) je eine Jacke mit Aufdruck an Bürgermeister Bernd Brato und Landrat Michael Lieber (links. Foto: anna

Betzdorf. Große Erleichterung und Freude herrschte anlässlich der Pressekonferenz der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf, die dazu in den Ratssaal des Verwaltungsgebäudes der Stadt eingeladen hatte.

Sowohl die Gewerkschafter und Betriebsräte, aber auch Landrat Michael Lieber, Bürgermeister Bernd Brato und Ortsbürgermeisterin Kathrin Klein waren gelöst und froh, dass es bei Faurecia in Scheuerfeld nun doch erst einmal weiter gehen wird. Am Tag zuvor hing noch das Damoklesschwert der Stilllegung über der Betriebsversammlung, dem Warnstreik und der anschließenden Verhandlung. Doch letztlich konnte am späten Abend noch eine Einigung erzielt werden.

Diese beinhaltet natürlich Kompromisse, die folgendermaßen aussehen: 348 Arbeitsplätze sind erst einmal gesichert, die Arbeitszeit wird auf 38,5 Arbeitsstunden in der Woche ohne Lohnausgleich festgelegt, zudem müssen die Beschäftigten einen Abzug von 25 Prozent beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld hinnehmen. Die Verträge der 69 befristet Beschäftigten und der 80 Zeitarbeiter allerdings laufen innerhalb des Jahres aus.

Sollten keine zusätzlichen Aufträge eingehen, werden weitere 30 bis 40 Mitarbeiter im nächsten Jahr freigesetzt. Die Ausbildungen laufen weiter. Mit diesem Ergebnis hat die Gewerkschaft ihr Hauptziel erreicht, so viel wie möglich an Arbeitsplätzen zu erhalten und Bedingungen für die Beschäftigten auszuhandeln, dass diese auch von ihrer Arbeit leben können.
„Wir haben was Gutes gemacht“, so Claif Schminke, der Bevollmächtigte der IG Metall Betzdorf. „Wir haben ein Zeichen in der Republik gesetzt“. Ein Zeichen dass besage, wenn ein europäisches Unternehmen eine Werksschließung beschließe, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen sei. Mit dem Fortbestand des Werkes seien Arbeitsplätze und Kaufkraft gerettet worden. „Wir haben Menschen glücklich gemacht“.
Schminke berichtete von der Betriebsversammlung am Vormittag im Werk, die sehr emotional verlaufen sei. Auch die Wirtschaftsministerin Eveline Lemke habe schon ihre Glückwünsche übermittelt. Mit ihr, dem Betriebsrat und der Gewerkschaft wolle man sich im Frühjahr zusammensetzen um über neue Entwicklungen hinsichtlich des Energieverbrauches im Werk Faurecia Scheuerfeld zu sprechen, dieser müsse gesenkt werden. Man habe nun vier Jahre Zeit, die man für Verbesserungen nutzen wolle, um das Werk auch über das Jahr 2016 hinaus zu erhalten.

Schminke lobte nochmals die Zusammenarbeit aller, die zu diesem Ergebnis beigetragen hätten. Er dankte den Politikern und der Bevölkerung für ihre Solidarität. Bürgermeister Brato bedankte sich für das Engagement der Gewerkschaft und Belegschaft. Das Ergebnis zeige, dass dies nur mit einer starken Gewerkschaft zu erreichen sei. Er ist stolz auf das Erreichte für die Stadt und die Region. Dem Unternehmen wünschte Brato, das die Energie der Menschen nun umgelenkt werde, um das Werk auch über 2016 hinaus zu erhalten.

Landrat Lieber fand die große Solidarität sehr bewegend und dankte für das Engagement. Er vergaß aber auch nicht die Menschen, die nun ihre Arbeit verlieren werden. Lieber sieht eine große Notwendigkeit darin, den Landkreis zu einem Forschungs- und Entwicklungsstandort auszubauen, um so die Zukunft der Arbeit hier zu sichern. Das Ergebnis bei Faurecia bedeute einen guten Tag für die Region und den Landkreis.

Ortsbürgermeisterin Klein zeigte sich bewegt von dem Einsatz der Menschen für ihre Arbeitsplätze und freute sich, dass Menschen vieler unterschiedlicher Nationalitäten zusammen gestanden hätten und auch die Bevölkerung von Scheuerfeld den Mitarbeitern von Faurecia beigestanden habe. Das Ergebnis zeige, dass es sich lohnt zu kämpfen.
Der Betriebsratsvorsitzende Volker Knautz erklärte, er habe in seinen kühnsten Träumen nicht mit so viel Solidarität gerechnet. Persönlich sei er froh über das Ergebnis, dies wäre richtungsweisend und zeige, dass eine Umkehr der Pläne von Konzernleitungen möglich ist. Die nächsten vier Jahre wolle man nun nutzen, den Standort voran zu bringen. Es seien Investitionen notwendig und auch die Geschäftsleitung habe dies schon indirekt bestätigt. Knautz lobte nochmals die Besonnenheit der Belegschaft, alle Aktionen seien gut verlaufen, ohne dass etwas passiert wäre. Yüksel Ötztürk, der stellvertretende Betriebsrat sprach von einem harten Stück Arbeit. Doch die Arbeit gehe jetzt weiter, der Betrieb müsse auf den Kopf gestellt werden. Ein solches Szenario wie in den letzten Tagen wolle er in 2016 nicht noch einmal erleben. Ziel sei nun, Faurecia Scheuerfeld wieder zu einem profitablen Werk zu machen, um langfristig neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Bruno Köhler (Betriebsrat Federal Mogul und Stellvertreter von Schminke) lobte den großen Zusammenhalt der Belegschaft und die so entstandene Verhandlungsposition auf Augenhöhe mit der Geschäftsleitung. Er zeigte sich überzeugt, dass die Kollegen es schaffen werden, das Werk auch über das Jahr 2016 hinaus zu erhalten. (anna)



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Kommentare zu: Faurecia-Standort Scheuerfeld für vier Jahre gerettet

4 Kommentare

Man hätte für die Mitarbeiter mit Zeitvertrag,die sich auch den Arsch für das Werk aufgerissen haben, auch wenigstens ein KLEINES finanzielles Fangnetz schaffen können,von den Leiharbeitern,die die gleiche Arbeit für einen Hungerlohn machen braucht ja niemand reden. Sklaven wurde ja früher schon verachtet!!
#4 von anonym,der erste!, am 17.02.2013 um 08:41 Uhr
Es ist zwar fies, wenn man sowas behauptet, aber: etwas Verlust ist immer.
Man kann von gutem Engagement reden bei solch einem Dilemma und so ein "gutes" Ergebnis.

Einsehen sollte man die Tatsache, dass der Westerwald immer weiter schrumpft, was die Job-Möglichkeiten betrifft. Vorallem unsere Region (Betzdorf-Umgebung)...

#3 von anonym, am 12.02.2013 um 18:40 Uhr
Schön für die langjährigen Beschäftigten,aber was wird aus den Leiharbeitern und den Arbeitern mit Zeitverträgen? Für die Region ist es gut das das Werk erhalten bleibt,aber an die Frauen und Männer die nur Leih- bzw. Zeitverträge haben,hat mal wieder niemand gedacht! Die haben auch Familien und laufende Kosten die von Arbeitslosengeld oder Hartz-IV meist nicht gestemmt werden können.
#2 von anonym, am 10.02.2013 um 12:11 Uhr
Komisch,warum erinnert mich das so an Opel in Bochum?????
#1 von klicke, am 07.02.2013 um 08:53 Uhr

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