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Nachricht vom 22.03.2013    

Weißer Ring informierte zum Tag der Kriminalitätsopfer

Opfer von Gewalt und Verbrechen bekommen nur selten Hilfe, vom Staat und der Gesellschaft schon garnicht. Das erkannte Eduard Zimmermann schon 1976 und gründete damals den Weißen Ring. Im Kreis Altenkirchen ist Dieter Lichtenthäler ehrenamtlicher Außenstellenleiter des Weißen Rings, ihm zur Seite stehen fünf ehrenamtliche Betreuerinnen. Zum bundesweiten Aktionstag appellierte Lichtenthäler an die Politik und die Gesellschaft, die Opfer von Verbrechen mehr in den Blickpunkt zu rücken.

Der Vorsitzender des Weßen Rings Altenkirchen, Dieter Lichtenthäler, (sitzend links) nutzte gerne die Möglichkeiten im Bürgerbüro von Mdl Michael Wäschenbach auf die Belange der Opfer und die Arbeit der Opferschutzorganisation aufmerksam zu machen. Vier ehrenamtliche Betreuerinnen waren dabei. Foto: anna

Betzdorf. Freitag, der 22. März wurde bundesweit zum „Tag der Kriminalitätsopfer“ erklärt und daher fanden im ganzen Land entsprechende Veranstaltungen statt.

Im Bürgerbüro des CDU-Landtagsabgeordneten Michael Wäschenbach hatten sich Mitglieder vom „Weißen Ring“, der 1976 gegründeten Opferschutzorganisation eingefunden, um über dessen Arbeit zu informieren. Dieter Lichtenthäler aus Wallmenroth ist ehrenamtlicher Außenstellenleiter vom Weißen Ring im Kreis Altenkirchen.
Seinem Wunsch die Öffentlichkeit im Kreis auf die Opferschutzorganisation nochmal aufmerksam zu machen, war Wäschenbach gerne nachgekommen. Nur 51 Mitglieder zählt die Organisation im gesamten Kreis und nur fünf ehrenamtliche Betreuerinnen kümmern sich um hiesige Verbrechensopfer.
Im vergangenen Jahr waren es 36 neue Fälle, und mit den Opfern aus dem Vorjahr waren es sogar über 50 Personen, die der Weiße Ring Altenkirchen betreut hat. Die Anwältin Rita Hollstein-Brass arbeitet seit Jahren ehrenamtlich im Weißen Ring mit und betreut Opfer zum Beispiel vor Gericht.
„Die Opfer werden von den Verteidigern manchmal regelrecht auseinander genommen“, so Hollstein-Brass. Während den Tätern seitens des Staates ein Anwalt zur Seite gestellt wird (Pflichtverteidiger), bekommen die Opfer eine solche Unterstützung nicht. Die meisten Opfer wissen überhaupt nicht, dass ihnen Entschädigungen zustehen würden.
Von den etwa sechs Millionen Straftaten, die pro Jahr registriert werden, beantragen gerade einmal 20.000 Opfer eine Entschädigung. Um diese zu erhalten müssen die Opfer das Erlittene meist noch einmal durchleben. Etwa 60 Prozent der Opfer, die der Weiße Ring Altenkirchen betreut haben sexuellen Missbrauch erlebt.

Es ist eigentlich Sache der Opfer, sich bei der Organisation zu melden. Doch Lichtenthäler verfolgt eine andere Philosophie. Wenn er von Verbrechen erfährt, bietet er den Opfern seine Hilfe an, denn viele scheuen sich, den ersten Schritt zu tun. Der Weiße Ring hat die Möglichkeit Opfer auch finanziell zu unterstützen. Eine Soforthilfe von 250 Euro ist möglich. Im vergangenen Jahr hat der Weiße Ring im Kreis Altenkirchen 9.000 Euro an Unterstützung gezahlt. In diesem Jahr sind es schon 12.000 Euro. Ein Großteil dieser Gelder wird durch die Beiträge und Spenden finanziert.

Daher richtete Lichtenthäler auch den Wunsch an die Politik, nach mehr finanzieller Hilfe. Die Organisation erhält bundesweit gerade mal einen Euro je Bürger, was absolut zu wenig ist. Des Weiteren kritisiert der Weiße Ring, dass Bußgelder häufig an Tätereinrichtungen entrichtet werden, kaum aber an Opfereinrichtungen. Auch für die vom Weißen Ring durchgeführte Präventionsarbeit würde die Organisation sich mehr Unterstützung aus der Politik wünschen.

Demnächst wird der Weiße Ring Altenkirchen im Rahmen des Krimifestivals vom Kulturverein „Eule“ in Kooperation mit der Betzdorfer Realschule plus wieder ein Anti-Gewalttraining durchführen. Freuen würden Lichtenthäler und seine Mitstreiter sich auch um Mitgliederzuwachs, sowie um aktive Betreuer. Dazu muss man Zeit, Mobilität und gute Menschenkenntnis mitbringen.
Seitens der Opfereinrichtung erhalten die angehenden ehrenamtlichen Betreuer ein ausführliches Grundseminar und ein späteres Aufbauseminar, um den Verbrechensopfern entsprechend zur Seite stehen zu können.

Hinsichtlich der Einführung in das Thema sprach Wäschenbach von einem krassen Missverhältnis der medialen Berichterstattung bezüglich Verbrechensopfern und Tätern. So kenne er alle drei Namen der NSU-Terrorzelle, aber nicht einen Namen eines Opfers. Auf die Frage vom AK-Kurier, ob es denn nicht auch seitens des Staates ein krasses Missverhältnis im Umgang mit Tätern und Opfern gebe, musste der Landtagsabgeordnete allerdings zugeben, dass er sich selbst im Sozialausschuss in Mainz häufiger mit den Tätern als mit den Opfern beschäftige.(anna)

Kommentar:
Das es einen „Tag des Kriminalitätsopfers“, sowie eine Einrichtung wie den Weißen Ring überhaupt geben muss, beweist, dass in dieser Gesellschaft und diesem Rechtsstaat etwas nicht stimmt. Dass es ein krasses Missverhältnis im Umgang des Staates mit den Tätern und den Opfern gibt. Dies ist im Grunde genommen skandalös und traurig.
Der Weiße Ring wurde 1976 von Eduard Zimmermann gegründet, der schon die Sendung Aktenzeichen XY ins Leben gerufen hatte. Schon damals kämpfte Zimmermann für die Rechte der Opfer. Viele Taten sind nach wenigen Jahren der Haft abgegolten, manche Taten verjähren sogar, doch die Opfer leiden lebenslang. Ist das gerecht? (anna)





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