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Nachricht vom 24.05.2013    

Zukunftsfähigkeit des Kreises war Thema bei der IG Metall

Die Delegierten-Versammlung der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf zeigte die Zufriedenheit mit dem erreichten Tarifabschluss. Wichtiges Thema: die Jugendarbeit der Gewerkschaft, die intensiviert werden soll. Gastreferent Landrat Michael Lieber hielt ein Plädoyer für ein gemeinschaftliches Handeln zum Wohle des Kreises.

IG Metall Bevollmächtigter Claif Schminke erinnerte noch einmal an die Tarifverhandlungen und erläuterte das Ergebnis vor den Delegierten. Fotos: anna

Alsdorf. Zufriedenheit herrschte allenthalben im Kreise der Delegiertenversammlung der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf. Der kürzlich erreichte Flächentarifvertrag fand die Zustimmung aller 51 Anwesenden und auch das Referat von Landrat Michael Lieber gab keinen Anlass zu einer Diskussion.

Im „Haus Hellertal“ waren die Delegierten zur Versammlung zusammen gekommen und der erste Bevollmächtigte Claif Schminke begrüßte neben dem Tagesgast auch den Versichertenältesten Gerd Hermann. In seinem Geschäftsbericht erinnerte Schminke nochmals an die erst kürzlich beendeten Tarifverhandlungen und das Ergebnis. Mit einer Lohnerhöhung von 3,4 Prozent ab Juli 2013 und weiteren 2,2 Prozent ab Mai 2014 habe man letztlich eine Erhöhung von 5,6 Prozent erreicht. Der neu abgeschlossene Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 20 Monaten. Mit den Warnstreiks habe die IG Metall den Arbeitgebern gezeigt, dass sie nicht nur leise Töne, sondern auch durchaus „Hard Rock“ spielen könne, so Schminke. Zu einer solchen Auseinandersetzung gehöre es dazu, deutliche Worte zu finden.

Auch dieser Tarifvertrag sei wieder ein Flächentarifvertrag und nicht wie von den Arbeitgebern erst vorgeschlagen, ein Vertrag mit Öffnungsklauseln. Der Tatsache, dass es einige Unternehmen gebe, die derzeit nicht so gut da stehen, sei man mit den zwei Null Monaten entgegen gekommen. Ansonsten wäre der Flächentarifvertrag der IG Metall ein „Heiligtum“. Man strebe immer die solidarische Lösung an, keine Differenzierung. In den vergangenen drei Jahren konnte eine Lohnerhöhung von 10 Prozent herausgeholt werden, so Schminke. „Ich denke wir haben weise gehandelt“, sagte der Gewerkschaftler.

Die Mitgliederzahlen belaufen sich derzeit auf 5042 Personen und demnächst beginnen wieder viele junge Leute ihre Ausbildungen, die als Mitglieder geworben werden können. Gerade bei den jungen Menschen gäbe es noch ein hohes Potential an Mitgliedern zu werben. Allerhand fand Schminke, dass derzeit verschiedene Arbeitgeber versuchten, auf Grund der guten Auftragslagen, die Stundenkonten der Mitarbeiter zu erhöhen. Einige sogar auf bis zu 200 Stunden. Dies sei nicht akzeptabel.
Ein weiterer Aufreger für den ersten Bevollmächtigten war die Tatsache, dass seitens der Bürokratie in diesem Land, den ehrenamtlich tätigen Personen nun auch noch das Leben schwer gemacht werde. Darüber hatte ihn Hermann in Kenntnis gesetzt und er versprach diesem mit ihm dagegen auf die Barrikaden zu gehen.

Einen Dank sprach Schminke an Günther Rödder aus, der 13 Jahre als Kreisvorsitzender des VdK ehrenamtlich tätig gewesen war und kürzlich dieses Amt abgegeben hat. Wie es künftig mit der Jugendarbeit seitens der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf weiter gehen soll, darüber informierte Diana Trulsson die Delegierten. Derzeit sind 924 junge Menschen unter 35 Jahren im Bereich der Geschäftsstelle in der Gewerkschaft organisiert. Trulsson möchte die Strukturen in der Jugendarbeit stärken, denn die Jugend bedeute die Zukunft der Verwaltungsstelle, sei wichtig für die Mitgliederentwicklung und stelle den Nachwuchs in den Betrieben. Die Jugend-Arbeiter-Vertretung (JAV) müsse besser ausgebildet werden, um später die Arbeiten der heutigen Betriebsräte übernehmen zu können. An die Delegierten richtete Trulsson den Appell die derzeitigen Mitglieder zu sensibilisieren. Abfragen und Meldungen der Einstellzahlen müssten frühzeitig erfolgen. Für die Auszubildenden möchte Trulsson Begrüßungspartys oder Azubifrühstücke durchführen und die Jugend zeitig mit in die Gewerkschaftsarbeit einbinden.

Referent Landrat Michael Lieber sprach zu dem Thema: „Heute gemeinsam handeln für Morgen – der Kreis Altenkirchen auf dem Weg in die Zukunft“. Themenschwerpunkte waren:
1. Der Wirtschaftsstandort,
2. die Infrastruktur
3. die Demografie.
Zum Wirtschaftsstandort berichtete Lieber, dass der Landkreis seit jeher traditionell schon immer mehr Auspendler als Einpendler habe. Viele Leute seien im nahen Siegerland oder dem Kölner Raum beschäftigt, wohnten aber gerne im Kreis Altenkirchen. Dies erfordere Mobilität. Schwerpunkt der hiesigen Industrie sei das Metall und darin hauptsächlich der Maschinenbau. Dies zu erhalten gehe nicht ohne wissenschaftliche Entwicklung. Daher sei die Zusammenarbeit mit der Uni Siegen und der FH Koblenz enorm wichtig. Qualifizierte Weiterbildung solle möglichst vor Ort durchgeführt werden können umso die Arbeitsplätze hier zu sichern. Dies funktioniere aber auch nur bei entsprechender Infrastruktur.

So sehen 82 Prozent der befragten Betriebe Straßen als existenznotwendig, 80 Prozent der Befragten würden den Kreis Altenkirchen daher nicht an einen guten Freund weiter empfehlen. „Die großen Verkehrsachsen gehen an uns vorbei“, so Lieber. In der Wirtschaftsstruktur habe der Kreis durchaus viel Gutes vorzuweisen aber die Infrastruktur sei überlebenswichtig.
„Der Kampf ist längst entbrannt. Wir reden seit Jahren über diese Situation. Hinsichtlich der Ost-West-Achse muss etwas passieren“, so Lieber. Aber erst jetzt solle angefangen werden zu planen, hieße es aus dem Verkehrsministerium. Die Region spreche parteiübergreifend mit einer Stimme, so Lieber. Es gehe nicht mehr um Autobahnen, es gehe um den Ausbau (dreispurig) der Bundesstraßen B8, B414 und B62, um die Region Westerwald-Sieg mit den Gebieten Rhein-Main und Rhein-Ruhr besser zu verbinden.
Zum Thema Demografie meinte Lieber, man sehe was kommen werde. Trotz der sinkenden Schülerzahlen werde aber weiter in die Schulen investiert. Bezüglich der Schulstruktur sei der Kreis Altenkirchen gut aufgestellt. Große Sorge macht ihm allerdings die künftige ärztliche Versorgung der Bevölkerung. Die Mehrheit der Ärzte ist schon jetzt über 50 Jahre.
Um den Kreis Altenkirchen trotzdem zukunftsfähig zu machen fordert Lieber, dass ein gemeinsames Leitbild die politische Handlungsmaxime prägen sollte. So muss generationenübergreifendes Leben und Arbeiten ermöglicht werden. Nachhaltige Entwicklung für Unternehmen sei notwendig. Autarke Energieentwicklung und Vereinbarung von Familie und Beruf müssten weitere Ziele sein. Die Politik müsse da gemeinsam an einem Strang ziehen.
Schminke bedankte sich beim Landrat für dessen Ausführungen und pflichtete ihm bei, dass auf kommunaler Ebene Zusammenarbeit gefragt sei und man nicht nach dem Parteibuch schauen sollte. (anna)


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