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Nachricht vom 08.03.2008    

Ein Stück gelebter Ökumene

Die Notfallseelsorge ist im Kreis Altenkirchen schon seit langem ein Stück gelebter Ökumene. Jetzt trafen sich im Katholischen Pfarrheim in Wissen die heimischen Notfallseelsorger zu einem gemeinsamen Konvent, um sich mit den veränderten Aufgabenstellungen im Kreis zu beschäftigen.

notfallseelsoege konvent in wissen

Kreis Altenkirchen. Die ökumenische Zusammenarbeit der beiden großen Kirchen hat zahlreiche Facetten. Ein Bereich, in dem es die "gelebte Ökumene" im Kreis Altenkirchen schon seit langem gibt und in der sie permanent intensiviert wird, ist die "Notfallseelsorge" (NFS). Gemeinsam – dabei der unterschiedlichen Personalstruktur angepasst – versucht man diesen wichtigen Dienst wahrzunehmen.
Im katholischen Pfarrheim in Wissen trafen sich jüngst die heimischen Notfallseelsorger zu einem gemeinsamen Konvent und widmeten sich den veränderten Aufgabenstellungen im Kreis. Ortspfarrer und Dechant Reinhard Friedrichs begrüßte dazu die Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden im Kreis Altenkirchen und verwies angesichts der konfessionell unausgeglichenen Anwesenheit auf die schwierige Personallage in den katholischen Bereichen des Kreises.
Über mehrere Jahre hatte sich im Kreis Altenkirchen das "Bereitschaftssystem" bei der Notfallseelsorge bewährt. Jeweils für eine Woche übernahmen meist Pfarrer oder Diakone das Handy des Notfallseelsorgers und wurden dann kreisweit zu ihren Einsätzen gerufen. Angesichts der Personalknappheit, vor allem in den beiden katholischen Dekanaten, war dieses System auf Dauer nicht praktikabel, zumal dann andere – neben ihren normalen Diensten – zu viele der freiwilligen Bereitschaftszeiten hätten schultern müssen. Dank eines ausgeklügelten Computersystems werden nun die Notfallseelsorger nach der Anfrage von Polizei, Feuerwehr oder Rettungskräften zentral vom Wissener St. Antonius-Krankenhaus alarmiert. Diejenigen, die am nächsten am Einsatzort wohnen, sind die ersten auf der Alarmliste.
Superintendent Eckhard Dierig vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen verwies beim Konvent der Notfallseelsorger auf eine der Stärken des neuen Systems: Schnelle Greifbarkeit und kurze Weg gepaart mit Kenntnissen von Örtlichkeiten und Bewohnern. Doch er verwies auch auf Nachteile: Während früher alle Notfallseelsorger mehrfach für ihre unterschiedlichen Einsätze geschult waren, kommen nun auch diejenigen zum Einsatz, die noch weiterer Fortbildung bedürfen. Da diese Weiterbildungs-Angebote nicht immer in die Zeitfenster der Beteiligten passen, müssen vor Ort notwendige Kenntnisse vermittelt werden.
Regelmäßig wollen die Notfallseelsorger dazu im Kreis zusammenkommen. Pfarrer Markus Aust (Evangelische Kirchengemeinde Betzdorf) koordiniert für den Evangelischen Kirchenkreis die Einsätze, aber auch die Fortbildungen. 2007 – so der Theologe – gab es im Kreis Altenkirchen 20 Einsätze. Bis auf einen, wo der Einsatz zusätzlich mit Nachbarn koordiniert werden musste, klappte das System einwandfrei. Anhand von Praxisbeispielen verwies er auf allerlei Bedenkenswertes für die Notfall-Hilfe, bot Ausrüstungsgegenstände an und stellte überregionale Zusammenkünfte und Fortbildungen vor.
Der Landespfarrer für Notfallseelsorge, Joachim Müller-Lange von der Evangelischen Kirche im Rheinland, der die Notfallseelsorge im Kreis Altenkirchen mit aufbauen half, sie betreute und fachlich begleitete, unterstrich, dass man das neue Alarmierungssystem im Kreis Altenkirchen aufmerksam beobachte, weil es im Rheinland "Pilotcharakter" habe.
Müller-Lange sorgte anschließend dafür, dass die heimischen Notfallseelsorger mit einer Fortbildungseinheit "Überbringen von Todesnachrichten" wieder ein bisschen besser auf ihre nicht immer einfachen Aufgaben vorbereitet wurden. (pes)
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Notfallseelsorge – was ist das?




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Notfallseelsorge ist psycho-soziale und seelsorgerische Krisenintervention im Auftrag der Kirchen in der Gesellschaft. Sie ist darauf ausgerichtet Opfer, Angehörige, Beteiligte und Helfer von Notfällen (Unfall, Großschadenslagen usw.) in der akuten Krisensituation zu beraten und zu stützen. Aber auch Hilfe nach häuslichen traumatischen Ereignissen, wie nach erfolgloser Reanimation, plötzlichem Kindstod und Selbstmord, sowie Begleitung der Polizei bei der Überbringung von Todesnachrichten gehört zum Einsatzspektrum der Notfallseelsorge. Anders als etwa die Telefonseelsorge gehen die Notfallseelsorger direkt zum Ort des Geschehens. Die Alarmierung der Notfallseelsorger erfolgt zumeist über Rettungsdienste, Polizei oder Feuerwehr.
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Pfarrer Markus Aust (stehend) koordiniert im Kreis Altenkirchen die Notfallseelsorge. Bei einem ökumenischen Konvent der Notfallseelsorger im Kreis berichtete er über die Erfahrungen mit einem neuen Einsatzkonzept. Landespfarrer Rüdiger Müller-Lange (2. von rechts) von der Evangelischen Kirche im Rheinland bot den Einsatzkräften in Wissen zusätzlich eine Fortbildungseinheit. Foto: Petra Stroh


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