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Nachricht vom 31.07.2013 - 11:34 Uhr    

Keine Sommerlaune am Arbeitsmarkt der Region

Während der Juli mit seinen Sonnentagen und dem Superwetter für gute Laune sorgte, sieht es am regionalen Arbeitsmarkt ganz anders aus. Die Arbeitslosenquote steig im Bereich der Agentur Neuwied auf 5,9 Prozent, angeblich saisonbedingt. Mal ist es der Sommer, mal ist es der Winter, der für den Anstieg der Arbeitslosenzahlen herangezogen wird. Viele Ausbildungsstellen sind derzeit unbesetzt, Jugendliche sollten sich flexibel zeigen.

Neuwied. Die neuen Zahlen der Arbeitsagentur Neuwied, für die Landkreise Altenkirchen und Neuwied zeigen: Sommerlaune gibt es nicht am Arbeitsmarkt.

9.615 Menschen ohne Job und eine Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent: Das sind die Juli-Eckwerte des Arbeitsmarktes für die Region Neuwied. Die Zahlen sind sowohl im Vergleich zum Vormonat als auch zum Vorjahresmonat gestiegen.

„Wie bereits im Vormonat prognostiziert, ist dieser Anstieg vor allem auf eine saisonübliche Entwicklung zurückzuführen“, erklärt Ralf Giel, Geschäftsführer "Operativ" der Neuwieder Arbeitsagentur.
„Mit Beginn der Sommerferien melden sich zahlreiche Jugendliche vor Ausbildungs- oder Studienbeginn arbeitslos. Gleichzeitig finden viele Auszubildende nach Beendigung ihrer Ausbildung nicht sofort eine Anschlussbeschäftigung, weil die Betriebe eine Sommerpause einlegen. Anfang September treten einige dieser Bewerber eine neue Beschäftigung an. Andere beginnen im Oktober mit einem Studium. Bis zum Herbst haben sich die Zahlen dann erfahrungsgemäß wieder reguliert“, glaubt Giel.

„Allerdings liegt die Arbeitslosigkeit schon seit einigen Monaten über den Werten des Vorjahres. Die Zugänge aus Erwerbstätigkeit fallen höher aus als die Abgänge in Erwerbstätigkeit. Dies zeigt, dass der konjunkturelle Aufwärtstrend, der den Arbeitsmarkt bis ins dritte Quartal 2012 noch beflügelt hat, mittlerweile deutlich ins Stocken geraten ist“, so Giel weiter.

Belegen lässt sich diese Einschätzung durch die aktuelle Statistik: Verglichen zum Vormonat stieg die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen im Neuwieder Agenturbezirk um 3,7 Prozent. Im Juli des Jahres 2012 waren es 3,5 Prozent weniger Arbeitslose.
Die deutlichste Steigerung gab es im Juli in der der Gruppe der 15- bis 25 Jährigen. Dort nahm die Arbeitslosigkeit verglichen zum Vormonat um 32 Prozent zu.

Die Arbeitgeber der beiden Landkreise Neuwied und Altenkirchen meldeten im Juli 479 neue Arbeitsstellen. Das sind 16 mehr als im Juni und 50 mehr als vor einem Jahr. Aktuell sind dem Neuwieder Arbeitgeberservice 1.300 freie Stellen gemeldet. Das sind 62 weniger als im Vormonat aber 50 mehr als im Juli 2012.

Der Blick auf den Ausbildungsmarkt zeigt, dass derzeit noch sowohl Betriebe als auch Jugendliche auf der Suche sind.
„Auch wenn das endgültige Ergebnis erst im September vorliegt, verzeichnen wir auf dem regionalen Ausbildungsmarkt in diesem Jahr bereits eine leichte Veränderung zum Vorjahr“, erklärt Ralf Giel und weist auf die aktuellen Zahlen im Agenturbezirk hin:
412 offene Ausbildungsstellen – 277 im Landkreis Neuwied und 135 im Landkreis Altenkirchen – stehen Ende Juli 699 unversorgten Bewerbern gegenüber. Davon kommen 477 aus dem Landkreis Neuwied und 222 aus dem Landkreis Altenkirchen.
Deutlich wird hier, dass zum einen die freien Stellen nicht immer mit den Berufswünschen der Jugendlichen übereinstimmen. Andererseits zeigen sich viele Arbeitgeber derzeit aber auch noch zögerlich und abwartend mit der Besetzung ihrer Lehrstellen.

„Die jungen Leute sollten sich unbedingt flexibel zeigen, da keine Ausbildung immer die schlechteste Lösung ist. Die Betriebe sollten sich im Zweifel pro Ausbildung entscheiden, um dem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen“, appelliert Giel an beide Partner des Ausbildungsmarktes.

Bei der Zahl der gemeldeten Bewerber ist zu beachten, dass nicht alle davon noch tatsächlich unversorgt sind. „Wenn wir nach den Sommerferien bei den jungen Leuten nachfragen, wird sich auch in diesem Jahr wieder herausstellen, dass viele Ausbildungsplatzsuchende schon einen Vertrag haben, lieber doch studieren, weiter zur Schule gehen oder ein soziales Jahr absolvieren möchten und teilweise auch vergessen haben, sich bei uns abzumelden“, so der Geschäftsführer.

Dennoch hat sich der Ausbildungsmarkt in den vergangenen Jahren verändert.
„Die Zahl der Ausbildungsstellen, die nicht besetzt werden können, ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Hier macht sich ganz klar bereits der vieldiskutierte demographische Wandel bemerkbar. Das ist mittlerweile auch den meisten Betrieben bewusst und wir arbeiten in vielfältigen Projekten und einem guten Netzwerk daran, die Situation zu verbessern“, so Giel.

Trotzdem zeigen sich auch am Ausbildungsmarkt die Folgen der konjunkturellen Delle. Vor einem Jahr waren zur gleichen Zeit im Gesamtbezirk 285 Stellen unbesetzt, das sind 127 weniger als 2013 und 606 Bewerber noch unversorgt - dies sind 93 mehr als vor einem Jahr.
Freie Ausbildungsstellen gibt es derzeit noch vor allem für die Berufe Verkäufer/in, Kaufmann/frau im Einzelhandel, Anlagenmechaniker/in, Koch/Köchin und Elektroniker/Energie- und Gebäudetechnik.

Abschließend der geteilte Blick auf die Landkreise:
Für den Landkreis Neuwied wurden in diesem Monat 5.581 Menschen ohne Job gezählt. Das sind 190 mehr als im Vormonat aber 37 weniger als im Juli 2012. Die Quote stieg im Monatsverlauf um 0,2 Prozentpunkte auf 5,9 Prozent.

Im Landkreis Altenkirchen gibt es aktuell 4.034 Arbeitslose – 150 mehr als im Juni und 360 mehr als vor einem Jahr. Aktuell beträgt die Quote 5,8 Prozent. Das ist ein Anstieg zum Vormonat um 0,2 Prozentpunkte.



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