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Nachricht vom 15.04.2008    

Volksschulen im Gebhardshainer Land

"Volksschulen im Gebhardshainer Land" lautet das Thema einer Ausstellung, die von den Gebhardshainer Heimatfreunden ausgerichtet wird. Hier werden über 200 Jahre Schulgeschichte beleuchtet und der Besucher kann eintauchen in die Anfänge eines organisierten Schulwesens.

schreibutensilien

Gebhardshain. Zum Thema "Volksschulen im Gebhardshainer Land" eröffneten die Gebhardshainer Heimatfreunde jim Bürgerforum jetzt eine weitere Austellung zur Dokumentation der Heimatgeschichte. Zur Eröffnung begrüßte Gebhard Hoffmann neben den vielen Besuchern besonders 1. Kreisbeigeordneten und Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Konrad Schwan sowie einige Ortsbürgermeister, die Vertreter der Kirchen, Schwester Celina und Pfarrer Straka. Besonders erfreut waren die Heimatfreunde über die Anwesenheit der mit der Schule besonders verbundenen Personen. Von der Schulaufsichtbehörde war die zuständige Schulrätin Hees-Groß gekommen, die Schulleiter der Grundschulen und der Regionalen Schule waren ebenso anwesend
wie eine Reihe von Lehrerinnen und Lehrern, die noch als Pädagogen
an den hiesigen Volksschulen tätig waren.
Bürgermeister Heiner Kölzer war erfreut über die große Besucherzahl und ging in seinem Grußwort auf die rasante und vielfach undurchschaubare Entwicklung seit dem Ende der Volksschule hin. Er bedankte sich bei den Heimatfreunden für ihr Engagement und ihre für die Gemeinde nützliche und erfolgreiche Arbeit.
Max Reifenhäuser, vor seiner Tätigleit als Schulleiter der Hauptschule zehn Jahre Lehrer an Volksschulen (Gebhardshain und Steinebach), davon neun Jahre Leiter der Volksschule Nauroth, führte die Besucher durch über 200 Jahre Schulgeschichte im Amt Gebhardshain.
Die schriftliche Erwähnung des Schulwesens findet sich bei den Akten der
evangelischen Kirchengemeinde Gebhardshain. Danach sind zunächst Schulen am jeweiligen Pfarrort entstanden. Später wurden die Kinder in allen Dörfern unterrichtet. Dabei fand der Unterricht nur im Winter statt. Unterrichtet wurden sie von dem Schulmeister. Es war dies ein Mann, der über Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen verfügen und dabei auch fromm sein musste, denn eingestellt wurde er nach einer Überprüfung durch den Pfarrer und durch den Bürgermeister. Bezahlt wurde er mit Geld und Naturalien (zum Beispiel Hafer). Beköstigt wurde er von den Familien der Schulkinder, dies ging reihum. Dann ging er zum nächsten Haus. Man nannte es den Wandeltisch. Da die Gemeinden anfangs noch kein eigenes Schulzimmer besaßen, wurde der Unterricht als "Wandel-Unterricht" in der Küche oder einem anderen beheizten Raum mitten im Kreis der Familien abgehalten.
Als 1815 die Preußen die Herrschaft übernahmen, änderte sich bald einiges. Die Wandelschulen wurden durch Unterricht in gemeindeeigenen oder angemieteten Räumen ersetzt. Der Unterricht wurde ganzjährig abgehalten, die allgemeine Schulpflicht wurde eingeführt. Die Lehrer bekamen eine Ausbildung an den Lehrerseminaren.
Damit die Kinder jedoch weiterhin als nützliche Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig sein konnten, wurden die Ferien entsprechend gelegt( zum Beispiel Heu-, Ernte-, Kartoffelferien).
Im Laufe des 19. Jahrhunderts stieg die Einwohner- und damit die Kinderzahl auch im Amt Gebhardshain ständig an, so dass die bisherigen Schulzimmer nicht mehr ausreichten. Ab 1895 wurden nun an allen Orten neue Schulen gebaut. In der Regel reichten einklassige Schulen aus, da erst bei Überschreitung der Zahl 80 eine weitere Klasse gebildet werden konnte.
Bei Kriegsbeginn waren die Schulen fertig. Der Unterricht hätte jetzt den Kindern Freude machen können. Der 1. Weltkrieg brachte aber Unterrichtsausfall, weil die Lehrer fehlten, weil man sich um das tägliche Leben sorgen musste. Sammeln von Laub, Eicheln, Bucheckern Blättern und vieles mehr gehörte zu den wichstigsten Aufgaben der Kinder. Nebenbei wurde Kaisers Geburtstag gefeiert, die Heldentaten der Soldaten gerühmt und ganz wenig gelernt. Da die Lehrer an der Front gebraucht
wurden, traten die ersten Lehrerinnen ihren Dienst auf dem Land an.
Mit der Weimarer Republik änderte sich vieles. Die kirchliche Schulaufsicht fiel weg. Der Lehrer wurde Landesbeamter. Er brauchte jetzt nicht mehr die kirchlichen Tätigkeiten wie Organist und Küster nebenbei auszuführen. In die Schulen kam ein frischer Wind. Neue Lehr- und Lernmittel kamen auf den Markt. Der Kanon der Unterrichtsfächer wurde erweitert.
Das jähe Ende kam dann in der dreißiger Jahre mit der NS-Diktatur in Deutschland. Alles wurde den Zielen der NSDAP unterworfen. Lehrer konnte nur sein, wer im Sinne der Partei zu arbeiten bereit war. Auch in unserer Gegend mussten einige ihren Beruf aufgeben. Sorgen und Not kam durch den Krieg über viele Familien. Die Schule rückte in den Hintergrund.
Erst ab den Jahren 1946/47 kann man von einenm regulären Unterricht sprechen, wenn auch die Klassen überfüllt waren, Bücher, Hefte und Lehr- und Lernmittel fehlten. Mit zunehmender Normalisierung wurde es auch in den Schulen besser. Die wirtschaftliche Lage erlaubte es den Gemeinden, ihre alten Schulen zu renovieren und zu modernisieren oder neu zu bauen. Junge Lehrer wurden eingestellt, das Schulleben blühte auf. Dann begann innerhalb von wenigen Jahren eine rasante Umorganisation der Schulen, die im Jahre 1971 zum Ende der Volksschulen führte.
Schulrätin Hees-Groß war angetan von der Ausstellung und betonte, dass aus der Erfahrung der Schulgeschichte bei weitem nicht alles schlecht war, dass vielmehr sich manches besser nicht in Vergessenheit geraten wäre.
Die Besucher der Ausstellung sehen einen Schulraum mit fast allen Geräten aus der Volkschule, Lehr- und Lernmittel sowie Schulbücher ab dem Ende des 19. Jahrhunderts. Hier können sie schauen, lesen oder sich auch nur erinnern. Zur Erinnerung sollen auch die Bilder von Schulkindern aus den einzelnen Dorfschulen beitragen. Der ein oder andere mag sich vielleicht sogar wiedererkennen. Besucher dürfen auch gerne ihre eigenen Schulbilder mitbringen, denn die Heimatfreunde wollen ihre Sammlung erweitern. Wer noch mehr wissen will, darf in alten Schulakten stöbern und in den Schulchroniken lesen. Ein Besuch lohnt sich, auf jeden Fall.
Öffnungszeiten: Samstag, 19. April und 26. April, Sonntag, 20. April und 27. April, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Besuche außerhalb der Öffnungszeiten können telefonisch vereinbart werden (02747/76 29 oder 02747/24 92).
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Foto: Schreibutensilien von anno dazumal.


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