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Nachricht vom 12.11.2013 - 09:49 Uhr    

Gedenken an die jüdischen Bürger in Hamm

Ein Davidstern aus drei Buchenwurzeln und drei Birkenästen sowie 26 Lichter erinnerten in der überglasten Rest-Mikwe auf dem Synagogenplatz in Hamm an die vor 75 Jahren in der sogenannten Reichskristallnacht aus Hamm deportierten und ermordeten jüdischen Mitbürger. Vor 75 Jahren endete auch das jüdische Leben in Hamm.

Sechsundzwanzig Lichter sowie ein Davidstern aus drei Buchenwurzeln und drei Birkenästen erinnerten in der überglasten Rest-Mikwe auf dem Synagogenplatz an die Pogromnacht. Fotos: Rolf-Dieter Rötzel

Hamm. Knapp fünfzig Bürgerinnen und Bürger hatten sich zur jährlichen Gedenkfeier der beiden Kirchengemeinden und der Ortsgemeinde Hamm, die nach zwanzig Minuten der Stille und Besinnung und nur vom Glockengeläut der evangelischen Kirche begleitet vom Synagogenplatz im Kulturhaus fortgesetzt wurde, eingefunden.

Über Jahrhunderte gab es jüdisches Leben im Hammer Land. Ein Ende setzte die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten, als jüdische Mitmenschen aus ihrer Heimat vertrieben oder in Konzentrationslager ermordet wurden. Gemeinsam erinnerte man sich auch in Hamm an die mit dem Pogrom verbundenen menschlichen Schicksale.
Die Novemberpogrome vor 75 Jahren waren im Nazi-Deutschland der Beginn zur forcierten Vertreibung der Juden. Auch in Hamm wurden in der sogenannten Reichskristallnacht Fenster eingeschlagen, Wohnungen demoliert und die Synagoge in Brand gesteckt, obwohl man über Jahrzehnte nebeneinander gewohnt und miteinander gelebt hatte.

Nach der Begrüßung und dem Vorlesen der Namen der 26 aus Hamm deportierten jüdischen Mitbürger durch Ortsbürgermeister Bernd Niederhausen bekundete Pfarrer Detlev Grohe von der evangelischen Kirchengemeinde, das für ihn die Vorbereitung seiner Gedenkworte mit Zögern verbunden gewesen sei, „denn auch meine Kirche hat damals nicht das getan, was man hätte tun müssen.“ In seinen weiteren Ausführungen ging Grohe auf die von langer Nazi-Hand vorbereitete Verfolgung und Demütigung der jüdischen Mitbürger ein. Und alles sei dabei gesetzeskonform gewesen, weil die Gesetze von den Nationalsozialisten so konzipiert wurden. Grohe mahnte auch in der heutigen Zeit zur Wachsamkeit.

Pfarrer Bruno Nebel von der katholischen Kirchengemeinde sprach ein Gebet für alle, die verfolgt wurden und heute verfolgt werden, die fliehen mussten und heute fliehen müssen, für die, die damals wegschauten und auch heute noch wegschauen, und alle die, die an den Rand gestellt oder diskriminiert werden. Den musikalischen Rahmen des Gedenkens gestaltete Adam Lenart. (rö)

Das „deportable Mahnmal“
Im Herbst 2012 schufen im Rahmen eines interkulturellen Symposions der französische Bildhauer Alex Labejof (Roissy-en-France) und der Hammer Grafiker und Plastiker Volker Niederhöfer eine dreiteilige Skulptur für den Synagogengedenkraum im Hammer Kulturhaus zur Erinnerung an die Hammer Mitbürgerinnen und Mitbürger jüdischen Glaubens, die 1938 deportiert und in der Folge ermordet wurden oder verschollen blieben.

Als Gegenstück für den Außenbereich entstand das „Déportable" Mahnmal. Mahnmale sind in der Regel fest für einen Ort und zeitlos gestaltet. Dieses nicht.
Es greift Motive der jüdischen Geschichte, die Flucht aus Ägypten, die Vertreibung nach dem jüdischen Aufstand in der Römerzeit auf, die Zerstreuung der Juden über Länder und Kontinente und stellt sich so über Raum- und Zeitfixierung.
Immer nur von der Reichspogromnacht am 9. November bis zum Totensonntag ist ein Davidstern aus drei Buchenwurzeln und drei Birkenästen in der Rest-Mikwe auf dem Synagogenplatz über den Granitwürfeln zum Gedenken an die Deportierten installiert, und nur in der Pogromnacht mit 26 angezündeten Gedenklichtern. Dann werden die Einzelteile wieder demontiert und als verschnürtes Bündel im Synagogengedenkraum verwahrt. Bis die Zeit wieder kommt, zu gedenken.



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