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Nachricht vom 14.11.2013 - 11:37 Uhr    

Bergbaugeschichte der Region fasziniert auch junge Leute

Die Wanderung rund um Herdorf zu den Spuren der Gruben Bollnbach und Stahlert, zu den frühen Spuren der Erzgewinnung fasziniert auch heute und so nahmen mehr als 50 Personen teil, darunter viel junge Leute. Das Bergbaumuseum des Kreises hatte mit Carsten Trojan zur Exkursion zu den bekannten Erzgruben eingeladen.

Dies ist der Rest der ehemaligen Winkelstation der Drahtseilbahn, die die Schlacke von der Hütte transportierte. Fotos: anna

Herdorf. Die Hügel rings um den Ort sind in ihrem Inneren durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Vom frühen Mittelalter bis in die Neuzeit wurde hier erst über, danach in großem Maße unter der Erde Erz abgebaut. Die Gruben Bollnbach und Stahlert gehörten zu den größten industriellen Gruben der Region. Spuren aus jenen Jahren sind noch viele zu finden.

Carsten Trojan, der sich schon seit seiner Jugend mit der Bergbaugeschichte von Herdorf befasst, hat sich auf die Suche gemacht und einiges entdeckt. Das Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen lud dazu ein, gemeinsam mit Trojan auf Entdeckungstour zu gehen und die Resonanz auf diese Einladung war groß. Eine Gruppe von rund 50 Personen, darunter auch viele junge Leute, nahmen an der Exkursion teil.

Startpunkt war der Wanderparkplatz unterhalb des „Glück-Auf“ Stadions an der Bollnbach. Von dort führte der Weg an der Sportanlage vorbei und ein erster Halt wurde gegenüber der Tennisanlage eingelegt. Auf einem heute gänzlich zugewachsenen Plateau befand sich einst der erste Maschinenschacht der Grube Bollnbach. Ein zweiter Schacht war am Weg zum alten Maschinenhaus oberhalb der Tennisanlage und der dritte Maschinenschacht war gleich neben dem großen imposanten Backsteingebäude, wo einstmals ein hoher Förderturm in den Himmel ragte.
Im späten 19. Jahrhundert entstanden die dampfbetriebenen Maschinenschächte. Das ehemalige Maschinenhaus der Grube Bollnbach, 1906 erbaut, ist schon lange in privatem Besitz und Wohnhaus zweier Familien. Josef Schulte, dem eine Haushälfte gehört, erwartete die Exkursionsteilnehmer bereits, um ihnen einiges zur Geschichte des Hauses zu erzählen. Der Großvater seiner Frau hat das Haus einst gekauft und zwei seiner sieben Söhne übernahmen das Gebäude samt Umland später. Das Haus ist mittig geteilt und so massiv gebaut, dass die Wände teils eine Stärke von zwei Meter aufweisen. Schulte hatte alte Fotos vergrößert, an seinem Gartenhäuschen angebracht und erklärte die Bilder den Besuchern.

Mehrere hundert Bergleute arbeiteten in Spitzenzeiten auf der Grube Bollnbach, die auf Grund des brüchigen Gebirges und der vielen Unfälle vor Ort als gefährlichste Grube des Siegerlandes galt.

Vom ehemaligen Maschinenhaus führte der Weg der Exkursion wieder zurück und dann auf halber Strecke querfeldein durch den Wald über einen alten Hohlweg. Eine tiefe Pinge und der Einstieg zum Stollen „Felsenstein“, sowie unweit davon der untere Stollen der Grube „Christine“ waren weitere Haltepunkte. Von da führte die Route weiter steil auf zur Sandhalde, insgesamt wurden auf der Strecke etwa 350 Höhenmeter überwunden. Auch entlang dieses Weges sind Pingen und heute verfüllte Stolleneingänge vorhanden.
Auf der Sandhalde angekommen, berichtete Trojan, dass 1892 von Ferdinand Schneider die Schlackengranulation auf der Friedrichshütte eingeführt wurde. Durch dieses Verfahren zerfiel die Schlacke zu feinem Sand. Um diesen Sand vom Gelände der Hütte zu entsorgen, wurde eine Drahtseilbahn gebaut, die den Schlackensand über die Heller auf die andere Seite beförderte und bis zum Ende des ersten Weltkrieges in Betrieb war. Danach musste eine neue Drahtseilbahn errichtete werden. Diese hatte eine Gesamtlänge von 850 Metern, noch heute ist ein Rest der alten Winkelstation auf der Halde vorhanden. In einer Zick-Zack Route führte der Weg von der Sandhalde hinab ins Tal.

An einer schwer zugänglichen Stelle konnten die Wanderer einen Einblick in einen Stolleneingang werfen. Etwa 20 Meter tief führt der in den Berg, der Rest ist unzugänglich. Die Bollmischs-Bahn war das nächste Etappenziel. Auf der Strecke verkehrte früher eine Grubenbahn, die das geförderte Erz zur Friedrichshütte beförderte. Trojan zeigte seinen Exkursionsteilnehmern, dass auf der gegenüberliegenden Seite der Heller noch der Rest des Damms zu sehen ist, über den die kleine Bahn zur Hütte fuhr. Auch das ehemalige Hüttenwehr ist dort im Bach noch gut zu erkennen.
Nach etwa 150 Metern verließ die Gruppe dann auch diesen Weg, ging hinunter zur Heller und hatte somit den tiefsten Punkt der Wanderung erreicht. Parallel zur Bollmischs-Bahn führt dort ein Wanderweg geradewegs an dem Bach entlang und zum ehemaligen Zechenhaus der Grube Bollnbach. In diesem Haus befand sich ein Stolleneingang der Grube Bollnbach, den die zwei Bewohner des Hauses, die auch an der Wanderung teilgenommen hatten, den anderen Interessierten gerne zeigten. Nach Schließung der Grube war in dem Gebäude die Knappschaftskasse untergebracht, daher der Name „Zur Knappschaft“, einer Straße auf der anderen Hellerseite.

Museumsleiter Achim Heinz zeigte sich erfreut, wenige Meter weiter den Exkursionsteilnehmern drei lebende Exemplare der Gattung „Bergmannskuh“ (Ziegen) zeigen zu können. Die waren einst in Herdorf zahlreicher als die menschlichen Einwohner, doch heute sieht man sie nur noch selten.

Letzter Haltepunkt der Wanderung war dann der ehemalige Zechenplatz der Grube Bollnbach, der unweit des Zechenhauses auf der anderen Hellerseite liegt. Dazu wechselte die Gesellschaft nur kurz über die vor wenigen Wochen neu errichtete Fußgängerbrücke. Von diesem Zechenplatz aus hat Peter Weller etwa 1913 das bekannte Foto gemacht, mit dem das Bergbaumuseum auch für diese Wanderung geworben hatte. Der Herdorfer Maler Walter Helsper hat die gleiche Ansicht als Gemälde festgehalten. Auf beiden Bildern ist der ehemalige Förderturm der Grube Bollnbach noch gut zu erkennen.
Nahe beieinander gelegen verliefen die Erzgänge der beiden Gruben jedoch unterschiedlich. Der Erzgang der Grube Bollnbach verlief in südliche, der Erzgang der Grube Stahlert in westliche Richtung. So wurde die Grube Stahlert im Jahr 1909 zur Betriebsabteilung von Bollnbach. Im Jahr 1926 wurde die Förderung wegen Erschöpfung der Lagerstätte eingestellt. (anna)

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