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Nachricht vom 19.04.2008    

Chancen der "Realschule plus" nutzen

Für eine stärkere Förderung von Berufsorientierung an rheinland-pfälzischen Schulen plädiert die Handwerkskammer (HwK) Koblenz. Sie richtet dabei besonders das Auge auf die im Rahmen der Schulstrukturreform geplante "Realschule Plus".

Region/Koblenz. Welche Rolle sollen Berufsorientierung, die berufliche Bildung und die individuelle Förderung von Jugendlichen künftig im rheinland-pfälzischen Schulsystem spielen? Nach Ansicht der Handwerkskammer Koblenz eine sehr große. Der aktuelle Gesetzesentwurf der Landesregierung für eine neue allgemein bildende Schulstruktur aus Realschule plus und Gymnasium beziehungsweise Gesamtschule beantwortet diese Themen nach Einschätzung der HwK allerdings nur unzureichend. Zwar betone das Bildungsministerium in seinen Zielen zur neuen Schulstruktur die Bedeutung dieser Themen und gerade auch einer Berufsorientierung in der Sekundarstufe I. Es fehle aber bislang ein schlüssiges pädagogisches Konzept, wie diese umgesetzt werden sollen.
Ein Kritikpunkt der HwK ist auch, dass die neue Realschule plus rein schulische Bildungswege ausbaue, beispielsweise zur Fachhochschule. Damit drohe die gerade für die mittelständische Wirtschaft des Landes wichtige berufliche Bildung als Qualifizierungs- und Karriereweg beispielsweise auch für leistungsstarke Jugendliche beeinträchtigt zu werden.
"Mit der Einführung einer neuen Schulstruktur müssen alle jungen Menschen stärker individuell gefördert und auf Beruf und Ausbildung vorbereitet werden. Die geplante Realschule plus sollte daher für alle Begabungen den Schritt in eine duale Ausbildung stärken. Entsprechend dürfen nicht vorrangig der Erwerb der Fachholschulreife als das eigentliche Bildungsziel und die duale Ausbildung vornehmlich als Alternative für leistungsschwächere Schüler erscheinen", so die Kammer.
"In der vorliegenden Form für ein neues Schulgesetz fasst die Realschule plus scheinbar die Bildungsaufträge von Hauptschule, Realschule, Integrierter Gesamtschule und Regionalschule – nämlich Berufsreife und studienbezogene Bildungsgänge – zusammen. Tatsächlich soll ein zusätzlicher, schulischer Weg zur Fachhochschule in Form einer neuen Fachoberschule eingeführt werden. Damit droht die Berufsbildung in der öffentlichen Wahrnehmung in die Ecke eines Bildungsganges für Leistungsschwächere gedrängt zu werden. Eine derartige Tendenz wäre für die Sicherung der dringend erforderlichen Fach- und Führungskräfte in den mittelständischen Betrieben, die die Wirtschaft und Beschäftigung im Lande prägen, verhängnisvoll."
"Eine moderne Schule muss für leistungsschwächere wie -stärkere Jugendliche gezielt eine Berufsorientierung bieten", appelliert die HwK deshalb an die Landesregierung. Dies müsse in der Gesetzesvorlage deutlicher in den Mittelpunkt gestellt werden als nur als Bildungsauftrag eines besonderen Teilbildungsganges der Realschule plus. In dem Gesetzesentwurf kommen nach Ansicht der Handwerkskammer konkrete Bildungsziele und Unterrichtsinhalte zu kurz. Sehr ausführlich würden hingegen Schulstrukturen diskutiert.
Eine Diskrepanz sieht die HwK auch in der erklärten Zielsetzung, jeden Schüler individuell zu fördern und der geplanten Umsetzung dieses Anspruchs im neuen Schulgesetz. "Wenn die Politik es ernst meint mit dem Ziel, dass möglichst kein Schüler ohne Abschluss die Schule verlässt, dann sollte dies eine ganz grundsätzliche Aufgabe der Realschule plus sein und nicht nur die von einigen ausgewählten Schulen an ausgewählten Standorten, wie es in dem Gesetzesentwurf steht", hebt die HwK Koblenz hervor. Die geplante gemeinsame Orientierungsstufe (Klassen fünf und sechs) mit geringen Klassengrößen sei dagegen zu begrüßen, da sie pädagogisch differenzierte Förderung ermöglichen könne.
Jugendlichen, die sich für eine Ausbildung im dualen System entscheiden, stünden alle Wege offen - sei es über eine Fortbildung innerhalb des Handwerks zum Meister und Chef des eigenen Unternehmens oder durch ein Studium in eine anschließende Führungsposition im Handwerk. Dies gelte gerade auch für leistungsstarke Schüler. Die Realschule plus sollte daher bewusst als attraktive Alternative zu rein schulischen beruflichen Bildungswegen verstanden werden.
Die Schulreform solle in Rheinland-Pfalz bewusst als Chance genutzt werden, die Gleichwertigkeit schulischer und beruflicher Bildung weiter auszubauen, also einen klaren Weg vom Sekundar I-Abschluss und einer Berufsausbildung zu einem Studium aufzuzeigen. Dieser Mehrwert einer beruflichen Bildung müsse gerade im Bewusstsein der Eltern, die vor der Schulwahl ihrer Kinder stehen, stärker verdeutlicht werden.
Informationen bei der HwK Ausbildungsberatung, Telefon 0261/398-221, Telefax 0261/398-994, ausbild@hwk-koblenz.de, www.hwk-koblenz.de.


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