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Nachricht vom 12.02.2014 - 17:55 Uhr    

Ergänzungstarifvertrag bei Federal Mogul hat Chancen

Unsicherheit rund um die etwa 380 Arbeitsplätze bei Federal Mogul in Herdorf und vor allem Diskussionen um einen Tarifvertrag mit Rechtsunsicherheit führten jetzt dazu, dass die IG Metall und der Betriebsratsvorsitzende an die Öffentlichkeit gingen. Die ersten Verhandlungen sind gescheitert, aber man sucht gemeinsam weiter nach Lösungen.

Große Einstimmigkeit herrschte bei der Betriebsversammlung am vergangenen Freitag. Fotos: IG Metall

Betzdorf/Herdorf. Zu einem informativen Gespräch bezüglich der jüngsten Ereignisse bei Federal Mogul in Herdorf hatten der Bevollmächtigte der IG Metall Geschäftsstelle Betzdorf, Claif Schminke, und sein Stellvertreter und Betriebsratsvorsitzender bei Federal Mogul, Bruno Köhler, eingeladen.

Derzeit herrschen Unsicherheit und Unklarheit über den Fort- und Ausgang von Verhandlungen über eine Betriebsvereinbarung. Das Thema hat sich natürlich über die Grenzen des Betriebsgeländes hinaus, in Familien, Freundeskreisen und anderen Ebenen herumgesprochen. Um nun etwas mehr Klarheit in das Geschehen zu bringen, sind Schminke und Köhler an die Öffentlichkeit gegangen.

Derzeit wird in der Herdorfer Niederlassung des Konzerns an einem Ergänzungstarifvertrag gearbeitet, der für die 380 Mitarbeiter keine wesentlichen finanziellen Einbußen, sowie eine Arbeitsplatzsicherheit für die nächsten Jahre beinhalten soll, so formulierte es Köhler.
Hintergrund dieser Bestrebungen ist die Tatsache, dass in 2006 eine Betriebsvereinbarung zur Standortsicherung mit einer Arbeitszeitfestlegung auf 37,5 Std von Arbeitgeber und Betriebsrat unterzeichnet wurde. Nach dieser Vereinbarung wird mit beiderseitigem Einverständnis bis zum heutigen Tage gearbeitet, obwohl der Vertrag auf Grund eines Formfehlers keine rechtliche Grundlage aufweist.

Seit nunmehr einem Jahr sind beide Vertragspartner nun dabei, eine Rechtssicherheit zu schaffen. Seitens des Arbeitgebers wirft der Betrieb in Herdorf jedoch nicht genügend Gewinn ab und es kamen Vorschläge zu Einsparungen. Diese Einsparungen sollten jedoch gänzlich zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. In der „Giftliste“, wie Schminke das Papier bezeichnete, war von Kürzungen beim Urlaubsgeld, beim Weihnachtsgeld und der Sonderzulagen die Rede. Dies hätte einen Einkommensverlust von 20 bis 25 Prozent monatlich für die einzelnen Mitarbeiter bedeutet, festgesetzt auf einen Zeitraum von fünf Jahren.

Eine Summe, die vom Betriebsrat und der IG Metall natürlich nicht akzeptabel ist. Wie Schminke erklärte, sind die Mitarbeiter der Firma Federal Mogul äußerst motivierte Arbeitskräfte, die sich mit dem Unternehmen identifizieren. Über die Arbeitsabläufe hingegen sind viele Mitarbeiter schon seit einiger Zeit sehr unzufrieden. Also haben sie in einer Betriebsversammlung 102 Verbesserungsvorschläge zur Arbeitsoptimierung eingereicht, wie zum Beispiel den der Schrottminimierung.
Köhler erläuterte, die Mitarbeiter sähen ein besseres Einsparungspotential mit Langzeitwirkung, wenn die Qualität der Arbeitsabläufe und der Produkte erhöht werde und man somit am Markt besser aufgestellt sei. Schminke sagte, daher verfolge man nun das Projekt „Besser statt billiger“. Hinsichtlich dieses Projektes seien auch schon zwei Arbeitssitzungen erfolgt, zu denen der Arbeitgeber auch immer einige der Mitarbeiter freistelle. Seitens der IG Metall wurde die Technologieberatungsstelle mit ins Boot genommen und auch von der Gewerkschaft finanziert.
Parallel laufen die Verhandlungen für den Ergänzungstarifvertrag weiter und die Arbeitgeberseite hat Ende Januar in einem neuen Angebot die 40 Stunden Woche wieder ins Gespräch gebracht. Am vergangenen Freitag (7.2.) wurde dieses Angebot in einer Betriebsversammlung im Knappensaal in Herdorf von den Mitarbeitern natürlich abgelehnt. Dienstag, den 11. Februar fand nochmals ein Sondierungsgespräch in Frankfurt statt, wobei keine Einigung erzielt werden konnte. Seitens der IG Metall erklärte Schminke diese Verhandlung danach für gescheitert.
Dies wiederum habe auf Arbeitgeberseite zu einem Einlenken geführt. Die gesamten Gespräche seien bis dato alle sachlich verlaufen, so Schminke. Köhler fügte hinzu, es habe zu keiner Zeit Drohungen seitens des Arbeitgebers hinsichtlich Entlassungen oder gar einer Schließung gegeben. Im gegenseitigen Einvernehmen strebe man nun eine Lösung an, mit der beide Parteien leben könnten.

Köhler äußerte Verständnis dafür, dass ein Unternehmen natürlich Gewinne erzielen muss, doch gebe es eben auch andere Möglichkeiten als nur bei den Mitarbeitern zu sparen. Das angestoßene Projekt „Besser statt billiger“, soll daher auch ein fortlaufender Prozess sein. Ein nächstes großes Treffen ist für den 28. Februar in Herdorf vorgesehen, den Abschluss des Ergänzungstarifvertrages sieht Schminke etwa Ende April, Anfang März.

Der Dichtungsproduzent, Zulieferer der Automobilindustrie, nahm 1969 in Herdorf, damals noch unter dem Namen Goetze-Werke die Produktion auf. Seit 1999 gehört das Werk zu dem amerikanischen Konzern Federal Mogul. Derzeitiger Geschäftsführer ist Uwe Wülbers. Neben dem Werk in Herdorf gehören weitere 10 Werke innerhalb Deutschlands mit insgesamt 7.000 Mitarbeitern dem Konzern an. Weltweit gibt Federal Mogul 45.000 Menschen Arbeit. (anna)

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