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Nachricht vom 07.03.2014    

Wandergesellen auf der Walz machten Station in Forst

Mit Fiete „fremder Zimmerer“ Berghöfer aus Bad Oldesloe/Schleswig-Holstein und Gabriel „fremder Tischler“ Faber (Prüm/Wallersheim) sprachen zwei Wandergesellen bei der Ortsgemeinde Forst vor und erbaten einen Abdruck des Gemeindesiegels in ihrem Wanderbuch sowie eine kleine Wegezehrung. Fiete verband den Aufenthalt weiterhin damit, seinen in Forst wohnenden Großeltern Karl-Heinz und Marlies Berghöfer einen Besuch abzustatten.

Einen kurzen Stopp legten die sich auf der Walz befindlichen Tischler Gabriel (2.v.l.) und Zimmerer Fiete (2.v.r.) bei Ortsbürgermeister Jürgen Mai (rechts) in Forst ein. Fiete besuchte zudem seine dort wohnenden Großeltern Marlies und Karl-Heinz Berghöfer (weiter im Bild). Fotos: Rolf-Dieter Rötzel

Forst. Sie sind nicht zu übersehen. Die reisenden rechtschaffenen fremden Gesellen erkennt man sofort an ihrer Kluft. Gekleidet in schwarzer Cordhose mit ausgestellten Hosenbeinen, schwarzer Weste mit auffälligen Knöpfen, weißem Hemd, Hut, ihr Hab und Gut in ein Charlottenburger Tuch geknotet geht es drei Jahre und einen Tag auf die „Walz“.

Früher waren die Wanderjahre Bedingung, um den Meistertitel zu erwerben. Heute ist die „Walz“ freiwillig. Losgehen darf aber nur, wer die Gesellenprüfung bestanden hat, jünger als 30 Jahre, unverheiratet und unverschuldet ist.

Fiete ist Träger eines mit sechs Zacken versehenen wertvollen Ohrschmuckes. Die eingelassenen Zacken bedeuten, dass vor ihm bereits sechs Wandergesellen die Kostbarkeit trugen. Nach Beendigung der Wanderzeit wird Fiete den Ohrschmuck weitergeben; einen Nachfolger hat er bereits auserkoren.

Die Tradition der Wandergesellen reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Heute wird sie jedoch fast nur noch von Gesellen im Bauhandwerk ausgeübt. Dabei darf man seinem Wohnort nicht näher als fünfzig Kilometer kommen. Verboten ist auch die Mitnahme eines Handys oder eines sonstigen internetfähigen Gerätes. Die Entlohnung bei Handwerkern erfolgt nach Tarif; eine Beschäftigung darf nicht länger als drei Monate sein.

Im Gespräch mit dem AK-Kurier verglichen die beiden Wandergesellen die Wanderzeit mit einer praktischen Lebensschule, um sich im Beruf weiterzubilden und zwischenmenschliche Beziehungen auf der Grundlage des Völkerverständigungsgedankens zu pflegen. Im ersten Jahr sollte man sich in Deutschland, danach ein Jahr in Europa und das dritte Jahr außerhalb des Kontinents aufhalten.
„Wir sammeln somit ungezwungen und zum großen Teil auch unbewusst viele Erfahrungen“, bekundeten Gabriel und Fiete, die lobende Worte für die länderübergreifenden freundlichen Aufnahmen auf privater Seite als auch im handwerklichen Bereich fanden.

Der 28-jährige Gabriel ist seit einem Jahr auf der „Walz“. Nach ersten deutschen Stationen zog es ihn in die Schweiz, nach Österreich, Ungarn und Rumänien. Ein Jahr mehr hat bereits Fiete (24 Jahre) unter die Schuhsohlen genommen. Die Wanderschaft erfolgte quer durch Deutschland, dann nach Dänemark, Norwegen, Österreich, Ungarn und Rumänien.
Anfang Februar lernten sich die beiden Wandergesellen kennen. Sie beschlossen, sich auf den Weg nach Finnland zu begeben. Doch man landete in Tunesien. Keiner sprach französisch oder arabisch. „Wir haben uns gestenreich verständigt. Das klappte. Angetan waren wir von der Gastfreundschaft.“ Über Aachen und Köln kam man nun nach Forst, wo sich die Wege dann wieder trennen. Gabriel machte sich auf nach Leipzig; Fiete in Richtung Stade, um sich dann in südliche Gefilde zu begeben.
Überaus erfreut zeigten sich Marlies und Karl-Heinz Berghöfer, ihren Enkel Fiete während dessen kurzen Aufenthalts in Forst in die Arme nehmen zu können. Gemeinsam mit Ortsbürgermeister Jürgen Mai wurden die beiden Wandergesellen dann verabschiedet. (rö)



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