Werbung

Nachricht vom 28.03.2014    

Zufriedene Teilnehmer bei der Tagung "Leichte Sprache"

50 Teilnehmer aus dem Bundesgebiet nahmen an der Tagung in der Evangelischen Landjugendakademie teil, die sich mit dem Thema "Leichte Sprache" beschäftigte. Die Fortbildung gehört zur Themenreihe Inklusion und sie kam bei den Teilnehmern gut an. Neben Vorträgen wurde auch praktisch gearbeitet.

Trugen zu einer gelungenen Tagung bei, von links: Gastgeberin Anke Kreutz (Lja), Gisela Holtz vom Netzwerk Leichte Sprache, die Mit-Organisatoren Hans-Jürgen Volk (Evangelischer Kirchenkreis) und Christof Weller (Hiba), Journalistin Christiane Link sowie Redakteur Martin Weser und Chefredakteurin Katja de Brangança vom "Ohrenkuss" in Bonn. Foto: Thorsten Ladda

Altenkirchen. Leichte Sprache ist ein Thema, das vielen Menschen unserer Gesellschaft das Leben leichter machen würde. Deshalb freuten sich die 50 Teilnehmenden der Tagung: "Behinderte Sprache oder behindert Sprache?" in der Evangelischen Landjugendakademie (Lja) Altenkirchen: Die Verwaltungsmitarbeiter, Pädagogen, Kirchenvertreter, Interessenvertreter von Menschen mit Behinderung und Medienschaffenden, die zum Teil aus Tübingen und Bielefeld kamen, dass sie aus den fundierten Vorträgen und impulsgebenden Workshops viel für den eigenen Berufsalltag mitnehmen konnten.

Menschen, die wenig lesen und schreiben können, Senioren, Einwanderer und Gehörlose, aber auch alle anderen profitieren von einfacher Sprache, machte Christiane Link deutlich. Die Journalistin aus London hatte als Praktikantin in der Logoredaktion des ZDF das Zuschauertelefon betreut. "90 Prozent der Anrufer waren Erwachsene, die Fragen hatten", berichtete sie. "Einfache Sprache erreicht viele Menschen", so Link.
In Großbritannien leben behinderte Menschen selbstverständlich in der Gesellschaft, erfuhren die Zuhörer. So würde auch über sie berichtet. Anders in Deutschland: Menschen mit Behinderung seien in den Medien oft arme, unselbstständige Wesen. Es werde sogar die journalistische Grundregel, dass bei Porträts der Porträtierte zu Wort kommen muss, außer Kraft gesetzt und nur mit den Eltern oder Betreuern gesprochen.

"Ich sage immer: Wir sind nicht behindert, wir werden behindert.", bekräftigte Michael Schuller vom Werkstattrat der Lebenshilfe. "Berührungsängste schaffen Barrieren. Dabei verändert es Menschen, wenn sie Kontakt zu behinderten Menschen haben," schloss Link.

Wie sehr, zeigte die Lesung von Martin Weser. Er ist Redakteur des "Ohrenkusses" in Bonn. Der Journalist aus dem Westerwald berührte mit persönlichen und literarischen Texten über sein Heimatdorf, den Lauf der Phantasie und einer Packliste für die Reise auf eine einsame Insel die Zuhörenden.

"Ohrenkuss"-Chefredakteurin Katja de Bragança stellte die unabhängige Zeitung aus Bonn vor. Vor 15 Jahren gegründet, wird die komplette Zeitung von Menschen mit Down-Syndrom gemacht. Finanziert wird der "Ohrenkuss" von Abonnenten aus ganz Deutschland und dem Ausland. Nun gibt es die Zeitung auch in Englisch. Spanisch und Japanisch sollen folgen. "Wir wollen die Welt erobern", so de Bragança.

Für sich selbst und ihre Kollegen in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung treten die Mitglieder des Werkstattrats der Lebenshilfe ein. Peter Schmallenbach, erster Vorsitzender, stellte die Interessenvertretung vor. Sie gehen auf Wünsche der Mitarbeiter ein, sorgen für Anschaffungen und vermitteln bei Problemen, so Schmallenbach. Dabei arbeitet der Werkstattrat eng mit der Werkstattleitung, dem Eltern- und Betreuerbeirat sowie dem Betriebsrat zusammen. "Wir organisieren und vertreten uns selbst, von Mitarbeitern für Mitarbeiter", so der erste Vorsitzende.

"Leichte Sprache ist keine Kindersprache", machte Referentin Gisela Holtz, Vorstandsmitglied vom Netzwerk Leichte Sprache, klar. Damit werden vor allem Erwachsene angesprochen, die Lernschwierigkeiten oder Demenz haben, nicht so gut Deutsch sprechen oder nicht so gut lesen können. Letztendlich profitieren aber alle davon. Denn juristische und geschäftliche Schreiben oder Anträge von Behörden zum Beispiel sind oft sehr unverständlich formuliert. Hier würde Leichte Sprache Fehler vermeiden helfen und Barrieren abbauen.

Für Leichte Sprache gibt es klare Regeln: Kurze Sätze, einfache und kurze Wörter, aktive und positive Sprache und kontrastreiche Schrift ohne Schnörkel sind dabei wichtige Punkte. Das übten Teilnehmende in dem Workshop von Gisela Holtz am Nachmittag. So tun, als ob sie Down-Syndrom hätten und deshalb für den "Ohrenkuss" schreiben durften Interessierte zusammen mit Martin Weser und Katja de Brangança.
Einen Aufmacher in einfacher Sprache über die Veranstaltung verfasste Christiane Link mit ihrer Gruppe. Einen besonderes Thema hatte Mitorganisator Hans-Jürgen Volk vom Evangelischen Kirchenkreis in Altenkirchen: Der Eichelhardter Pfarrer bereitete gemeinsam mit Interessierten einen "Gottesdienst für alle" vor, wie sie regelmäßig in seiner Kirche in Eichelhardt gefeiert werden.

Mit der Tagung setzten die Veranstalter ihre Reihe zum Thema Inklusion fort. Dem Organisatorenteam Anke Kreutz von der Evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen, Christof Weller vom Hiba in Wissen, Hans-Jürgen Volk vom Evangelischen Kirchenkreis Altenkirchen und Maja Wagener von Formwerk5 in Kroppach war es wichtig, den Teilnehmenden konkrete Ergebnisse mit nach Hause zu geben. Das gelang – die Teilnehmer waren zufrieden und lobten daneben die freundliche Atmosphäre in der Landjugendakademie.

Hinweis: Mit der nächsten Veranstaltung stellen Hiba, Evangelischer Kirchenkreis und Evangelische Landjugendakademie den Weißen Ring vor. Dann erklärt Dieter Lichtenthäler vom Weißen Ring, welche Opferhilfen es für Menschen mit Behinderung gibt. Der Weiße Ring kümmert sich um Opfer von Straftaten und Gewalt. Termin ist Dienstag, 7. Oktober 2014 um 19 Uhr im Kuppelsaal der Verbandsgemeinde Wissen in Wissen.


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Altenkirchen-Flammersfeld auf Facebook werden!


Kommentare zu: Zufriedene Teilnehmer bei der Tagung "Leichte Sprache"

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


Erstes Fazit: Gastronomie erholt sich kaum von Corona-Krise

Die Gastronomie ist unter Auflagen wieder geöffnet. Das Fazit nach wenigen Tagen fällt ernüchternd aus. Die Umsätze pendeln sich auf niedrigem Niveau ein und reichen so gut wie nicht aus, die Kosten zu decken. Die während des Corona-Lockdown vielfach geäußerte Sympathie von Kunden "Wenn wir wieder in Dein Restaurant kommen können, sind wir da" bleibt auf der Strecke. Ein erstes erschreckendes Fazit wurde am Freitag (22. Mai) in Marienthal gezogen: Die Branche nagt (noch) am Hungertuch.


Zeugen gesucht: Unbekannter stiehlt hochwertiges Mountainbike

Ein bislang unbekannter Täter hat am 18. Mai gegen 8.30 an der Hauptstraße in Niederdreisbach ein Fahrrad gestohlen. Es handelt sich um ein hochwertiges Mountainbike der Firma TREK, der Sachschaden beträgt ca. 3.500 Euro. Die Polizei sucht Zeugen.


17-Jährige wird beim Joggen von Baumstamm überrollt

Zu einem ungewöhnlichen Unfall in einem Waldgebiet in Herdorf kam es am Freitag, 22. Mai, gegen 19 Uhr. Dabei wurde eine 17-jährige Läuferin von einem Baumstamm überrollt und verletzt.


Bewohnerin im Haus St. Klara in Friesenhagen positiv getestet

Das Altenkirchener Kreisgesundheitsamt informiert am Sonntag über einen Covid-19-Fall in der Friesenhagener Wohn- und Pflegeeinrichtung Haus St. Klara: Eine Seniorin, die mit Hauptwohnsitz im Kreis Siegen-Wittgenstein gemeldet ist und deshalb in der dortigen Corona-Statistik geführt wird, ist hier Mitte Mai eingezogen.


Nicole nörgelt… über den Sperrmüll gegenüber

GLOSSE | Er tut mir ja fast ein bisschen leid. Morgen ist Sperrmülltag und dieses traurige Gesicht, mit dem er jetzt schon seit mindestens zehn Minuten neben dem Möbelstapel vor der Gerageneinfahrt steht, könnte einem fast ans Herz gehen. Aber seine Freundin ist unerbittlich.




Aktuelle Artikel aus Region


Senioren freuen sich über Regenbogen-Aktion der Post

Altenkirchen. Stefan Hausburg und Ingo Hofmann, Mitarbeiter der Deutsche Post DHL, überreichten einen Präsentkorb an Heimleiter ...

„Hate Speech“ machte den Auftat zur Online-Veranstaltung

Betzdorf. Über 20 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 12 und 23 Jahren hatten sich neben Fachkräften zum Thema ...

Eiche an der Langen Bank fiel der Trockenheit zum Opfer

Katzwinkel/Elkhausen. Noch im vergangenen Jahr wurde die Lange Bank samt Wanderschild vom Lange-Bank-Team mit den Porzhartfreunden ...

3D-Druck macht es möglich: Gesichtsvisiere gegen Corona-Viren

Altenkirchen/Kreisgebiet. Beim Kreismedienzentrum in Altenkirchen beispielsweise laufen die Fäden bei der stellvertretenden ...

Energietipp: Unterdach – winddicht und durchlässig

Kreis Altenkirchen. Meist fällt bei der Unterdachkonstruktion die Entscheidung zwischen einer sogenannten Unterspannbahn, ...

Bewohnerin im Haus St. Klara in Friesenhagen positiv getestet

Altenkirchen/Friesenhagen. Zuvor wurde die Seniorin negativ auf eine Covid-19-Infektion getestet. Nach ihrem Einzug wurde ...

Weitere Artikel


Irish Spring Festival bringt besondere Künstler in die Region

Altenkirchen. Mit diesem anspruchsvollen, authentischen Abend irischer Musik läutet das Kulturbüro Haus Felsenkeller am Dienstag, ...

Birgit Zeitlers Gedichte beeindruckten

Birgit Zeitlers Gedichte beeindrucken Zuhörer im „oos Betzdorf“
Kreativreihe: Am 5. April nächste Lesung mit Micha Krämer ...

Fortbildungen im Betreuungsrecht

Altenkirchen. Vor 22 Jahren trat das Betreuungsrecht in Kraft. An die Stelle der ehemaligen Vormundschaften und Pflegschaften ...

Tanja Corbach gestaltet 700 Stühle für Altenkirchen

Steimel. Unter www.700jahre-700stuehle.de sind die ersten 92 Stühle zu entdecken und zu bestaunen. Interessierte können sich ...

LKW prallte auf Traktor: Traktorfahrer starb an der Unfallstelle

Atzelgift/Luckenbach. Zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang kam es auf der L 288 zwischen den Abfahrten Luckenbach ...

Vermisst seit Dienstag: Renate Alfter aus Wissen

Wissen. Seit den Mittagsstunden des 25. März wird die 80-jährige Renate Alfter aus der Hachenburger Straße in Wissen/Sieg ...

Werbung