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Nachricht vom 10.04.2014    

Thema "Sucht im Alter" beleuchtet

Eine Vortragsveranstaltung in den Räumen der Tagespflege Giebelwald stieß auf positive Resonanz. Das Thema Medikamentenabhängigkeit und Sucht im Alter behandelten Fachleute aus verschiedenen Bereichen. Ein bislang eher nicht öffentlich diskutiertes Problem stellt Pflegeeinrichtungen und Pflegende vor neue Herausforderungen.

Auf reges Interesse stieß die Informationsveranstaltung zum Thema Sucht im Alter. Foto: pr

Kirchen. Bundesweit sind fast zwei Millionen Menschen abhängig von Medikamenten. Bezogen auf den Kreis Altenkirchen bedeutet dies, dass es hier statistisch gesehen rund 3000 Betroffene gibt. „Es sind also mehr Menschen medikamenten- als alkoholabhängig“, stellt Helmut Ermert, Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt Kirchen, während einer Informationsveranstaltung in der Tagespflege Giebelwald fest.

In der Einrichtung, deren Hauptgesellschafter die Diakonie in Südwestfalen gemeinsam mit dem Förderverein der Ökumenischen Sozialstation Betzdorf-Kirchen ist, referierten Fachleute aus verschiedenen Bereichen über das Thema Sucht im Alter.
„Bei rund vier Prozent aller Patienten gibt es einen problematischen Arzneimittelgebrauch“, sagt Claudia Henke aus der Gertruden Apotheke in Kirchen. „Dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer.“ Viele von ihnen bringen die Sucht aus der Mitte ihres Lebens mit. Wege in die Sucht sind beispielsweise Stress, Konflikte und fehlende Anerkennung.

„Wenn Medikamente immer häufiger und länger oder in einer zunehmend höheren Dosis eingenommen werden, sind dies Anzeichen für eine Abhängigkeit“, erklärt die Apothekerin. „Oft tolerieren Betroffene auch einen hohen Zeitaufwand, um die Medikamente zu besorgen und ignorieren gesundheitliche Schäden.“ Henke schildert, dass viele medikamentenabhängige Menschen in unterschiedlichen Apotheken einkaufen, um ihren hohen Verbrauch zu verbergen. Es kommt auch vor, dass Rezepte gefälscht werden. Grundsätzlich können verschiedene Arzneimittel süchtig machen. Hierzu zählen unter anderem Beruhigungs-, Schlaf-, Schmerz-, Erkältungs- und Abführmittel sowie Appetitzügler. „Beruhigungsmittel machen schon in niedrigen Dosen abhängig“, sagt Henke. „Auch alkoholhaltige Medikamente können problematisch sein.“ In diesem Fall gibt es die Möglichkeit, von Tropfen auf Dragees umzusteigen oder die Tropfen in heißes Wasser zu geben – dabei verflüchtigt sich der Alkohol.




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Franz-Josef Gokus von der Suchtberatungsstelle der Caritas in Betzdorf erklärt, dass die Nebenwirkungen von Alkohol und Medikamenten oft als Alterserscheinungen dargestellt werden. „Das Eingeständnis einer Sucht erleben Betroffene häufig als beschämend.“ Gokus sagte auch, dass sich der Alkoholkonsum älterer Menschen von dem jüngerer unterscheidet: „Bei älteren Menschen gibt es keine ‚Besäufnisse’, der Konsum findet über den Tag verteilt in den eigenen vier Wänden statt.“

Als Hinweise für eine Alkoholabhängigkeit nennt er wiederholte Stürze, nachlassende geistige Fähigkeiten, Interessenlosigkeit, Vernachlässigung der Körperpflege, Appetittlosigkeit und Stimmungsschwankungen.

Ein Angebot für suchtkranke Menschen ab einem Alter von ungefähr 40 Jahren stellte die Hausleiterin des Azurit Seniorenzentrums in Birken, Stefanie Tiede, gemeinsam mit der Pflegedienstleiterin Christine Weishaupt vor. In dem Seniorenzentrum gibt es einen speziellen Wohnbereich mit 26 Plätzen für Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen. „Wir möchten einen abstinenten Lebensstil der Betroffenen fördern“, erklärt Weishaupt. Kontrollierter Konsum von Suchtmitteln unter pflegerischer und ärztlicher Aufsicht sei jedoch möglich. „Mit unserem Angebot wirken wir der Vereinsamung der Betroffenen entgegen und motivieren sie zu einem strukturierten Leben.“ Die Erfahrung zeige, dass auch Bewohner, die noch nicht abstinent leben, ihr Verhalten in der Gruppe oft ändern.

Seniorenbeirats-Vorsitzender Helmut Ermert und Franz-Josef Heer, Leiter des Pflegestützpunktes Kirchen, dankten den Referenten und Gästen. „Wir möchten das Thema Sucht im Alter in die Öffentlichkeit rücken und so für die Problematik sensibilisieren.“


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