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Nachricht vom 03.06.2014    

Pilotprojekt gegen Gewalt und Mobbing gestartet

Mobbing und Gewalt an Schulen ist keine Seltenheit und kann noch bis ins Erwachsenenalter psychische Schäden nach sich ziehen. Der „Weiße Ring“ startete nun ein Pilotprojekt an der Brucher Grundschule, um hier vorbeugend aktiv zu werden. Vor Ort zeigt sich: Mit trockener Theorie hat das wenig zu tun.

Julia Kolditz will den Grundschulkindern beibringen: Gewalt ist keine Lösung und "Nein-sagen" macht stark. Fotos: Daniel Pirker

Betzdorf. Stephen bäumt sich bedrohlich auf und stürzt auf Julia zu, um sie zu schubsen. Da hat er sich aber die Falsche ausgesucht. Denn Julia nimmt ihrerseits eine dominante Pose ein und brüllt aus vollem Leib: „Verdammt, lass das!“ Stephen lenkt ein.

Nur ein Rollenspiel, das aber durchaus im Alltag vorkommen kann. Vor allem im Schulalltag. Eine Klasse von Drittklässlern der Christophorus-Grundschule in Betzdorf-Bruche lernt nun, wie man sich gegen Gewalt und Mobbing zur Wehr setzt. Und Julia und Stephen sind die Trainer, wobei Stephen Solbach Julia Kolditz nur an diesem Vormittag assistiert.
Die Kinder, noch im Kreis auf dem Turnhallenboden sitzend, staunen. Nun sind sie selbst dran. Die fünf Mädchen und neun Jungs verteilen sich in der Halle, stürmen aufeinander zu und wehren sich ab – betreut von der angehenden Sozialarbeiterin Kolditz und Solbach, den sie über ihren Teakwondo-Verein kennt. Auch eine Integrationshelferin ist dabei und die Klassenlehrerin Tanja Suleder. Später rempeln sich die Neun- bis Zehnjährigen an und lösen feste Handgriffattacken am Arm oder Shirt auf.

Den Kleinen machen die Übungen sichtlich Spaß. Aber der Spaß hat einen ernsten Hintergrund. Immerhin werden während ihrer Schullaufbahn bis zu 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland schikaniert, angegriffen und ausgegrenzt. Die mögliche Folge: psychische Störungen, die bis ins Erwachsenenalter hinein wirken. Dem wollte die Klassenlehrerin Suleder zuvorkommen: „Mein Beweggrund war, so früh wie möglich anzufangen.“ Schließlich sei Mobbing bereits in Ansätzen allgemein an Grundschulen erkennbar.
Nachdem sie in den Medien über eine Anti-Mobbing-Veranstaltung des „Weißen Rings“ gelesen hatte, wandte sie sich an den Leiter der Außenstelle für den AK-Kreis, Dieter Lichtenthäler. Der stellte schließlich den Kontakt mit der Trainerin Julia Kolditz her und geboren war ein neues Pilotprojekt des Vereins zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und Verhütung von Gewaltopfern.
Die 22 -Jährige qualifiziert sich nicht nur für einen Schwarzgurt in Teakwondo. In verschiedenen Praktika konnte sie sich außerdem entsprechende Fähigkeiten aneignen. Daneben schreibt sie ihre Bachelorarbeit über „Aufwachsen mit Gewalt“. Bei den wöchentlichen Trainingseinheiten mit den Grundschülern, insgesamt sind es fünf a zwei Stunden, geht es ihr vor allem darum zu zeigen, wie man Gewalt ausweicht.



Regel Nr. Eins, erklärt sie den Knirpsen, ist: Weglaufen. „Das ist nicht feige, sondern mutig.“ Und bei den Selbstverteidigungskniffen gehe es auf keinen Fall darum, jemand anderem wehzutun. Viel eher lernen die Drittklässler aus der Opferrolle auszubrechen und klar zu machen: „Das passt mir nicht.“

Auch verinnerlichen die Kinder, wie man konstruktiv mit eigener Wut umgehen kann – ohne andere zu schädigen, angelehnt an dem Motto des Landessportbundes „Locker bleiben – ohne Gewalt gewinnen“. Immer wieder bildet sich ein Sitzkreis in der Mitte der Halle. Hier demonstriert Julia Kolditz zusammen mit Stephen dann nicht nur, wie man sich gegen körperliche Angriffe wehrt – auch übt die ehrenamtliche Trainerin Kommunikationsstrategien gegen Mobbing mithilfe von Rollenspielen mit den Grundschülern ein. (ddp)


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