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Nachricht vom 27.06.2008    

Ein wenig menschliche Wärme

Das Thema Armut ist längst im Kreis Altenkirchen angekommen. Wer wüsste das besser als die Arbeiterwohlfahrt. Mit ihrem "Teehaus" in Hamm möchte sie ein Stück Solidarität mit denen üben, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Dafür braucht es Partner und Geld, erstere gibt´s schon reichlich, letzteres gibt´s für diese Aufgabe nie genug. Am Freitagmorgen wurde das "Teehaus" offiziell seiner Bestimmung übergeben.

eröffnung teehaus

Hamm. Armut ist die eine Sache. Schlimm genug, dass es sie in einer eigentlich reichen Gesellschaft gibt. Einsamkeit ist die andere Sache. Durch die Armut bedingt. Und bloß nicht alt werden und arm sein. Deshalb ist das "Teehaus" der AWO in der Hammer Siegstraße 15 angetreten, diesen Menschen, die in der Welt der Neoliberalen keinen Platz mehr haben, zu helfen. Ihnen etwas zu Essen und ein wenig menschliche Wärme zu geben. Das "Teehaus" in Hamm ist nicht nur Anlaufstelle, um etwas in den Magen zu kriegen, ein reichliches Frühstück zu bekommen, sich neu zu kleiden für 1,50 Euro. Hier - pikanterweise früher mal ein Schmuck- und Uhrengeschäft - gibt es auch soziale Kontakte, nicht zuletzt Kommunikation. Hier wird das Schweigen gebrochen, das in der sozialen Isolation so lähmend ist.
Alleine ist dies aber nicht möglich. Deshalb sprach AWO-Kreisvorsitzender, MdL Thorsten Wehner, bei der Begrüßung der Gäste, darunter Landrat Michael Lieber, Bürgermeister Rainer Buttstedt und Ortsbürgermeister Hans Schmidt, auch von einer "Querschnittsaufgabe" der Politik. Einer Aufgabe, zu der alle gesellschaftlichen Kräfte ihren Beitrag leisten müssen. Ähnliche Angebote gibt es schon in Altenkirchen und Betzdorf, erinnerte Wehner, da sei es an der Zeit gewesen, auch im Raunm Wissen/Hamm zu reagieren. Dabei halfen, und dafür dankte Wehner ausdrücklich, Verbands- und Ortsgemeinde nach ihren Möglichkeiten. Aber auch die Vertreter von Caritas, DRK und ARGE begrüßte Wehner herzlich. Auch von hier komme Unterstützung. Dank sagte der AWO-Kreisvorsitzende auch allen, die vor Ort mitgewirkt haben, dass das Haus renoviert werden konnte und nun seit einigen Monaten schon seinem Zweck zur Verfügung steht.
Landrat Michael Lieber hoffte in seinem Grußwort, dass diese Arbeit der Arbeiterwohlfahrt in Hamm Bestand haben werde. Das Netzwerk gegen Armut, so Lieber, müsse noch weiter ausgebaut werden. In diesem Netzwerk sei die "Teestube" ein wichtiger Bestandteil. Wichtig sei, das sieht auch Lieber so, das Angebot über das Frühstück hinaus. Kommunikation und soziale Beziehungen seien ein wichtiges Element dieser Begegnungsstätte.
Bürgermeister Rainer Buttstedt sagte, die Eröffnung des "Teehauses" sei zum einen "eine Sache der Freude". Zum anderen sei es aber auch wenig positiv zu sehen, zeige die Notwendigkeit dieser Einrichtung doch, dass ein Wandel in der Gesellschaft stattgefunden habe, "der uns sehr zu Schaffen" macht. Buttstedt hofft, dass das Haus ein Ort der Kommunikation wird "unter dem Blickwinkel der Solidarität". Das "Teehaus" sei eine wichtige Zelle im Netzwerk des Kreises, sagte Buttstedt.
Eda Jahns, Vorsitzende des Betreuungsvereins der Arbeiterwohlfahrt, sagte, AWO, Verbandsgemeinde und Ortsgemeinde sei zu diesem Werk zu gratulieren. Wenn diese weiter so gut zusammenarbeiten, werde das Werk auch gelingen. Die AWO stelle sich mit diesem Projekt neuen Herausforderungen. Jahns: "Die Menschen können erkennen, wir sind nicht allein." Damit werde ihnen auch Mut gemacht, sich selbst zu helfen.
Ortsbürgermeister Hans Schmidt ging auch auf die wechselvolle Geschichte des Hauses ein. Schon Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts war beschlossen nworden, das Haus abzureißen - es sollte einem Straßenbauprojekt geopfert werden. Dann war es - wo ursprünglich ein Uhren- und Schmuckgeschät war - wieder ein Geschäftshaus und wurde auch als Wohnhaus genutzt. Schließlich habe man es gerne für das AWO-Projekt zur Verfügung gestellt. Diese Funktion könne es nun sicher noch einige Jahre erfüllen - bis dann endgültig der Bagger kommt. Aber, so Schmidt, "dann werden wir rechtzeitig für Ersatz sorgen."
AWO-Geschäftsführer Thorsten Siefert und Evelyn Schütz vom "Teehaus" stellten abschließend das Fundament des "Teehauses" und dessen Säulen vor, denn "ein Fundament braucht Säulen". Einmal ist hier das Frühstücksangebot (zum symbolischen Preis von einem Euro - auf Berechtigungskarte), zweites gibt es die "Klamottenkiste", wo preiswert - "gewaschen, aufgearbeitet und gebügelt" - hochwertige Kleidung zu erwerben ist. Einige "Models" präsentierten schmucke Kleidungsstücke aus dem Sotiment gleich den überraschten Gästen. Aber auch Veranstaltungen sollen regelmäßig im "Teehaus" stattfinden mit qualifizierten Referenten. Das Dach schließlich bilden die Kooperationspartner und die vielen Sponsoren - inzwischen schon über 40 - sowie die ehrenamtlichen Helfer. Siefert abschließend: Das "Teehaus" wolle den Menschen, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden, helfen und ihnen Zuversicht und Gewissheit geben, dass sie nicht alleine sind. (rs)
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AWO-Kreisvorsitzender Thorsten Wehner begrüßte die Gäste im "Teehaus", darunter Bürgermeister Rainer Buttstedt, Ortsbürgermeister Hans Schmidt und Landrat Michael Lieber (von links). Rechts neben Wehner AWO-Kreisgeschäftsführer Thorsten Siefert und die Vorsitzende des Betreuungsvereins, Eda Jahns. Fotos: Reinhard Schmidt


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