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Nachricht vom 07.09.2014    

Prächtige Geburtstagsfeier: 550 Jahre Oberwambach

Seit 550 Jahren gibt es den Ort Oberwambach, Grund genug für die Bürger des Westerwald-Ortes, zünftig zu feiern und an die mittelalterliche Entstehungszeit zu erinnern. Ein großer festlicher Umzug setzte das erste Ausrufezeichen: Oberwambach früher und heute!

Zwei Tage feierte Oberwambach im historischen Gewand seinen 550. Geburtstag. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Oberwambach. Wer eine bekanntermaßen gute Gemeinschaft hat wie der Ort Oberwambach, der versteht zu feiern. Deshalb folgten mehrere hundert Menschen gern der Einladung, an dem historischen Festgelage teilzunehmen. Die Dorfbewohner waren fast allesamt am viel bejubelten Festzug beteiligt, der am Samstag, 6. September, durch den Ort zog.

Zahlreiche Zuschauer kamen mittelalterlich gewandet, was dem gesamten Geburtstags-Bild ein besonderes Ambiente verlieh, da auch im geschmückten Dorf Reminiszenzen an frühere Zeit zu finden waren, zum Beispiel wurde der ehemalige Milchbock, auf dem die Bauern ihre 20-Liter-Milchkannen zur Abholung bereitstellten, wieder errichtet. Oswald Schüler im feinen Brokat und Andrea Tomasiello fungierten an beiden Tagen als Moderatoren. Am Samstag kommentierten sie die Zugnummern.

Als erste grüßte die Kreisstadt Altenkirchen die Oberwambacher „Geburtstagskinder“. Die waren mit verschiedenen Fahrzeugen und Fußgruppen unterwegs. Bäuerliches Leben zu Fuß, zu Pferd und mittels Traktoren wurde anschaulich dargeboten. Müller und Bäcker, Oldtimer, ein Nachbau des alten Schulgebäudes, mechanischer Heuwender und neuzeitliche landwirtschaftliche Maschinen schlugen den Bogen von anno dazumal ins 21. Jahrhundert. Viel festlich und bäuerlich gewandetes Fußvolk versinnbildlichte die vergangenen 550 Jahre. Die Kleinsten wurden im Ziehwägelchen oder auf Traktoren mitgenommen.

Natürlich kamen alle Nachbarn zum Mitfeiern. Die Steimeler brachten außer ihren Tennisspielern auch ihre hölzerne Muck mit. Für das richtige Marschtempo sorgte die Bindweidener Bergmannskapelle mit schwungvollen Melodien. Hoch auf dem Wagen hatten die Erbacher Kräuterfrauen ihren Spaß. Auf dem Prunkwagen thronte klümbchenwerfend der Elferrat. Sogar Elvis beehrte den Geburtstagszug mit seiner Anwesenheit im roten Cadillac.

Die Zuschauer durften Gebackenes und Gebrautes verkosten. Die Freude darüber währte nur bis zur Ankunft der historischen Feuerwehrtruppe, die mit Muskelkraft Wasserdruck aufbaute, der sich dann in einem erfrischenden Strahl über der Menge entlud. Der Spaß an der Wasserneckerei war den Wehrmännern deutlich anzusehen. Natürlich hat die Gemeinde heute modernere Geräte, die stolz mitgeführt wurden. Die schon legendäre rollende Mülltonne durfte auch nicht fehlen.

Der prachtvolle Zug endete in der Dorfmitte, wo das historische Festgelage dann richtig in Schwung kam.

Zwar verlief der Samstagabend nicht ganz störungsfrei, aber der Festsonntag im 440-Seelen-Dorf war umso friedlicher. Nach Gottesdienst und Frühschoppen kam mittags pünktlich zum Festakt sogar die Sonne durch die Wolken. Ungewohnte Dudelsackklänge, verursacht durch „Freddy the Piper“, riefen das Volk zum Beginn des offiziellen Programms in das Festzelt. Mittelalterlichen Paartanz zeigte die Gruppe „Munteres Geschrei“. Die Tänzer stammten alle aus dem Dorf.

Bürgermeister Achim Ramseger, standesgemäß in edlen Samt und Brokat gekleidet, betonte, dass das Fest nur möglich geworden sei, weil sich alle Oberwambacher in irgendeiner Weise beteiligt hätten. Viele Mitbürger hätten für ihre Auftritte wochenlang geprobt und gearbeitet. In einem kurzen Abriss der Planungen zum Jubiläum, sagte Ramseger, vor drei Jahren habe sich der Gemeinderat erstmals mit der Thematik befasst. Von der Idee eines mittelalterlichen Marktes sei man nach kurzer Zeit abgerückt zugunsten des historischen Festgelages. Zu diesem gehört eine Ausstellung im Gerätehaus mit einer umfangreichen Sammlung historischer Exponate und Bilder.

Zu den Ehrengästen zählte Landrat Michael Lieber, der ein Grußwort im mittelalterlichen Duktus übermittelte und einen Baum als Geburtstagsgeschenk überreichte.

Die Gaukler und Spielleute von „Wanderwind“ unterhielten das Publikum mit Jonglage und überbrachten zusammen mit dem Dudelsackbläser ein Geburtstagsständchen für Heijo Höfer, dem Altenkirchener Verbandsbürgermeister, der eigens für die Oberwambacher Feier seine Urlaubsplanung umgestellt hatte.

Volker Mendel, Verbandsbürgermeister der Nachbargemeinde Puderbach betonte, dass die Beziehungen zwischen den beiden Gemeinden sehr gut seien. Auch er schenkte der Gemeinde einen Baum, eine Puderbacher Linde. Sabine Bätzing-Lichtenthäler, MdB, bezeichnete den Zusammenhalt im Ort als ganz besonders und wertvoll. Pfarrer Triebel-Kulpe erläuterte die Geschichte der evangelischen Kirche, die im Wappen von Oberwambach abgebildet ist. Alle Ehrengäste erhielten als Dank vom Bürgermeister einen kleinen tönernen Krug, der extra für das Jubiläumsfest angefertigt worden war.

Oswald Schüler wusste aus der Chronik zu berichten, dass die Haufensiedlung Oberwambach einst der größte und bedeutendste Ort auf der Höhe war und im Dreieck Preußen – Wied – Nassau eine wichtige Rolle spielte. Eine lokale Berühmtheit konnte er benennen: Den Schriftsteller, Müller und Landwirt Karl Ramseger-Mühle. Er wurde bekannt durch seine Gedichte, Novellen und Romane. Schüler zitierte aus dem Roman „Die Gräfin von Sayn“, in dem der Ort beschrieben ist.

„Wanderwind“ stieß mit den Gästen auf die nächsten 550 Jahre an, „die werdet ihr auch noch überstehen.“ Helmi Tischler-Venter


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