Werbung

Nachricht vom 20.11.2014    

Hofnachfolge: Man muss die Dinge regeln

Die Westerwald Bank hatte die Landwirte aus der Region zum Agrar-Frühstück eingeladen. Im Fokus der Informationsveranstaltung standen Fragen der Hofübergabe und der Vorsorge. Für beide Aspekte gilt: Heute schon an morgen denken!

Sie boten ein umfangreiches Informationspaket rund um Nachfolge und Vorsorge für die Landwirtschaft an: (v. l.) Arno Ballnar, Agrar-Spezialist im Firmenkundenteam der Westerwald Bank, Steuerberater Ulrich Thiemann von ETL Agrar-Dienst und R+V-Bezirksdirektor Alexander Schmidt. (Foto: Westerwald Bank)

Hachenburg/Westerwald. Es sagt sich so leicht dahin: „Heute schon an morgen denken.“ Frühzeitig soll man sich um eine Nachfolgeregelung kümmern, nicht erst im Alter den Blick darauf richten, wer und in welcher Form den eigenen Hof einmal übernimmt und wie man selbst dann versorgt ist. Dass die Westerwald Bank mit ihrem Agrar-Frühstück zum Thema Hofnachfolge und Vorsorge für heimische Landwirte ein Gespür für relevante Themen hat, zeigte der Besuch: Bis auf den letzten Platz war der Veranstaltungsraum der Westerwald Bank in Hachenburg besetzt, darunter die Kreisvorsitzenden der Kreisbauernverbände Altenkirchen und Westerwald, Georg Groß und Heribert Metternich.

„Mit einer Hofübergabe, ob inner- oder außerfamiliär, werden die Weichen für die Zukunft gestellt. Und dabei möchten wir ein wenig helfen, wohl wissend, dass es hierbei um eine Entscheidung und einen Prozess geht, der für alle Beteiligten - den Abgebenden wie den Übernehmenden - eine Lebensentscheidung ist, die bestens vorbereitet sein will. Das heißt, am Ende müssen beide Seiten nicht nur das Gefühl, sondern die sichere Überzeugung haben, das Richtige zu tun“, machte Wilhelm Höser, Vorstandssprecher der Westerwald Bank, deutlich. Und Steuerberater Ulrich Thiemann von ETL Agrar-Dienst in Koblenz zeigte im Detail auf, welche Faktoren eine erfolgreiche Betriebsübergabe garantieren. Zuerst: „Sie müssen einen leistungsfähigen Betrieb anbieten können.“ Ein landwirtschaftliches Unternehmen, das sich mehr schlecht als recht trage, sei alles andere als attraktiv für einen potenziellen Nachfolger. Der wiederum müsse seine Fähigkeiten, einen Hof zu führen, unter Beweis stellen, beispielsweise über ein vorheriges Angestelltenverhältnis auf dem zu übernehmenden Hof.

Zwei Jahre Vorlaufzeit

Weitere Stichworte für den Erfolg der Betriebsübergabe: Genug finanzieller Spielraum, ein gutes und zeitnahes Rechnungswesen, schließlich eine eindeutig beschriebene Zielvorstellung für beide Seiten, um Ängste zu nehmen und Irrtümer auszuschließen. Das, so Thiemann, setze eine hohes Maß an Kommunikationswillen und -fähigkeit voraus: „Man muss über die Dinge reden und sie regeln. Für den Abgebenden heißt das beispielsweise, dass er für sich, seine Frau, seine Familie klären muss, wie er nach der Übergabe leben will, ob er finanziell und inhaltlich loslassen kann.“ Wird der Betrieb in Gänze oder zum Teil - beispielsweise ohne die Wohnimmobilie oder einen Teil der Nutzfläche - übergeben, vermietet, verkauft, welche Rechtsform wählt der neue Betreiber? Der Fragenkatalog sei lang. Der oder die Übernehmende wiederum müsse Klarheit haben, ob der Vorgänger beispielsweise auf ein Wohnrecht auf dem Hof bestehe, Hofanteile behalte, wie so genannte weichende Erben abgefunden werden, aber auch wie seine eigenen Lebensrisiken wie Krankheiten, Berufsunfähigkeit oder familiäre Veränderungen bedacht werden. Thiemann rät daher zu einer Vorlaufzeit von mindestens zwei Jahren, für die man gemeinsam bestimmte organisatorische Etappenziele festlegen und sich auch innerlich auf die Übergabe vorbereiten könne. Zudem: „Konflikte sollte man mutig angehen. Bei Bedarf hilft auch ein Coach, um verschiedene Ansichten oder Vorstellungen in Einklang zu bringen.“




Anzeige

Altersvorsorge frühzeitig regeln

Besonderes Augenmerk gelte zweifellos den steuerlichen Fragen, die kaum ohne fachliche Beratung zu meistern und in der Regel nur individuell zu beantworten seien - von erbschafts- und schenkungssteuerlichen Regelungen über Nießbrauchsmodelle bis hin zu Berücksichtigung von Leibrenten als Sonderausgaben fand Thiemann auf viele mögliche Einzelfälle kompakte Antworten, die er im Anschluss auch in Einzelgesprächen noch erläuterte - ebenso wie Alexander Schmidt, Bezirksdirektor der R+V-Versicherung, der die Vorsorge für die landwirtschaftliche Familie unter die Lupe nahm. Auch seine Botschaft lautete: „Bitte kümmern Sie sich frühzeitig um die Altersvorsorge!“ Wie Arno Ballnar, Agrar-Spezialist im Firmenkundenteam der Westerwald Bank, machte er deutlich, dass es zwar vielfältige Risiken im landwirtschaftlichen Bereich gebe, die man aber absichern könne. Schmidt stellte zunächst die Möglichkeiten und Leistungen der Landwirtschaftlichen Alterskasse (LAK) als Zweig der gesetzlichen Rentenversicherung dar, die jedoch nur ein Standbein der Alterssicherung sein könne: Neben der Regelaltersrente, die analog dem Renteneintrittsalter von Arbeitnehmern auf 67 Jahre steige, gibt es hier die Möglichkeit einer vorzeitigen Altersrente mit Abschlägen, Rente wegen Erwerbsminderung, Hinterbliebenenrente, Betriebs- und Haushaltshilfen und Überbrückungsgelder.

Daneben rät der Experte der R+V zu privater Vorsorge. Ein erster Schritt könne eine steuerlich geförderte Basis-Rente sein, die mit der LAK und möglicherweise ergänzt um eine berufsständische Versorgung aber nur eine erste Schicht der Altersversorgung abdecke. Die zweite Schicht soll demnach durch eine betriebliche Altersversorgung, etwa durch Pensionsfonds, eine Pensionskasse, Direktversicherung oder die Riester-Rente gebildet werden, die nachgelagert besteuert werden. In einer dritten Schicht schließlich empfehle er Produkte aus versteuertem Einkommen, dazu zählen kapitalbildende Lebensversicherungen, eine Privatrente, fondgebundene Renten, Bundesschatzbriefe, Banksparpläne oder auch Aktien. Das landwirtschaftliche Versorgungswerk der R+V biete hierzu individuelle Beratung und passgenaue Angebote.



Kommentare zu: Hofnachfolge: Man muss die Dinge regeln

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Ratgeber: Wie sich Autofahrende bei einem Wildunfall verhalten sollten

Region. Vor allem im Herbst gilt besondere Vorsicht- Wie lässt sich ein Wildunfall zu vermeiden?
Wenn es abends früher dunkel ...

Altenkirchen: Von den Sorgen und Nöten eines Einzelhändlers

Altenkirchen. An diesem sonnigen Freitagnachmittag hat Uwe Mattutat sein Ladenlokal über Stunden für sich allein. Kein Kunde ...

Raiffeisenfahrt führte durch drei Landkreise - Start und Ziel war in Altenkirchen

Altenkirchen. Der Start der Fahrt war in diesem Jahr am Hotel Glockenspitze. Das Bürgerhaus in Flammersfeld, dem Wirkungsort ...

20. Westerwälder Drachenflugfest startete trotz schwierigen Bedingungen in Horhausen

Horhausen. Die Mitglieder des „Drachenclub Dreamcatcher“ aus Kleinmaischeid unterstützen die Ortsgemeinde Horhausen und ...

420.000-Euro-Investition: Stadt Kirchen übergibt neue Unterkunft an DLRG-Ortsgruppe

Wehbach. "Wir haben lange nach einem Standort gesucht, und wir haben lange gebaut“, sagte der Kirchener Bürgermeister Andreas ...

VG-Wehr Daaden-Herdorf: "Die vergangenen drei Jahre haben uns sehr viel abverlangt"

Daaden. "Man kann nicht jeden Tag etwas Großes tun, aber etwas Gutes“: Das sei das Motto der diesjährigen Dienstveranstaltung ...

Weitere Artikel


Rollitennis aus Windhagen Sieger bei „Verein(t) gewinnt“

Oberlahr. Der Wettbewerb der Bad Honnef AG ging in diesem Jahr in die dritte Runde. Eingetragene Vereine aus der Region waren ...

Gourmetbier-Kreation aus Hachenburg

Hachenburg. Viele Medien lobten bereits den außergewöhnlichen Geschmack und die kreativen Bierstile der Hachenburger Selection-Biere, ...

Internetkriminalität – Hacker und Datenklauer im (Firmen-)Netz

Ransbach-Baumbach. Da Landrat Achim Schwickert verkehrstechnisch verhindert war, begrüßte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ...

Sebastian Pufpaff fragt: „Warum!“

Wissen. Bekannt vor allem durch seine eigene 3sat-Show „Pufpaffs Happy Hour“ mit einem Mix aus hintergründigem Kabarett und ...

Weitefelder Ortskern soll aktiviert werden

Weitefeld. Kürzlich wurden Weitefelder Bürgerinnen und Bürger vom Planungsbüro Stadt Land Plus aus Boppard über die bisherigen ...

Hohe Fördersumme im AK-Land

Kreis Altenkirchen Mit 102,5 Millionen Euro hat die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) in den ersten neun ...

Werbung