Werbung

Nachricht vom 02.12.2014    

Organspendeausstellung: Eine Frage von Leben und Tod

Drei Patienten sterben im Schnitt jeden Tag in Rheinland-Pfalz, weil sie vergeblich auf ein Spendeorgan warten mussten. Eine Wanderausstellung will nun für das Thema im Kirchener Krankenhaus sensibilisieren. Bei der Eröffnung wurde auch der Fall Tugce aufgegriffen. Bis zum 19. Dezember ist die Ausstellung zu sehen, jeder kann sich dort informieren.

Apothekerin Claudia Henkel, Geschäftsführer des Kirchener Krankenhauses, Klaus Schmidt, Landrat Michael Lieber, Geschäftsführer der LZG, Dr. Matthias Krell, MdL Michael Wäschenbach, MdB Erwin Rüddel, Bürgermeister Jens Stötzel und Dieter Hoffmann von der Selbsthilfegruppe Dialysepatienten (von links) eröffneten die Ausstellung. Foto: Daniel Pirker

Kirchen. Organspende - bei wenigen Themen liegen Tod und Leben so nah beieinander. Wie ein roter Faden zog sich diese Lehre durch die Reden anlässlich der Eröffnung der Wanderausstellung „Herz verschenken“ im Forum des Kirchener DRK-Krankenhauses.

Dies wurde sich vor allem an den Schicksalen zweier junger Frauen verdeutlicht:
Der aufrüttelnde Tod der Offenbacher Studentin Tugce berührt momentan ganz Deutschland. Sie starb letztes Wochenende an den Folgen einer Prügelattacke. Nach ihrem Tod entnahmen Ärzte der 23jährigen Organe. Ihre Eltern stimmten dem zu, weil Tugce einen Organspendeausweis besaß.

Alexandra Winter aus Mainz ist ebenfalls Studentin. Heute führt sie ein unbeschwertes Leben – dank einer Herztransplantation. Ein geeignetes Spenderorgan konnte gefunden werden, bevor es zu spät war. Alexandra hatte an einer Herzmuskelentzündung gelitten.
Sie ist eine der zwanzig Organempfänger, Angehörige, Spender oder Ärzte deren Portraits noch bis zum 19. Dezember ausgestellt werden.

Es gehe darum, mit konkreten Beispielen das Thema aus der Anonymität zu holen, erklärte Dr. Matthias Krell, der Geschäftsführer der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz, die die Ausstellung ins Leben gerufen hat. Man packe ein „schwieriges Thema“ an. Immerhin sei das Thema Organspende auch mit negativen Schlagzeilen verknüpft, womit er wahrscheinlich auf den sogenannten „Organspendeskandal“ anspielte, der vor einiger Zeit die gesellschaftliche Debatte bestimmte. Aber vor allem, weil es um existentielle Fragen gehe, um „Leben und Tod“.
Und sicherlich, die Ausstellung solle die Bereitschaft zur Organspende stärken. Aber nicht nur. Man wolle vor allem dazu anregen, dass die Besucher sich überhaupt mit diesem schwierigen Thema auseinandersetzten: „Wichtig ist, dass man sich entscheidet.“ Denn viele Angehörige seien schlicht überfordert, auch noch zu entscheiden, ob dem gerade verstorbenen Familienmitglied Organe entnommen werden dürften.

Tatsächlich besteht hier noch erheblicher Nachholbedarf, wie Krell verdeutlichte. So befürworteten zwar laut Umfragen 70 Prozent der Deutschen Organspenden, aber lediglich 20 bis 25 Prozent besäßen einen Organspendeausweis. Auf der anderen Seite stünden in Deutschland rund 11.000 auf der Warteliste für ein Spendeorgan, in Rheinland-Pfalz seien es mehr als 500. Und viele warten vergeblich: Jeden Tag sterben im Bundesland durchschnittlich drei Patienten, weil sie nicht rechtzeitig ein Organ erhalten konnten.

Umso aufrüttelnder ist vor diesem Hintergrund, dass die Bereitschaft zur Organspende eher noch sinke, wie der Geschäftsführer des Kirchener Krankenhauses, Klaus Schmidt, erinnerte. Gerade deshalb sei eine Sensibilisierung für dieses Thema so wichtig, wie sie mit der Ausstellung in seinem Haus stattfinde.

Der Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach appellierte, dass das Thema Organspende vermehrt im Schulunterricht integriert werden müsse. Er war es, der sich um die Ausstellung in Kirchen bemühte. Damit wolle er auch einen Impuls „nach draußen“ senden. Wäschenbach streifte zumindest eine polarisierende Frage: Solle nicht jeder Krankenversicherte automatisch als Organspender verpflichtet werden und dies nur umgehen können, indem explizit widersprochen werde?
Der Gesetzgeber hatte dies bereits vor einiger Zeit in einer parteiübergreifenden Debatte verneint. Der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel gab in seinem Grußwort offen zu, dass er sich das anders gewünscht hätte und der „radikalen Lösung“ einiges abgewinnen könne.
Umso mehr muss nun der Fokus auf Aufklärungsprojekte wie der Wanderausstellung liegen. (ddp)

Infos:
Die Wanderausstellung „Herz verschenken“ wurde von der Initiative Organspende Rheinland-Pfalz unter Federführung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. (LZG) realisiert. Sie wurde ermöglicht durch die Unterstützung des Gesundheitsministeriums, verschiedener Krankenkassen, der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) sowie des Paritätischen Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.
Neben der Ausstellung der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz e.V. sind auch Vertreter der Selbsthilfegruppe Siegerland-Olpe, die dem Landesverband „IG Niere NRW e.V.“ angehört, mit einem Informationsstand vor Ort. Die Selbsthilfegruppe wurde als Zusammenschluss von Dialysepatienten, Transplantierten und deren Familienangehörigen gegründet.


Jetzt Fan der AK-Kurier.de Lokalausgabe Kirchen auf Facebook werden!


Kommentare zu: Organspendeausstellung: Eine Frage von Leben und Tod

Es sind bisher keine Kommentare vorhanden

Anmeldung zum AK-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Altenkirchen.

Beliebte Artikel beim AK-Kurier


32-Jähriger stirbt bei Unfall auf der B 8 in Hasselbach

AKTUALISIERT | Auf der Bundesstraße 8 in Hasselbach ist es am Mittwochmorgen, 2. Dezember, zu einem Verkehrsunfall gekommen, bei dem eine Person tödlich verletzt wurde. Der 32-Jährige war von der Fahrbahn abgekommen und mit einem Baum kollidiert. Er konnte nur noch tot geborgen werden.


Diese neuen Coronaregeln gelten ab 1. Dezember

Der Anstieg der Neuinfektionen sind mit den Beschränkungen gebremst worden. Eine Trendwende wurde aber nicht erzielt. Die Zahl der tödlichen Krankheitsverläufe steigt. Deshalb wurde der Teil-Lockdown verlängert und zusätzliche Maßnahmen ergriffen. Um eine Überlastung des Gesundheitssysteme abzuwenden, muss der Inzidenz im Regelfall von maximal 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner erreichen.


Zwölf neue Corona-Fälle am Dienstag – Inzidenz bei 82,3

Zwölf neue laborbestätigte Infektionen gibt es mit Stand von Dienstagnachmittag, 1. Dezember, im Kreis Altenkirchen. Die Gesamtzahl aller seit März positiv Getesteten klettert damit auf 1162.


Feuer in Altenbrendebach: Wohnhaus wird Opfer der Flammen

In der Ortsmitte von Altenbrendebach ist es in der Nacht zu Dienstag, 1. Dezember, zu einem Brand einer Scheune gekommen. Das Feuer hat auf das unmittelbar angrenzende Wohnhaus, ein Fachwerkhaus, übergegriffen. Beide Gebäude standen in Vollbrand. Nach ersten Angaben der Feuerwehr ist das Wohnhaus nicht mehr zu retten.


Gesperrte B 414: Freigabe für Verkehr kurz vor Weihnachten

Der Blick aus dem Fenster und aufs Außenthermometer verheißt nichts Gutes: Die Temperaturen bewegen sich um den Gefrierpunkt. Nebelschwaden liegen über dem Land. Der richtige Winter hat sich mit dem ersten leichten Schneefall angesagt. Und dennoch: Die Sanierung der B 414 zwischen Altenkirchen und Bahnhof Ingelbach ist zeitlich gesehen noch nicht ins Hintertreffen geraten.




Aktuelle Artikel aus Region


7-Tage-Inzidenz im Kreis Altenkirchen sinkt weiter

Altenkirchen/Kreisgebiet. 16 Menschen starben im Zuge der Pandemie. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Kreis fällt gemäß Landesuntersuchungsamt ...

Wohnhaus zerstört: Spendenaufruf nach Feuer in Altenbrendebach

Wissen/Altenbrendebach. Die vierköpfige Familie aus Altenbrendebach steht nach dem verheerenden Brand in der Nacht auf Dienstag ...

Neue Busverbindung Katzwinkel-Elkhausen-Wissen: Signal für die Region

Katzwinkel/Wissen. Busverbindungen vom Heimatort zur Schule sind unter einer Stunde für Schüler „zumutbar“. Die Fahrt aus ...

Gebhardshain: Neue Weihnachtsbeleuchtung und Unterstützung für Nikolaus

Gebhardshain. „Leider, leider kann der Nikolaus in diesem Jahr nicht wie gewohnt die Kinder beim traditionellen Hüttenzauber ...

Nach 200 Jahren Kirchenkreis gibt es erstmals eine Video-Tagung

Kreis Altenkirchen. Pandemiebedingt hatte der Kreissynodalvorstand als Leitungsorgan des Kirchenkreises schon im Oktober ...

Spende für die Kindertagesstätte „Zur Wundertüte“ in Pracht

Pracht. Bereits im Oktober konnte die Übergabe einer Ritterburg und eines Anti-Aggression-Spielmaterials, welches das Faustlos-Präventionsprogramm ...

Weitere Artikel


Junge Faustballer zeigten ansprechende Leistung

Kirchen. Das Team wurde für diese Saison neu zusammen gestellt, und besteht, bis auf einen erfahreneren Spieler, hauptsächlich ...

Jan Tex absolvierte Praktikum bei Thorsten Wehner (MdL)

Wissen. Der Gymnasiast war überrascht von den vielfältigen Aufgaben, um die sich ein Landespolitiker kümmert. Neben der Organisation ...

Kindertagesstätte St. Katharina feierte Weihnachtsfest

Wissen/Schönstein. Die Organisatoren des diesjährigen Weihnachtsfestes der Kindertagesstätte St. Katharina hatten keine Mühen ...

Alpenweihnacht im Kulturwerk

Wissen. Die Adventszeit hat begonnen und die Weihnachtsmärkte locken mit Glühwein-Duft und winterlichen Köstlichkeiten. ...

Grandioses Adventskonzert in der Pfarrkirche "Kreuzerhöhung" Wissen

Wissen. Am ersten Adventssonntag, 30. November veranstalten der Männergesangverein „Zufriedenheit“ Köttingerhöhe und die ...

Fahrer hatte Glück - Auto Totalschaden

Bachenberg. Am Montag, 1. Dezember, gegen 13.50 Uhr, befuhr ein 21-jähriger Audi-Fahrer die Kreisstraße 37 von Hilgenroth ...

Werbung